Interview mit ...

Karl-Heinz Wehrheim

Weingut Wehrheim

 

Sie möchten uns verraten, welche Leidenschaften Sie neben dem Wein haben.

Das Thema Wein hat natürlich mein ganzes Leben geprägt – als Winzersohn und als aktiver Winzer in den letzten 30 Jahren. Aber parallel habe ich immer mein Hobby, die Jagd, verfolgt. Auch in Zeiten, wo ich relativ wenig Zeit hatte, wo der Winzer gefragt ist, in Zeiten wie im Sommer, wo man sich nach den Reben orientieren und rund um die Uhr anwesend sein muss. Trotzdem habe ich immer die Möglichkeit gefunden, ein paar Stunden für mich freizumachen und auf die Jagd zu gehen.

Einmal aus der Notwendigkeit, weil ich sehr viele Weinberge am Waldrand habe. Auf der anderen Seite bin ich begeisterter Koch. Und aus dem Grund bin ich fasziniert davon, mein Fleisch selbst zu erlegen, zu verarbeiten und zuzubereiten. Am liebsten landet bei mir im Topf der Rücken vom Hirsch oder vom Reh oder auch vom Wildschwein mittleren Alters.

Für welchen Wein würden Sie alles stehen und liegen lassen?

Nicht unbedingt stehen und liegen lassen, denn beim Wein kommt es ja auch auf den Jahrgang an, genauso wie in anderen Situationen im Leben. Ich habe mit Burgunder begonnen, weißem und rotem. Ich bin auch bekannt als einer der Burgunder-Könner in Deutschland. Weißburgunder ist meine erste Sorte. Aber je älter ich werde, umso mehr fröne ich dem Riesling, weil ich diese Kombination von Säure und Länge an diesem Wein unheimlich schätze. Und aus dem Grund trinke ich persönlich, wenn es das Wetter zulässt, das heißt, wenn es nicht zu kalt ist, Riesling. Im Winter, wenn es dann richtig kalt ist, nur noch Spätburgunder.

Wie würden Sie Ihre Autobiografie nennen?

Wie gesagt, der Wein hat mein Leben beeinflusst, ganz enorm. Aber wenn Sie mich nach meiner Autobiografie fragen, würde ich sagen, die richtige Frau geheiratet, vier Kinder wohl erzogen, alle ohne Probleme Abitur gemacht, alle mit einem Hochschulabschluss, sehr geratene Kinder, eine intakte, wirklich liebe Familie als Grundlage für die Autobiografie Wehrheim.

Geht von Ihren vier Kindern jemand auch in Ihre Richtung?

Wenn vier Kinder in Ihre Richtung gehen, dann haben Sie ein Problem, und wenn keines in Ihre Richtung geht, dann haben Sie auch ein Problem. Aber auch dies hat sich von selbst erledigt. Meine drei Töchter sind sehr früh ihre eigenen Wege gegangen. Mein Sohn hat nach anfänglichem Zögern das Weingut auf eigenen Wunsch übernommen, nach Betriebswirtschaft noch Önologie studiert, einen zweiten Bachelorabschluss gemacht und ist jetzt bereits mein Kompagnon im Weingut.

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Ich bin Altsprachler, zehn Jahre habe ich Latein gehabt. Ich bin schlauer als die anderen, sagt meine jüngste Tochter immer. Warum? Ich bin ein Jahr sitzengeblieben. Aus dem Grund habe ich noch ein Jahr länger Latein gehabt. Dadurch habe ich, sagen wir mal, die anderen Sprachen etwas vernachlässigt. Was ich nicht kann und worin ich auch nicht so begabt bin, das ist moderne Sprachen zu sprechen. Ich bin über die Qualität von Schulkenntnissen in meinem Leben nicht hinausgekommen. Aus dem Grund haben wir unsere Kinder alle ins Ausland geschickt. Die sind perfekt globalisiert. Das ist ganz wichtig heutzutage. Das kann ich leider nicht.