Im Interview ...

Robert Schätzle

Weingut Schloss Neuweier

 

Welche Leidenschaften haben Sie – neben dem Wein? 

Für mich ist das kulturelle Umfeld des Weines spannend. Wein ist ja nicht nur ein Getränk unter vielen, sondern ein Kulturgut. Wein hat eine 6000jährige Geschichte. Da sind 700 Jahre Weinkultur im Schloss Neuweier eine sehr kurze Zeitspanne. Um einen richtig guten Wein zu machen gehört auch das Interesse an Land und Leuten dazu. 

Beispiel: Die Trockenmauern an unserem Mauerberg mit einer ganz eigenen Flora und Fauna und einem erheblichen Einfluss auf das Traubenwachstum sind über 500 Jahre alt. Heutzutage gibt es kaum noch Menschen, die mit dem fachgerechten Bau derartiger Trockenmauern vertraut sind. Mit der Heidelberger Gartenbaumschule wollen wir dieses Wissen erhalten und dokumentieren. Weinbergtrockenmauern sind in den letzten 20, 30 Jahren in Vergessenheit geraten – wir möchten sie für die nächsten Jahrzehnte konservieren, so dass auch die nachfolgenden Generationen noch etwas davon haben. 

Welche Entwicklungen in der Weinwelt finden Sie gerade spannend? 

Ich finde es spannend, dass deutsche Weine wieder mit großem Interesse wahrgenommen werden, speziell VDP-Weine aus historischen Lagen. Vorallem im Ausland sind die Leute bereit, sich auch auf ältere, gereifte Weine einzulassen. 

In Deutschland hat der Mainstream noch nicht verstanden, dass ein guter Riesling ruhig ein paar Jahre alt sein kann und dann möglicherweise zu den Speisen nicht nur viel besser passt, sondern erst dann sein gesamtes Potential entfaltet und noch bekömmlicher wird. Beim Wein geht es auch um die Frage: Was macht er mit mir? Nicht selten ist man mit gereiften Weinen „besser drauf“. Junge Weine sind mehr wie Espresso, junge Rieslinge zum Beispiel sind sehr tonisch, das putscht auf. Gereifte Weine dagegen schaffen Harmonie, da habe ich die rosarote Brille auf.

Gibt es etwas, was Sie nicht können? 

Das Thema Wein beschäftigt mich rund um die Uhr, ich kann nicht abschalten. Mir ist es wichtig, das Thema Wein in seiner ganzen Vielfalt und seinem Facettenreichtum den Menschen im In- und Ausland nahezubringen. 

Wie sind Sie zu Ihrer Passion gekommen? 

Ich komme aus einer Winzerfamilie. Über den Umweg der Biotechnologie, der modernen Forschung, bin ich zum Weinmachen mit dem Labor unter freiem Himmel gekommen. Bei dem Thema Wein hat man immer mit interessanten Leuten zu tun und nicht zuletzt nach einem guten Glas Wein ergibt sich regelmäßig ein anregendes Gespräch, das gefällt mir.