Interview mit ...

Thomas Haag

Weingut Schloss Lieser

 

Welche Entwicklungen finden Sie in der Weinwelt gerade spannend?

Ich bin mittlerweile 25 Jahre in meinem Betrieb, habe über die Jahre einiges mitbekommen. Nun wächst die nächste Generation inklusive meiner Kinder gerade in die Weinwelt hinein, und da spüre ich eine große Offenheit, Wissbegier und Aufmerksamkeit für das Thema. Und je mehr gute, spannende, authentische Weine auf den Markt kommen, desto interessanter wird das für uns alle. Qualitativ spielen wir mittlerweile auf ganz anderem Niveau wie noch vor 30 oder 35 Jahren – durch die klimatische Veränderung und durch den Enthusiasmus der jungen Generation.

Bei aller Offenheit sollte man trotzdem authentisch bleiben und das verfolgen, wofür die Region steht. Nicht das Rad gänzlich neu erfinden, sondern in Nuancen immer wieder an Stellschrauben drehen. Für mich als Moselaner ist es extrem wichtig, die feinen, filigranen, eleganten, verspielten Weine, so, wie sie schon die vorangegangenen Generationen entwickelt haben, weiterzuführen. 

Welche Leidenschaft haben Sie – neben dem Wein? 

Mein Lebenstraum ist Fußball – ich schaue gerne Fußball, mein Sohn spielt Fußball. Das ist an den Wochenenden bei uns immer Thema, neben dem Wein.

Und für wen schlägt Ihr Herz?

Muss ich das sagen?

Wenn es ein Geheimnis ist, dann nicht.

Es sind die Bayern – immer schon. 

Das schreiben wir trotzdem.

Wenn Sie Ihre Biografie in kurzen Worten beschreiben würden – geradlinig, mit Umwegen? Vielleicht hat Sie etwas besonders inspiriert oder es gab einen besonderen Impuls?

Ich habe das Weingut vor circa 25 Jahren zusammen mit meiner Frau gekauft. Ich komme aus einer Weingutsfamilie, aber wir haben uns entschieden, etwas Eigenes aufzubauen. Wir haben einen heruntergekommenen, maroden Betrieb übernommen. Das war schon eine Generationenaufgabe, der wir uns in relativ jungem Alter gestellt haben. Aber ich würde genauso wieder rangehen, mit allem, was gut war und auch mit den Fehlern, die wir mit Sicherheit gemacht haben. Alles, was wir über die Jahre entwickelt haben, immer dem Fokus Qualität unterzuordnen, nicht Mainstream-Weine zu kreieren. Wein muss auch Ecken und Kanten und eine eigene Identität haben. 

Eine Zeit, die Sie bestimmt auch sehr zusammengeschweißt hat?

Ja, genau! Wir sind demnächst 25 Jahre verheiratet, und wenn Sie tagtäglich miteinander arbeiten und den Betrieb gemeinsam aufgebaut haben, dann zählt das ja doppelt – also alles wunderbar, alles perfekt.

Gibt es denn etwas, was Sie nicht können?

Es gibt ja immer 100 Sachen, die man nicht kann. Was ich nicht kann und auch nie konnte, ist pünktlich sein.