Interview mit...

Regina Stigler

Regina Stigler

Weingut Stigler

Wer oder was hat Sie bisher in Ihrem Leben am meisten inspiriert?

Inspiriert hat mich mein Großvater, der Genossenschaftswinzer war und mich als Kind immer mit zur Weinlese genommen hat. Das fand ich super, bis auf die klebrigen kalten Finger. Dadurch wollte ich Lebensmittelchemie studieren und habe ein Praktikum in einem Lebensmittelbetrieb gemacht – im Badischen Winzerkeller, und das im Jahrhundertjahrgang 1976. Das war mein Schlüsselerlebnis, wo ich gesagt habe „Boah, super, toll!“. Ich war in allen Abteilungen, ich hatte noch keinen Winzer als Freund (lacht!).

Ich habe dann zwar auf Lehramt Biologie und Mathe studiert, habe aber immer nebenher im Weinlabor gejobbt. Schlussendlich lernte ich dann auf einem Weinfest meinen Mann kennen und damit war es dann klar. Nebenher war ich noch ein bisschen Lehrer. Und der Kleingruppenunterricht kommt mir jetzt sehr zugute.

Feuerwehrmann, Fußballprofi oder Primaballerina – oder anders gefragt: Welchen Traumjob, außer dem eines Winzers, könnten Sie sich vorstellen?

Für mich ist Winzer der absolute Traumjob. Ich habe zwar auch wahnsinnig gern als Lehrer gearbeitet und die Schule unter Tränen verlassen. Ich habe dann daraus meine Ideen der Weinmenüs und Veranstaltungen entwickelt. Im Endeffekt ist es das Gleiche, ob Sie eine Unterrichtsstunde oder eine Weinveranstaltung vorbereiten. Das ist die Quintessenz aus beiden Berufen. Der Winzerberuf ist unheimlich vielseitig und was ich immer allen, gerade auch den Jugendlichen, sage: Es ist ein Beruf, wo man einen Kreis schließt. Man sieht, wie etwas entsteht, wie etwas wächst, wie etwas gedeiht, wie man unterstützend helfen kann, ohne die Natur zu verfälschen. Und das in eine Flasche zu bringen.

Und dann ist der tollste Moment, wenn man die Reaktion sieht, wenn der Gegenüber probiert. Dann ist man unheimlich zufrieden mit dem, was man getan hat!

Wenn Sie einen Wunsch für den deutschen Wein frei hätten – was würden Sie sich wünschen?

Der deutsche Wein soll international wieder dorthin kommen, wo er in der vorherigen Jahrhundertwende war. Das ist ein hochgestecktes Ziel und daran müssen wir alle arbeiten. Das können wir nur durch eine hohe Qualität. Da ist natürlich auch der VDP wichtig, der nach außen ausstrahlt. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wir exportieren zum Beispiel nach Asien: Dort ist nur das obere Segment gefragt. Deutscher Wein – international anerkannt, das ist ein Ziel, das für mich verfolgenswert ist.

Haben Sie eine bestimmte Tradition, wenn der Wein des Jahres eingebracht ist?

2006 hatten wir witterungsbedingt eine katastrophale Ernte und 70 Prozent verloren. Deswegen haben wir unsere Ernte verändert. Die Trauben werden seit dem immer direkt nach Hause gefahren und sofort kühl gelagert. Unser letzter Herbstbottich erhält einen „Rebbock“. Es werden Zweige mit Trauben geschnitten und drapiert. Mit diesem Bottich fahren wir durchs Dorf, damit alle sehen, dass der Stigler mit der Ernte fertig ist. Der Rebstock steht dann auch im Hof, es werden Erinnerungsfotos gemacht und jeder sieht, wie gut die Ernte war.