Interview mit ...

Claus Burmeister

Weingut Heitlinger

 

Welche Leidenschaft haben Sie neben dem Wein?

Meine große Leidenschaft neben dem Wein ist die Jagd. Ich bin ein Naturmensch und von klein auf mit meinem Vater und Großvater auf die Jagd gegangen. Das ist für mich ein Bereich, wo ich mich entspannen, Ruhe finden und mit Freunden zusammen sein kann. Mich faszinieren besonders die Berge, zum Beispiel in Schottland. Den ganzen Tag draußen zu sein, hart zu arbeiten. Wo körperliche Kondition und das eigene Können entscheiden, ob man zum Schluss was in der Bratpfanne liegen hat und eine schöne Flasche Wein dazu aufmachen darf oder halt nur den Wein trinken und ein bisschen Gemüse essen kann.

Für welchen Wein würden Sie alles stehen und liegen lassen? 

Einen 61er La Romanée Conti von der Domaine La Romanée Conti – das ist der Wein, der mich bisher in meinem Leben am meisten inspiriert hat. Da habe ich die Engel singen hören. Das ist der großartigste Wein, den ich jemals in meinem Leben probieren durfte – einmal im Weingut selbst und auf einer Veranstaltung in Italien am Comer See. Das hört sich zwar ein bisschen abgedroschen an, aber das war wirklich so. 

Er gilt als der teuerste Spätburgunder der Welt, und da war ich natürlich sehr, sehr gespannt, wie er denn schmecken würde. Und es war einfach ein großartiges Erlebnis, also gerade der 61er. 

Bei solchen Erweckungserlebnissen werden ja gerne bestimmte Nuancen beschrieben – wir war das bei Ihnen?

Für mich ist es wichtig, dass mich ein Wein berührt. Ich mache mir wenig beschreibende Notizen, sondern ich finde, Wein soll bewegen. Ich will seine Seele spüren, das Besondere, was er erzählen kann. Und dazu gehört nicht nur Aroma, sondern auch die Geschichte. 

Einen 61er probiere ich anders als einen 2016er. Der Wein hat eine ganz andere Geschichte hinter sich, musste über 40 Jahre oder länger zeigen, wie gut er ist, was er noch kann und was er nicht kann. 

Wein muss ein stimmiges Bild abgeben, muss auch Ecken und Kanten haben, sollte Seele und Charakter besitzen. Ich merke mir die Weine emotional.

Was findet sich immer in Ihrem Kühlschrank?

Das hängt davon ab, worauf ich gerade Lust habe. Dann stelle ich es mir vielleicht noch vorher in den Kühlschrank. Mein Problem ist, dass Weißwein oft nicht drin ist, weil ich mich nicht entscheide, was ich gerne hätte, und ihn dann schnell kühlen muss.

Ich kenne meine Stimmung nicht immer – ob es ein Riesling- oder ein Burgunder-Tag ist. Ich stelle dann einen Riesling und einen Burgunder kühl, so habe ich immer eine Ersatzflasche oder - sagen wir - Sicherheitsflasche griffbereit. 

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Ich bin nicht gut in Leichtathletik. Fußball spielen kann ich nur im Tor. Was kann ich noch nicht gut? Ich kann nicht gut Ordnung halten, außer im Weinkeller und im Weinberg. Ich bin ein Fan von Malerei, aber malen kann ich gar nicht. 

Ich bin ja froh, dass ich (hoffentlich) eine Begabung habe, und das ist der Wein, und mit allem anderen komme ich zurecht.