Interview mit...

Cecilia Jost

Cecilia Jost

Weingut Toni Jost, Rheingau

Wer oder was hat Sie bisher in Ihrem Leben am meisten inspiriert?

Inspiriert hat mich meine Großmutter, eine unglaublich tolle Frau. Sie hat mit 99 Jahren noch Klavier gespielt und bis zum 102. Lebensjahr täglich ein Glas Wein getrunken. Nie Schorle. Bewusst ein Glas Wein und ein Glas Wasser. Sie hat es bis zu ihrem Tod verstanden, aus dem täglichen Glas Wein echte Lebensfreude zu ziehen. Das hat mir sehr imponiert.

Feuerwehrmann, Fußballprofi oder Primaballerina – oder anders gefragt: Welchen Traumjob, außer dem eines Winzers, könnten Sie sich vorstellen?

Seitdem ich denken kann, habe ich gesagt: „Ich möchte machen, was der Papa macht.“ Mein Vater arbeitete draußen, durfte sich schmutzig machen, arbeitete im Keller, wo es laut und dunkel war. Das fand ich unglaublich spannend. Mit 16/17 habe ich dann gemerkt, dass der Weinbau unheimlich viel Arbeit ist. In dieser Zeit fand ich Archäologie unheimlich spannend und habe dann ein Semester in Frankfurt studiert. Dabei habe ich festgestellt, dass es die kleinen und großen Probleme unserer Zeit, wie Liebeskummer und Migration, bereits vor dreitausend Jahren gab. Im Laufe des Studiums habe ich aber auch gemerkt, dass Archäologie nichts mit der Indianer Jones-Romantik zu tun hat, sondern es letztlich ein eher trockener Beruf ist. Es macht viel Spaß in der Erde zu wühlen und etwas zutage zu fördern. Aber ich habe in der Zeit auch zu Hause gearbeitet, dort in einer anderen Erde gewühlt, gesehen, wie man am besten den Wein wachsen lässt. Über diesen Umweg habe gemerkt, wieviel mir am Wein liegt. Seit 10 Jahren bin ich glücklich mit dem Fach Weinbau, sehr glücklich mit unserem Weingut und gönne mir ab und zu ein paar gute Archäologie-Bücher.

Welche Leidenschaften haben Sie – neben dem Wein?

Ich koche und grille unglaublich gerne. Die Vorbereitungen, die Zusammenstellung der Speisen, das Marinieren, die Ruhezeiten - das hat für mich viele Parallelen mit der Kreation eines Weines. Am Ende schafft man sich ein Produkt, was man guten Gewissens genießen kann. Natürlich lassen sich auch die Speisen und der Wein kombinieren, es gibt unendlich viele Möglichkeiten, es wird nie langweilig.

Welche Entwicklungen in der Weinwelt finden Sie gerade spannend und welche gefallen Ihnen nicht?

Ich habe in Geisenheim studiert und dabei die ganze Welt kennen gelernt, neue Sprachen gelernt, Kontakte nach Österreich und Neuseeland geknüpft. So international ein regionales Produkt anzubauen und zu vermarkten, das ist für mich faszinierend. Nach dem Studium absolvierte ich auch ein Praktikum in Neuseeland. Wenn man dann im April Heimweh bekommt, geht man durch vollreife Rieslingfelder und fühlt sich fast wie zu Hause. Man ist als Winzer überall zuhause. Gerade der Riesling prägt auf jedem Boden seine Eigenart aus, so gibt es keine wirkliche Konkurrenz, jeder besetzt seine eigene Nische und wir können getrost all unsere Weine neben einander stellen.