Herbstbotschafter in Sachen Wein

Winzer, Wein- und der Lebensmittelhandel preisen jetzt den „Sauser“, „Bitzler“, „Sturm“, „Rauscher“, „Düser“ oder den „Neuen Wein“ an. Den gärenden Traubenmost gab es früher wegen der geringen Haltbarkeit nur in den Weinregionen. Heute hat der Herbstbote unter dem Begriff „Federweißer“ oder auch „Federroter“ überall seine Freunde.

Die Frage, woher der Name „Federweißer“ kommt, lässt sich am besten mit einem Schoppenglas gärenden Traubensaft (Most) vor Augen beantworten: Die milchig weiße Färbung des Getränks, das durch die freiwerdende Kohlensäure mit Leben erfüllt ist, erinnert an den Tanz von vielen kleinen Federn.

Die süffige Spezialität ist ein Produkt aus frischem Traubensaft und zugesetzter Hefe. Die im Most enthaltenen Zuckerarten Glucose und Fructose werden in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. Ab einem Alkoholgehalt von etwa vier Prozent wird ein Federweißer verkauft. Durch die fortschreitende Gärung lässt sich ein Federweißer nur kurzzeitig lagern. Eine kühle Temperatur verlangsamt die Fermentation und erhält den feinfruchtigen und prickelnden  Geschmack. Weil ständig neues Kohlendioxid gebildet wird, dürfen die Gefäße nicht luftdicht verschlossen werden. Der entstehende Druck ist so groß, dass die  Glasbehältnisse zerbersten könnten.

Für mich ist der Ursprung des Federweißen besonders wichtig. Deshalb lese ich immer aufmerksam das Etikett. Nur „Federweißer“ bedeutet, das Erzeugnis kann aus allen Weinbauregionen Europas kommen. „Deutscher Federweißer“ kann aus allen deutschen Weinbauregionen kommen und ein Federweißer mit regionaler Bezeichnung, wie z. B. „Pfälzer Federweißer“ kommt zu 100 % aus dem jeweiligen Anbaugebiet. Je näher das Gebiet bezeichnet ist, desto besser die Qualität.

Ein Federweißer riecht angenehm hefig, meistens nach frischgebackener Brioche oder Biskuits. Das Geschmacksempfinden ist frisch, fruchtig und süß. Federweißer kann mit einfachen regionalen und deftigen Essen kombiniert werden. Ein Vesperteller mit Landbrot, Pfälzer Saumagen oder Zwiebelkuchen sind klassisch.