Das Restaurant ist die beste Probierstube

Wein und edle Speisen, dass das gut zusammenpasst, ist kein Geheimnis. Wer ein Weingut besucht, vielleicht sogar dort ein Wochenende verbringt, möchte meistens auch gut essen gehen. Trotzdem muss man schon ein wenig suchen, um beides auf einmal zu finden. Dabei stellt sich doch die Frage, ob die Kombination nicht auch für den Winzer und den Gastronomen einen Mehrwert darstellt. Gibt ein zufriedener Gast nicht auch mehr aus, kommt wieder, empfiehlt weiter?

Das PfälzerWeingut am Nil ist gleichzeitig auch Inhaber des gutseigenen Restaurants, der „Vinothek am Nil“. Obwohl ein Soft Opening geplant war, hätten die Gäste ihnen sofort nach der Eröffnung im Sommer 2013 die Türen eingerannt, erzählt die gastronomische Leiterin Alexandra Nickel. Mit den mediterranen Spezialitäten hat man inmitten von pfälzischer Hausmannskost offensichtlich einen Nerv getroffen. Wer den Hof des Weinguts betritt, kommt in der Regel zum Essen, sagt die Gastronomin. Doch auch bei dem 28 Hektar großen Weingut läuft es rund. „Wir sind jedes Jahr ausverkauft“, heißt es. Ob das Restaurant dabei den entscheidenden Schub geliefert hat, sei schwer zu sagen, weil Gastronomie und Weingut nach Besitzerwechsel und Umbau gleichzeitig ihre Pforten für den Publikumsverkehr geöffnet hätten. Aber von den Restaurantbesuchern nähme etwa jeder fünfte Wein mit nach Hause. „Und das, obwohl wir viele Stammgäste haben, die freilich nicht jedes Mal einkaufen.“ Im Restaurant gibt es alle gutseigenen Weine im offenen Ausschank. Ergänzt wird die Karte durch portugiesische Rotweine, da die Besitzer auch eine Quinta im Alentejo führen.

Vorteile für beide Seiten
Von gegenseitigen Synergien spricht dagegen Sandra Knoll vom Weingut am Stein in Würzburg. Denn das im Gutshaus beheimatete und vom Sternekoch Bernhard Reiser geführte Restaurant „Reisers“ arbeitet natürlich auf eigene Rechnung, aber das Miteinander zahle sich für beide Seiten aus. Zum einen stünden einige Gäste nach dem Restaurant-Besuch vor der Tür des Gutes, um sich etwas von dem Wein mitzunehmen, den sie eben genossen hätten. „Das Restaurant ist die beste Probierstube überhaupt", gibt sich Knoll, die mit ihrem Mann Ludwig das VDP-Weingut führt, überzeugt. Schließlich funktionieren manche Weine in Kombination mit den passenden Speisen erst so richtig gut, was sich bei einer konventionellen Weinprobe allenfalls erahnen lässt. Was der Sternegastronom von der Verbindung hat? „Eine tolle Location, einen super Blick auf Würzburg, ein außergewöhnliches Ambiente“, zählt Knoll einige Vorteile auf. Außerdem sei eine Freundschaft entstanden, für sie ebenfalls eine „Voraussetzung, so erfolgreich zu sein“. Von den Weinen vom Stein sei im Restaurant und in der Weinbar alles offen zu bekommen, auch reifere Jahrgänge. Zusätzlich gebe es aber auch – in der Sternegastronomie Pflicht – internationale Weine und die „von ein paar VDP-Kollegen“.

Kooperation auch außer Haus
Noch einen Schritt weiter geht das Barolo-Weingut Damilano mit dem im selben Gebäude untergebrachten Sternerestaurant „Camia“ des gleichnamigen Küchenchefs. Über die Synergien vor Ort hinaus hat man noch andere Formen der Zusammenarbeit gefunden. „Massimo Camia hat uns auf die Weinmesse Vinitaly begleitet und dort bei uns am Stand passende Speisen zu unseren Weinen gekocht", berichtet Marco Montali, Exportleiter bei Damilano. Mittlerweile gehe man zwar nicht mehr auf die Vinitaly, aber die gemeinsamen Auftritte hätten sich bestens bewährt, so dass Massimo zu Weinpräsentationen nach New York oder Hongkong mitkomme und dort für das Wine-Food-Pairing sorge. Trüffelgerichte und Barolo – besser kann man das piemontesische Terroir wohl kaum vermitteln!

Bildrechte: thelinke bigstock; Michael Hamann, Verena Borell, Weingut Damilano

Gerald Franz

Gerald Franz

Feuilletonistisches Schreiben. Wein. Erst das eine, dann das andere. Und dann beides zusammen, passt doch perfekt! Auf WeinPlaces gibt es von Gerald ab sofort mehr von dieser Kombination!

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