Der Riesling SWAG in Hamburg

»Ein Abend, der in die Riesling-Geschichte eingehen wird.« Jens Pietzonka, Weinzentrale Dresden

Was am Samstag, dem 1. April 2017, im Hamburger Restaurant VLET in der Speicherstadt stattgefunden hat, ist ein Ereignis, das ich als Mitveranstalter immer noch sacken lassen muss. Sicher kann ich es nicht neutral beschreiben und will es auch gar nicht. Aber ich kann mich auf Dutzende begeisterter Kommentare von Gästen, teilnehmenden Sommeliers und Winzern, Weingutsbesitzern und -verwaltern berufen, die diesen Abend ähnlich empfunden haben. Der Abend sollte eine unvergessliche Feier des deutschen Rieslings werden, und genau das ist er geworden.

Woher stammt die Idee zum Riesling-SWAG?
Doch wovon spreche ich überhaupt? Seit einigen Jahren findet in New York ein Event statt, das sich Rieslingfeier nennt. Auch in New York wird gerne Riesling getrunken. Um Riesling noch präsenter zu machen, hat Stephen Bitterolf, Inhaber des Deutschwein-Imports Vom Boden und einer der wichtigsten Fürsprecher deutschen Weins in den USA, 2012 zum ersten Mal eine Reihe namhafter Riesling-Winzer nach New York eingeladen, um eine besondere Veranstaltung ins Leben zu rufen. Es sollte ein Abend werden, an dem nicht nur die Winzer ganz besondere Flaschen aus ihren Kellern mitbringen sollten, sondern ebenso jeder Gast. Dieser Abend wurde ein großer Erfolg. Seitdem ist die Rieslingfeier ein fester Bestandteil in der Weinszene des Big Apple.

Stephan Bauer und Marc Herold, Freunde und Rieslingenthusiasten, haben sich dann im letzten Jahr die Frage gestellt, ob eine solche Feier im Land des Rieslings nicht auch möglich wäre? Eines Abends im Dezember letzten Jahres sprachen wir darüber, sie hatten schon mit der Planung begonnen und ich bin direkt mit eingestiegen. Was dann am 1. April ganz ohne Scherz im VLET stattgefunden hat, war das zutiefst befriedigende Ergebnis dieser Idee. An elf Tischen nahmen Repräsentanten von elf großartigen deutschen Rieslingweingütern Platz, darunter Egon Müller Scharzhofberg, Schloss Lieser und Geltz-Zilliken, Joh. Jos. Prüm und von Othegraven – wobei es sich Thea und Günther Jauch nicht haben nehmen lassen, persönlich zu erscheinen. Von der Nahe und aus der Pfalz kamen das Gut Hermannsberg, Dr. Bürklin-Wolf und Koehler-Ruprecht, aus Rheinhessen Wagner-Stempel und Philipp Wittmann, und schließlich vertrat Peter Bernhard Kühn den Rheingau.

Genauso wichtig, wie Vertreter von hervorragenden Weingütern zu finden, war es für uns, ihnen die richtigen Begleiter an die Seite zu stellen: Sommeliers, die genauso vom Riesling begeistert sind wie die Winzer. Im Gegensatz zu New York, wo die Sommeliers die Gäste lediglich bewirten, haben wir sie mit an die Tische gebeten. Denn natürlich gab es nicht nur Wein, sondern auch ein passendes, auf Riesling abgestimmtes nordisches und erdiges Fünf-Gänge-Menü, das auch die Sommeliers genießen sollten. So entwickelte sich von vornherein ein Miteinander aus Gästen, Winzern und Sommeliers, die aus einer unglaublichen Fülle großartiger Weine schöpfen konnten. Möglicherweise war noch nie so viel Ausnahme-Riesling an einem Ort versammelt wie am vergangenen Samstag. Und so konnten Gerhard Retter, Sebastian Bordthäuser, Axel Bode, Rienne Marzo Bilz, Emmanuel Rosier, Jens Pietzonka, Tom Schramm, Ralf Kawelke, Carsten Laade, Carine Patricio und Antonios Askitis Weine wie einen 1937er Morstein, einem 1945er Forster vom Reichsrat von Buhl und jede Menge reifer Rieslinge aus 1971 und 1976 öffnen. Hinzu kamen Weine wie beispielsweise ein 2002er Heerkretz bei mir am Tisch. Oliver Müller vom Weingut Wagner-Stempel hatte es sich nicht nehmen lassen, zwei der letzten vier vorhanden Flaschen des Weinguts mitzubringen. Fokko Krooneman von der Firma Coravin, die uns bei der Realisierung unterstützt hat, hatte eine 6-Liter-Flasche Imperial des 1999er Nonnenberg vom Weingut Georg Breuer dabei, anhand deren er das Coravin-System erklären konnte. Bei knapp neunzig Gästen und Winzern müssen es rund 300 Flaschen gewesen sein, aus denen die Sommeliers wählen konnten, was sie auch in großer Breite getan haben.



Für uns war dieser Abend, den wir als Non-Profit-Veranstaltung organisiert hatten, eine Genugtuung; denn wir mussten im Vorfeld um jeden Gast kämpfen. Es gab sehr viele Vorbehalte, selbst unter Freunden. Doch immerhin, von denen sind alle gekommen. Wir haben sie überraschen und überzeugen können. Ja, mehr noch. Sie werden bei einer möglichen Neuauflage wiederkommen und Freunde und Freunde von Freunden mitbringen. Was sich kaum jemand vorstellen konnte, war die Atmosphäre des Abends, der nicht nur vom Team und der Küche des VLET wunderbar begleitet wurde – es war der Austausch, das Miteinander, der Gang von Tisch zu Tisch, um mal hier und mal dort zu probieren und in Gespräche einzusteigen.

"Bitte, was ist ein SWAG?"
Petra Pahlings vom Weingut Joh. Jos. Prüm meinte einen Tag später: »Danke für Eure wunderbare Gesellschaft gestern Abend beim Riesling-SWAG in Hamburg! Bitte, was ist ein SWAG? – nicht nur ich habe mich das gefragt und konnte es meinem Chef auch nicht wirklich erklären. Und wie SWAGT man? Bis gestern wusste ich es nicht. Seit gestern Abend glaube ich zu wissen, dass SWAGEN ungefähr die gleiche Bedeutung wie SCHWELGEN haben muss. Und geschwelgt haben wir, das ist sicher! Marc Herold, Stephan Bauer und Christoph Raffelt haben mit dem wunderbaren Team des Restaurants VLET in der Hamburger Speicherstadt einen Abend der Extraklasse organisiert und umgesetzt, unterstützt von einer rieslingverrückten Sommelierstruppe. Ich schwelge immer noch …« Und das ist es, war wir erreichen wollten.

Der Riesling SWAG ist zu finden unter www.riesling-swag.com

Bildrechte: Ralf Kaiser

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Christoph Raffelt ist ein ausgesprochen fleißiger Blogger, Kritiker, Podcaster, Prediger und Dozent in Sachen Wein. Da er auch gerne Gast ist haben wir ihn einfach eingeladen auch für uns zu schreiben.

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