Interview mit ...

Johannes Graf von Schönburg-Glauchau

Weingut Schloss Westerhaus

 

Sie haben sich für die Frage „spontaner Rückblick“ entschieden – also, wie würden Sie Ihre Autobiografie nennen? 

Die hätte auf jeden Fall im Titel das Wort „mutig sein“. Das gilt für mein Studium, in dem ich häufig mal gegen den Strom geschwommen bin. Und im Job, bei dem ich als Branchenfremder in ein Weingut investiert habe. Aber auch, und das ist der wichtigste Punkt, in der Familie. Wir haben fünf Kinder. Das ist eine starke Herausforderung, aber eben auch das Allerbeste, was wir machen können. 

Meine Frau und ich kommen beide aus sehr großen Familien, und mussten immer viel Rücksicht nehmen. Als Kind nervt das, aber später merkt man, wie gut das war und wie dankbar man sein muss, dass man durch diese Schule gegangen ist. Gerade in der Weinbranche ist ja das Thema Nachhaltigkeit das wesentliche Thema. Wir wollen nicht auf jede Mode mit aufspringen, sondern auch gegen den Strom schwimmen.

Gerne würden Sie mal einen Tag tauschen mit?

Mit Jemandem aus einer Machtzentrale der Welt – für einen Tag. Mal ganz nah dran sein, zum Beispiel an den Entscheidungswegen der Bundesregierung. Zu erfahren: Wie laufen die Informationen, wie werden Bündnisse geschmiedet? Wer nimmt auf wen Rücksicht? Welche „Ego-Maßnahmen“ finden jeden Tag statt? 

Sie haben sich noch für eine weitere Frage entschieden. Und jetzt sind wir gespannt, was wir in Ihrem Kühlschrank finden.

Unser Kühlschrank ist sehr groß, wir sind ein Haushalt mit mindestens sieben Personen. In meinem persönlichen Kühlschrank findet man auf jeden Fall, was vor Ort produziert wird, vom Metzger oder Käsereien. Und Obst und Gemüse, das es gerade auf dem Wochenmarkt gibt. Bei uns auf dem Land gibt es noch den Tauschhandel. Mit Freizeitbauern, die im Sommer die Gurken bringen und diese dann auch mal gegen eine Flasche Wein tauschen. Ich mag Speisen, die man teilen kann. Was ich hasse, sind Einzeljoghurtdrinks, die jeder für sich kauft, die man nicht teilen kann. Für mich ist teilen wichtig, es sollte eigentlich für jeden was dabei sein. 

Und gibt es etwas, was Sie nicht können?

Es gibt Dinge, die man sich wünscht, zu können, zum Beispiel besser musizieren. Dass man aus dem Stegreif in einer Jazz-Combo mitspielen könnte, das ist so der Traum. Aber in Sachen Musik bin ich, im Gegensatz zu meiner Frau, nicht talentiert. Dabei haben wir eine 100 Jahre alte Hausorgel mit 800 Orgelpfeifen, wie sie sonst nur im Deutschen Museum in München zu finden ist. Aber ich beherrsche sie nicht, nicht mal im Ansatz. Dafür hupt es sehr häufig nachmittags bei uns zu Hause. Jedes Kind, das schon fähig ist, spielt etwas. Im Augenblick sind Geige, Klavier, und Trompete angesagt.