Globalisierung im Weinregal

Seit 2012 gilt in Deutschland das europäische Weinrecht. Die Gespräche, Diskussionen und Neuerungen sind auch notwendig geworden, denn die Globalisierung auf dem Weinmarkt mit ihren positiven und negativen Auswirkungen wird sich weiter fortsetzten. Die Märkte sind gesättigt, das Preisniveau aus Sicht der Winzer im sprichwörtlichen Keller und die Konkurrenz aus den weinbaubetreibenden Drittländern groß.

Deutschland ist das Mekka für internationale Weinexporteure: Kein Land kauft mehr Wein ein. Der internationale Wettbewerb konzentriert sich immer mehr auf zwei Gruppen von Ländern: einerseits der Neuen Welt (mit USA, Chile, Argentinien, Australien, Neuseeland und Südafrika) und andererseits Europa.

Weltweit werden rund 240 Millionen Hektoliter Wein im Jahr genossen und ca. 280 bis 300 Millionen Liter Wein produziert. Eine gewaltige Größenordnung, wenn man bedenkt, dass der Weinkonsum innerhalb Europas sinkt. Erstes alarmierendes Signal: Der Weingenuss in ganz Südeuropa kräftig zurückgeht, während es in Nordeuropa nur leicht ansteigt. 

Globalisierung

In unserem Heimatland ist Wein beliebt. 20 Millionen Hektoliter Wein werden jährlich genossen. Gegenüber den Importweinen konnten sogar Marktanteile zurück erobert werden. Grund für die erfolgreiche Vermarktung sind aus meiner Sicht die konsequente Qualitätsphilosophie, unsere Leitrebsorten Riesling und Spätburgunder und die „Flaggschiffe“ der deutschen Winzerschaft. „Klasse statt Masse“ heißt die Devise! Mit Individualismus, Authentizität, Spiritualität und Emotion werden Premiumweine zu Kassenschlagern. 

Die Veränderungen in der Weinwelt haben das Denken in der deutschen Weinwirtschaft positiv beeinflusst. Einerseits entwickeln sich immer mehr Weinbaubetriebe zu erfolgreichen Selbstvermarktern mit Dienstleistungsangeboten, wie Apartmentvermietung oder eigener Gastronomie - andererseits schaffen die Weinkellereien und Erzeugergemeinschaften neue, attraktive Anreizsysteme, damit die vielzähligen deutschen Nebenerwerbswinzer eine bessere Traubenqualität abliefern. Der wirtschaftliche Erfolg eines Betriebes liegt nicht so sehr in seiner Betriebsgröße und seinem materiellen Besitz, sondern vielmehr im fachlichen Können und in der Unternehmerkompetenz des Inhabers. Es zeigt sich zunehmend, dass Winzer neben naturwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auch das Entertainment beherrschen müssen.

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen war 2013 laut Charles Sturt Universität in Canberra der Best International Wine-Educator of the Year. Hier möchte er alles, was er weiß und kann mit Ihnen teilen.

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