Der BCB 2017 - Partnerland Frankreich

Am 11. und 12. Oktober fand in Berlin in der Station Berlin der 11. Bar-Convent Berlin statt. Im Jahre 2007 von Bastian Heuser, Jens Hasenbein und Helmut Adam gegründet hat sich der BCB inzwischen zum wichtigsten europäischen Event der Bar- und Getränkeindustrie entwickelt. Der Run auf die Messe war dieses Jahr besonders stark und in den sozialen Medien wurde bereits vor Wochen hyperventiliert auf Grund der immens hohen Nachfrage nach Tickets. 

Über 12000 Besucher wurden für die zwei Tage im alten Dresdner Bahnhof erwartet, die in 8 Hallen auf über 1000 Marken und Aussteller aus aller Welt trafen. Von Russland bis Cuba, von Japan über Kanada wurde die alkoholische Landkarte der Welt en Miniature reproduziert. Als Themenschwerpunkt 2017 war das Partnerland Frankreich eingeladen.

Doch nicht allein die Aussteller, die von der kleinen Manufaktur bis zum internationalen Konzern reichte, sondern insbesondere die über 170 Referenten boten einen Mehrwert für die Besucher, ungeachtet der unzähligen Möglichkeiten der Verkostung. Fachvorträge von hochqualifizierten Speakern über italienische Bitters, Kaffeecocktails oder Bier von Garett Oliver von der Brooklyn Brewery bis hin zum Thema Rassismus (Hospitality against Racism) ließen das Rad zum Kreise werden.

Obwohl es sich beim BCB explizit um eine Barmesse handelt, war von Kaffee über Bier, Sake und Champagner alles vertreten, was sich trinken ließ, stehend oder liegend, geschüttelt oder gerührt. Allgegenwärtig war der derzeit unaustrinkbare Gin in all seinen Facetten. Doch auch die deutliche Präsenz von Rum führte dem Besucher rasch vor Augen, dass die Gin-Entwicklung zwar eine gesamteuropäische Entwicklung ist, andere Länder jedoch einen weiteren Blick auf die Welt der Spirituosen haben als Deutschland: Wermut war klar positioniert, Whisky in seiner Bandbreite mit erweitertem Fokus auf japanische und taiwanesische Produkte. Parallel zum europäischen Gin-Hype entwickelte sich in den letzte Jahren ein wahrer Bourbon Boom in den USA, dessen Entwicklung in der Präsenz einiger herausragender Produzenten nun auch in Berlin kondensierte. 

Auch Bier ist auf einer Bar-Messe nicht weg zu denken. Vom Craft-Bier bis zur Renaissance der alten Bier-Stile gab es von IPA bis zum traditionellen Berliner Sauerbier eine große Palette an feingehopftem und kaltgestopftem zu verkosten. 

Das Partnerland Frankreich hatte vor allem die reichhaltige Spirituosenvielfalt und Geschichte des Landes im Fokus. Neben Cognac, Armagnac und Pastis lag der Schwerpunkt lauf Frankreichs langer Tradition als Rum-Markt. Das Rhum Agricole Tasting von Joseph Akhavan aus der Pariser Bar "Mabel" konzentrierte sich beispielsweise ausschließlich auf die durch die AOC herkunftsgeschützte Spezialität. Sullivan Doh, Shootingstar der Pariser Barszene, bietet in seiner Pariser Bar Le Syndicat ausschließlich Cocktails mit französischen Spirituosen an und war als Referent vertreten.

Natürlich durfte auch der Champagner nicht fehlen, der als einziges Getränk aus Reben vertreten war. Der Wein der Bar, wie er gern genannt wird, stand in zwei Seminaren im Zentrum der Aufmerksamkeit. Champagner-Cocktails sind eine alte Gattung der klassischen Barkultur, doch auch als Solist hat Champagner seinen festen Platz in den Bars der Welt. Daraus ergibt sich die Problematik, dass oftmals zweierlei Marken bereit gehalten werden, zum Auffüllen der Drinks und eine Marke als Solist für den Ausschank im Glas. Kann ein Champagner beide Anforderungen erfüllen? Und sind die Marken der bekannten Champagner-Häuser den Winzer-Champagnern vorzuziehen? Der Ursprung der klassischen Champagner Cocktails liegt oft weit über hundert Jahre zurück, und das Geschmacksbild der Champagner war damals, anders als heute viel süßer. Ein Rückblick über die historische Entwicklung sowohl der Häuser (Champagne at the Bar and What to Look out for) als auch der aktuellen populären Winzerchampagner (Growers Champagne - Artisanal and Diverse) versuchte, die Weine in den Kontext der modernen Bar und deren Anforderungen einzuordnen.  

Der Gesamtüberblick über das französische Programm

Insgesamt ist der BCB eine der wohl farbenfrohesten und freudigsten Messen im Getränke-Bereich. Entgegen der uniformen, genormten Messe-Ästhetik der ProWein ist der BCB ein Kaleidoskop aus kunterbunten Ständen unterschiedlichster Stile: Vom Tiki-Stand bis zum englischen Gentlemens’s Club, vom Distillers-Warehouse-Style bis zum alt Berliner Dandy-Chic: Die Stände waren durch kreativ mit großer Liebe zum Detail, dass allein der Gang durch die Hallen jede menge Eye-Candy bot. Zur Erfrischung stellte Gerolsteiner Mineralwasser eine Wasser-Flatrate in Form allgegenwärtiger Kühlschränken mit stillem und karbonisiertem Mineralwasser zur Verfügung, um für die nötige Balance zwischen den Verkostungen zu sorgen. Denn trotz aller Professionalität handelt es sich um eine Spirituosenmesse, deren Wirkung sich für einige Besucher mit nachhaltiger Markanz darstellte. 

Bildrechte: Bar Convent Berlin 2017 / Gili Shani

Sebastian Bordthäuser

Sebastian Bordthäuser

Der studierte Germanist betrat die Sommelierszene als Quereinsteiger. 2012 kürte Falstaff ihn zum Sommelier des Jahres. Er schreibt für Effilee, die Welt am Sonntag, Feinschmecker, BEEF und Vinum.

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