Cuvée: Vermählung oder Verschnitt?

Hierzulande hat der Begriff „Cuvée“ keinen guten Ruf. Manche verstehen darunter einen Billigwein, der aus allen möglichen Rebsorten, Jahrgängen, Lagen und Ausbaustilen bestehen könnte. Dieses schlechte Image einer Cuvée hat wohl etwas mit dem Nord - Südgefälle in Europa zu tun. 

Cuvèe

In Deutschland, Österreich, Schweiz sowie im Elsass werden sehr wenige Cuvées hergestellt. Dagegen erfreuen sich Verschnittweine aus dem Bordeaux, der Toskana oder dem Riojagebiet größter Beliebtheit. Hierfür gibt es drei wesentliche Gründe: 

In den kühleren Regionen wird ein Weinberg nach Rebsorten geordnet bepflanzt. Der Winzer erntet eine Rebsorte nach der anderen und vinifiziert jeden Most separat. In vielen romanischen Weinbaugebieten hat der „gemischte Satz“ seine Tradition. Hier stehen verschiedenste Weinreben nebeneinander und werden gemeinsam geerntet, gepresst und zu Wein vergoren.

Außerdem werden eine konstante Qualität und ein konstanter Geschmack über mehrere Jahrgänge hinweg angestrebt. Besonders bei Schaumwein und da vor allem bei Markenprodukten von Großkellereien und Champagnerhäusern ist das Herstellen eines Verschnittweines mehr als notwendig. Weine werden verschnitten, um eine bessere Qualität und geschmackliche Harmonie zu erreichen. Dafür wählt ein Kellermeister z.B. einen sehr körperreichen, farbintensiven Rotwein als Verschnittpartner für leichtere, aber fruchtigere Weine aus.

Eine optimal vermählte Cuvée schmeckt besser als jede Partie für sich. Die Eigenschaften der einzelnen Partien wie Farbintensität, Fruchtausprägung, Tanningehalt, Alkoholgehalt und Fruchtsüße ergänzen sich dabei zu einem harmonischen Ganzen. Typische Rebsortencuvées sind die Weine aus dem Bordeaux, die aus drei bis fünf Rebsorten bestehen. Beim Châteauneuf-du-Pape an der Côte du Rhône sind sogar bis zu 13 Rebsorten zugelassen, wobei auch weiße Sorten in den Rotwein kommen dürfen. Deutsche Cuvées sind in den den Supermärkten und Weinhandlungen noch eine Minderheit. Jedoch gibt es vereinzelt Tropfen mit einem perfekten Preis und Genussverhältnis.

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen war 2013 laut Charles Sturt Universität in Canberra der Best International Wine-Educator of the Year. Hier möchte er alles, was er weiß und kann mit Ihnen teilen.

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