Interview mit ...

Lewis Schmitt

Weingut J. Neus

 

Welche Entwicklung in der Weinwelt finden Sie gerade spannend?

Als Nicht-Rheinhesse ist für mich Rheinhessen eine super-dynamische Region. Wurde sie in der Vergangenheit als Gegend der Mischbetriebe und Massenproduzenten abgetan, ist mittlerweile ganz viel Alarm in der Geschichte, Pusch ohne Ende. Da sind nicht nur jüngere Betriebe, die jetzt voll auf Qualität setzen, sondern auch gestandene Betriebe, die jedes Jahr die Messlatte neu definieren und auch als Vorbild fungieren. 

Knapp 60 Weingüter haben sich sogar zu einem Verein zusammengeschlossen, um den Herkunftsgedanken zu stärken und ihre Weine nach Gutswein, Ortswein und Lagenwein zu klassifizieren. Das hat für mich Vorreitercharakter – gerade in so einer großen Region wie in Rheinhessen. Schön ist auch, dass der Verein offen ist. Jeder, der sich dem Herkunftsgedanken verschrieben hat, kann mitmachen. Wir als Weingut Neus haben natürlich direkt gesagt, das finden wir klasse, da sind wir mit dabei.

Für welchen Wein würden Sie alles stehen und liegen lassen?

Spätburgunder ist für mich die bevorzugte Rebsorte. Da kann man so viel mit machen, das ist einfach unschlagbar. In Deutschland ist natürlich der Riesling eine absolute Königsdisziplin, und es gibt so tolle Weine aus dem Riesling, aber für uns als Spätburgunder-Produzent, und auch für mich persönlich, ist der Spätburgunder einfach am vielseitigsten. Es gibt keine Rebsorte, die mir persönlich so viel gibt. Vom einfachen hell gekelterten Wein über Roséweine bis zu den richtig großen Pinots oder auch einfachen Pinots für jeden Tag kann die Rebsorte so tiefgründig sein, so große Weine hervorbringen. Da ist es für mich und andere schon schwer, auf dem Level überhaupt zu konkurrieren. 

Welche Leidenschaften haben Sie – neben dem Wein?

Ich bin fußballbegeistert und tief im Herzen ein begeisterter Karnevalist. Wenn es auf die Karnevalstage zugeht, dann das ist die schönste Zeit im Jahr. Ich bin jahrelang als Büttenredner aktiv gewesen und versuche mich mit Freunden im Männerballett. Die Nähe zu Mainz als Fastnachtshochburg ist schön. Wenn es am Anfang auch ein bisschen schwer war als Kölner Fastelovend Jeck. Aber wenn man da die Scheuklappen ablegt, kann man viel Spaß haben. Ich interessiere mich, wie die Mainzer Karneval oder die Fastnacht feiern. Aber ich bleibe natürlich bei meinem Alaaf.

Gibt es etwas, das Sie nicht können? 

Ich bin mega-ungeduldig. Wenn etwas nicht direkt so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, werde ich schnell nervös und unzufrieden. Dann muss ich das Thema komplett weglegen und mir sagen, nee, das bringt jetzt nichts. Wenn ich mich dann mit frischem Kopf an die Sache setzte, klappt es dann meist auch besser.