Interview mit ...

Johannes Hasselbach

Weingut Gunderloch

 

Sie würden gerne mal eine Flasche Wein trinken mit?

Ganz klar mit Carl Zuckmayer, der über den Fröhlichen Weinberg eine enge Verbindung zu unserer Familie hat. Er hat viele Sachen geschrieben, die ich einfach faszinierend finde wie Teufels General und Hauptmann von Köpenick. Beim Fröhlichen Weinberg ranken sich so einige Mysterien drum, wie es jetzt genau dazu gekommen ist. Und das würde ich gerne mit ihm bei einer Flasche Wein besprechen. Und ihn als interessanten Charakter mit enger Bindung zu unserer Familie kennenlernen.

Sie haben einen Traumjob, den des Winzers. Wenn Sie noch mal die Wahl hätten, welchen Beruf könnten Sie sich noch vorstellen?

Dass ich tatsächlich in einem Traumjob arbeiten darf, wurde mir erst Stück für Stück klar. Ich war eigentlich, bevor ich Winzer werden wollte, auf dem Weg zum Wirtschaftsprüfer, habe BWL studiert, ganz langweilig. Dann kam es aber dazu, dass mein Vater seine Tochter, die bei uns die Weine gemacht hat, nach Österreich zum Praktikum geschickt hat.

Und dann war sie weg.

Aus Liebe zum österreichischen Wein und vor allem zu einem österreichischen Jungwinzer ist sie dort geblieben. Dadurch hat sich die Chance für mich geboten in den Familienbetrieb einzusteigen, und mich schrittweise reinzuarbeiten. Gerade die menschliche Komponente beim Weinmachen finde ich unheimlich spannend. So habe ich zwar meine Schwester verloren, aber auf der anderen Seite den Freiraum bekommen, mich selbst im Weingut zu verwirklichen.

Wie gelingt das Ihnen, von dieser sachlich-fachlichen Richtung kommend?

Vielleicht ist es gerade der Umstand, dass ich nicht diese sehr theoretische Ausbildung genossen habe und eher mit einem gewissen Bauchgefühl rangehe. Natürlich, die Technik ist wichtig. Aber das Spannende gerade für eine junge Winzergeneration ist, zu überlegen, wo kann man auf Sachen verzichten, wo kann man noch mehr Einfluss nehmen? Und das funktioniert mit einer Bauch- oder Fingerspitzengefühl-gesteuerten Art besser. 

Für mich als Quereinsteiger ist der Austausch mit Winzerkollegen super wichtig und mit meiner Schwester in Österreich zu telefonieren. Wir haben quasi neue Telefonleitungen zwischen Nackenheim und Langenlois gelegt. Da ist ein unheimlicher Durst nach Austausch, auch mit anderen Kollegen aus dem Ausland. 

Haben Sie eine bestimmte Tradition, wenn der Wein des Jahres eingebracht ist?

Wenn wir fertig sind, werden die Erntefahrzeuge draußen im Weinberg mit Blättern geschmückt. Damit fahren wir die letzten Erntebottiche nach Hause ins Weingut und feiern gemeinsam als buntes Grüppchen. Traubenleser aus Polen und Portugal, Praktikanten aus Australien, aus Neuseeland, aus Amerika. Es wird in sehr vielen verschiedenen Sprachen geredet, mit Händen und Füßen kommuniziert. Und wir schaffen es jedes Jahr, eine richtig tolle Stimmung und einen guten Austausch zu bekommen. In einer Blindverkostung machen wir so richtig alte Jahrgänge auf und probieren gemeinsam – vom einfachen Erntehelfer bis zum studierten Praktikanten, da hat jeder unheimlich Spaß dabei. 

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Gerade als Quereinsteiger gibt es Bereiche, wo ich mir bei den Eltern Rat holen muss. Und wir haben ein tolles Team, in dem jede Aufgabe gemeinsam gelöst wird. Ich bin mir auch nicht zu fein zu fragen, sondern jede Erfahrung ist wertvoll. Wir bewirtschaften unsere Weinberge mit Raupen, und da wollte ich gleich unseren Mitarbeitern zeigen, was alles möglich ist. Prompt habe ich mich im Steilhang festgefahren und musste von den Mitarbeitern gerettet werden. Aber das ist Training-on-the-Job!