Interview mit...

Ludwig Knoll

Ludwig Knoll

Weingut am Stein, Würzburg

Eine Glaubensfrage? Korken, Glas, Drehverschluss? Wo geht die Reise hin, was sind Ihre Erfahrungen?

Wir haben 2006 komplett auf Schraubverschlüsse umgestellt. Auch die besten Roten und die edelsüßen Weine. Ich würde auch gerne die Doppelmagnums mit Schraubverschluss machen, wenn es sie denn gäbe. Das ist für mich tatsächlich der sinnvollste Verschluss.

Warum?

Gerade vor einigen Tagen haben wir eine Altwein-Verkostung gemacht, wo mittlerweile auch Glasverschlüsse dabei waren, die ich auch toll fand – vorher. Dann habe ich allerdings festgestellt dass der Glasverschluss leider Gottes bei Wein eine relativ hohe Oxidation zulässt. Man wird die Silikonscheibe als abdichtendes Element wohl ein bisschen in Frage stellen müssen. 

Kork ist für mich keine Alternative mehr, wir haben einfach so viele schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Vom Orange Wine bis zum Vin Jaune (Gelbwein), ein Trend oder eine langfristige Philosophie des Weinmachens?

Was den Orange Weine angeht:  Ich glaube dass beim Weinmachen Trends nur langfristig sein können. Wir legen Weinberge an, müssen Entscheidungen fällen, die über 50 oder 80 Jahre oder länger Bedeutung haben, man kann nicht heute mal dies und morgen jenes machen, sondern es muss mit Herzblut und mit viel Überzeugung passieren. Und man sollte nicht auf einen Trend aufspringen, nur weil der Markt gerade nach etwas Neuem schreit. 

Trotzdem glaube ich, dass die Orange-Wine-Geschichte eine Chance haben kann:  Reden wir von einem maischevergorenen und in einem oxidativen Gefäß gelagerten Wein, so glaube ich, dass er eine Zukunft hat, weil er eine eigene, eigenständige Linie zeigt, die spannend ist, auch zum Essen, weil diese Weine eine höhere Reife mitbringen.

Bei Weinen aus der Amphore steht oft auch der „fehlerhafte“ Geschmack in der Kritik?

Das Wort fehlerhaft sollten wir aus den Köpfen streichen und stattdessen offener sein. Wir haben vor fast 30 Jahren in Georgien Weine aus der Amphore verkostet. Das ging gar nicht. Heute bin ich gerne eines besseren belehrt, wir müssen mehr Respekt haben vor einer traditionellen Ausbauart. Wir sollten nicht unser oftmals sehr technokratisch inspiriertes Wissen als Maßstab anlegen, sondern Traditionen ernst nehmen und unseren Geschmackshabitus nicht als absolutes Bewertungsinstrument sehen. Wir müssen offener sein. Ich glaube, dass diese Weine zu vielen Dingen, gerade in der Reife, interessanter schmecken können als unsere konventionell ausgebauten Weine.

Was darf in Ihrem Weinregal nie fehlen?

Hier muss ich jetzt doch mal eine Lanze für den Silvaner brechen, weil der Silvaner national und auch international noch lange nicht die Bedeutung hat, die ihm zukommen sollte – gerade auch als Speisenbegleiter. Davon muss einfach die breiteste Auswahl im Weinregal liegen.