Das Weinetikett: Qualitätsstufen in Deutschland

Der Anbau von Reben, die Herstellung von Wein und seine Etikettierung sind in Deutschland seit 2012 durch die Europäische Weinmarktverordnung neu geregelt. Mit dieser Reform möchte die Europäische Union die Wettbewerbsfähigkeit aller Wein produzierenden Länder in der EU stärken und sie vor Ländern schützen, die Wein exportieren.   

Um das schwierige Konstrukt zu verstehen, bedarf es eines Blickes in die Geschichte. 1855 wurden im Gebiet Bordeaux die bis heute gültigen 5-stufigen Klassifikationen geschaffen, mit »Grand Cru Classé« als Spitze. Die großen Weinschlösser und ihre Lobby hatten diese Regelung damals durchgesetzt, um Konkurrenten vom Markt zu halten. Die Qualität wurde über die Herkunft und den Höchstertrag definiert. Im Grunde fußt darauf das neue Weinrecht in der Europäischen Union. Der Grundgedanke ist, die Qualitätseinteilungen stärker an die Herkunft sowie die Höchsterträge pro Hektar zu binden. Ohnehin war die in Deutschland übliche enge Verknüpfung von Qualitätsstufen und Öchslegraden jüngst in die Diskussion geraten, weil die Qualität eines Weines von vielen weiteren Faktoren bestimmt wird – zuallererst der Lage. Die Zauberworte im neuen EU-Weinrecht heißen Geschützte Ursprungsbezeichnung und Geschützte geografische Angabe. Damit bekommen wir auch in Deutschland weitgehend das französische Weinrecht, das man ebensogut romanisches Weinrecht nennen könnte, denn Italien hat das französische Recht in vielen Teilen übernommen.

Entwickelt wird ein Drei-Stufen-System:

  • Weine ohne geografische Angaben – entsprechen den bisherigen Tafelweinen.
  • Weine mit geografischen Angaben – entsprechen den bisherigen Landweinen.
  • Weine mit Ursprungsbezeichnungen – entsprechen den bisherigen Qualitäts- und Prädikatsweinen.

Die Ursprungsbezeichnung benennt eine Gegend, einen Ort oder eine Lage. Die Trauben müssen zu 100 % aus dem Gebiet stammen und der Wein auch dort hergestellt worden sein. Seine Güte und Eigenschaften müssen überwiegend den geografischen Verhältnissen entsprechen. Im Zuge der Brüsseler Beratungen wurde jedoch erreicht, dass auch traditionell verwendete Weinnamen weiterhin Bestand haben. Damit wurde unser gesamtes deutsches Qualitäts- und Prädikatsweinsystem in das EU-Recht integriert. Unsere Qualitätswein- und Prädikatsbezeichnungen mit Gebiet, meist auch mit Ort und Lage, können sozusagen als Ursprungsbezeichnungen gelten.

Die Winzer werden künftig immer öfter die neuen Angaben auf den Flaschen aufführen, die 1971 festgelegten Qualitätsbegriffe dürfen allerdings weiterhin als „traditionelle Begriffe“ genutzt werden. Sie können also auch in Zukunft folgende Prädikate auf den Etiketten deutscher Qualitätsweine finden:

 

Kabinett

Feine, leichte Weine aus reifen Trauben mit geringem Alkoholgehalt.

Spätlese

Reife, elegante Weine mit feiner Frucht, die etwas später geerntet werden.

Auslese

Edle Weine aus vollreifen Trauben - unreife Beeren sind ausgesondert. Ab dieser Stufe ist die Handlese Pflicht.

Beerenauslese

Weine aus überreifen, edelfaulen Beeren. Der Botrytispilz (Edelfäule) trägt mit zur Qualität bei. Nicht jedes Jahr sind solche Weine möglich, dafür sind sie – wenn die Natur ihre Herstellung erlaubt – über Jahrzehnte lagerfähig.

Trockenbeerenauslese

Aus rosinenartig eingeschrumpften, edelfaulen Beeren hergestellt, ist die Trockenbeerenauslese die Spitze der Qualitätspyramide. Süß und honigartig, ist sie von extremer Alterungsfähigkeit.

Eiswein

Diese Besonderheit darf nur aus Trauben erzeugt werden, die in gefrorenem Zustand (meist ab minus 7 °C) gelesen und gekeltert werden, sodass nur das Fruchtkonzentrat ausgepresst wird. Ihr Mostgewicht muss mindestens dem einer Beerenauslese entsprechen. Die Weine sind in ihren feinsten Ausprägungen von fast kristalliner Brillanz, mit einem explosiven Säure-Süße-Spiel und einem feinen Eisbonbon-Aroma.

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen gehört zu den bekanntesten Sommelierausbildern in Deutschland und gehört seit Jahren zu den 50 TOP-Sommeliers des Aral Schlemmeratlas. Hier möchte er alles, was er weiß und kann, mit Ihnen teilen.

Zum Portrait