Korsika – Camping & Wein auf der Insel der Schönheit

Schon an Deck der Autofähre kann man irgendwann die Insel riechen, der Wind trägt den Duft übers Meer, noch ehe man das Eiland selbst gesehen hat, den Duft der „Macchia“ (franz. maquis), jener unvergleichliche Mischung aus Kräutern, Gräsern, Pinienhainen und Kiefernwäldern, diese typische, wilde Vegetation, die Korsika prägt. Kurze Zeit später ist die Insel auch zu sehen, majestätische Berge erheben sich aus dem tiefblauen Meer, die Hafenstadt Bastia kommt näher. Seit meiner Jugendzeit komme ich immer wieder gerne her, ich liebe das Land, die Leute, die Weine, die Küche – französisch geprägt und doch so eigen. Hier an der Ostküste aß ich erstmals perlmuttglänzende Miesmuscheln, die mit Lorbeerblätterm in korsischem Chardonnay gedämpft wurden, ich löffelte würzige Aziminu Fischsuppe am Hafen von Ajaccio, genoss gegrillte Figatellu-Schweinswurst, die auf einer cremigen Polenta von Esskastanien-Mehl serviert wurde und entdeckte die reiche Schaf- und Ziegenkäsevielfalt der Insel. Neben dem berühmtesten korsischen Käse, dem saisonalen Brocciu, einem quarkähnlichen Käse, der frisch verzehrt wird, hat es mir dabei besonders der Brin d’Amour (dt. Strohalm der Liebe), ein Rohmilchkäse aus Schafsmilch, angetan. Den gibt es manchmal auch auf dem Hamburger Isemarkt, aber nur auf Korsika schmeckt er so unvergleichlich – der Käse allein ist die Reise wert, behaupte ich.


Diesmal sind wir mit Freunden unterwegs, mit Bulli, Wohnwagen und Zelt, die Insel scheint sich kaumverändert zu haben seit dem letzten Besuch vor ein paar Jahren. Während der knapp 1,5 stündigen Fahrt von Bastia bis zum Campingplatz am Strand von Aléria freuen wir uns über die urwüchsige Natur, die kleinen Ortschaften mit ihren Steinhäusern, die mächtigen Berge, die weiten Strände, rotbraune Erde, Kastanienwälder, Korkeichen. Der Campingplatz Marina d’Aleria gehört zu den Schönsten der Insel, Reservierung ist weit im Voraus dringlichst zu empfehlen. Wir finden einen schönen Platz unter Schatten spendenden Bäumen, wenige Schritte sind es zum Meer. Abends gehen wir zu Fuß hinauf in das nahegelegene Restaurant L'Écurie Domaine De Padulone in Mitten von Weinbergen gelegen und mit Meerblick-Terrasse. Das Restaurant selbst, ist in den Räumen ehemaliger Stallungen entstanden und wunderschön gestaltet. 

 

Die Küche ist ursprünglich korsisch, der Service herzlich und zuvorkommend. Hier kann man auch einfache korsischen Landweine probieren, zur Tapenade mit Baguette schmeckt der kühle Cuvée Historique Rosé 2014 Réserve du Président. Ein Cuvée aus Syrah, Grenache und der regionalen Niellucciu-Traube, eine entfernte Verwandte der Sangiovese-Traube, sie kam im 18. Jahrhundert mit den Genuesen auf die Insel. Der Réserve du Président ist ein Markenwein der Union des Vignerons de l’Île de Beauté (U.V.I.B.), dem größten Weinerzeugerverband auf der Insel, der ebenfalls in Aléria sitzt. Wir genießen dazu auch die tiefdunkle, cremige Krebs-Fischsuppe Soupe d’araignées mit Safranmayonnaise, frischem Knoblauch und geriebenem reifem Schafskäse. Mit den Händen pulen wir eine Riesenportion Crevettes fraîches in Kräuterbutter, bestellen noch eine Wild-Dorade vom Grill mit Auberginen-Tomaten-Reis. Das meiste Gemüse fürs Restaurant bauen die Gastgeber in Bio-Qualität hinter dem Haus an.

Zum Nachtisch gibt es Käse aus der Region mit hausgemachter Feigenmarmelade und Profiteroles, die à la maison dick mit flüssiger Bitterschokolade überzogen wurden, dazu ein Berg Schlagsahne. Und Löffel für alle.

Am nächsten Tag machen wir uns schon vormittags auf den Weg, um uns mit korsischem Wein für den Urlaub einzudecken. Wir sind nur knappe fünfzehn Minuten unterwegs zu einem der schönsten Weinplätzen der Insel: die Domaine de Mavela ist eigentlich eine Destille, hier brennt der Besitzer Jean-Claude Venturini eine ganz besondere Spezialität: korsischen Whisky, den Pietra Mavela, der mit einem Anteil an Esskastanien gebrannt wird – eine Gesetzeslücke macht es möglich, denn die Esskastanie gilt auf Korsika als Getreide (schließlich gibt sie auch Mehl!). Der umtriebige Venturini betreibt auf dem Grundstück der Brennerei aber auch einen Handel mit korsischen Delikatessen und korsischem Wein und hat dafür umgebaut, die alte Substanz in beeindruckender Weise aufgefrischt und modernisiert.

In den kühlen, elegant gestalteten Kellerräumen empfängt klassische Musik die Besucher, hier berät Stefanu Venturini die Gäste und führt, wenn Zeit ist, über alle Sprachbarrieren hinweg, gerne in die ganz besondere Weinwelt der Insel ein. Mit insgesamt neun AOC-Weinen (darunter eine für den Natur-Süßwein „Muscat du Cap Corse“), sowie zahlreichen Land- und Rebsorten-Weinen ist Korsika eine eigenständige Weinbauregion mit einer Anbaufläche von etwas über 7.000 Hektar und einer Gesamtproduktion von etwa 400.000 Hektolitern. Gut die Hälfte der Rebfläche ist mit den Rotweinsorten Cinsaut, Carignan und Grenache, Nielluccio und Sciacarello, Carajolo Noi und Alicante Bouschet bepflanzt. Bei den Weißweinen sind es überwiegend Ugni Blanc, Chardonnay, Viognier, Muscat Blanc ä Petits Grains und Vermentino. Im Stil sind die korsischen Weine mediterran, die Weinberge ziehen sich vom Meer bis in mittlere Hochlagen (auf Korsika gibt es 20 Gipfel mit über 2.000 Metern Höhe), die Böden sind steinig und bewahren viel Feuchtigkeit, viele alte Reben entwickeln mitunter tiefe Wurzeln. Die Sonne scheint im Schnitt 2.880 rekordverdächtigen Sonnenstunden pro Jahr. Daraus entstehen mitunter überraschend frische, mineralischer Weißweine (ca. 40%) leichte bis mittelschwere Rosé-Weine (ca. 10 %) und kräutrig-würzige, mitunter komplexe Rotweine (50%). Ich bitte Stefanu Venturini mir ein „Probierpaket“ aus regionalen Weinen zusammen zu stellen, Empfehlung des Sommeliers sozusagen.

Die Weine sind geprägt vom oben beschriebenen Terroir und einer ganz eigenen Originalität. Korsischer Wein vermag zu überraschen und da sind echte Entdeckungen zu machen – sehr praktisch, wenn man gerade im Urlaub vor Ort ist und Zeit hat! Abends kochen wir selbst und probieren die ersten Schätze, wir grillen Steaks, ich habe Brin d’Amour gekauft. Von außen macht er nicht viel her, der Käse.

Er sieht aus, als wäre er einmal über Waldboden gerollt worden und so ganz falsch ist das nicht: Die Kräuter, die den Käse umhüllen, überwiegend Bohnenkraut, Rosmarin, Myrte und Fenchelsamen, stammen aus den korsischen Macchia-Wäldern. 

Junger Brin d’Amour schmeckt mild-nussig und cremig, bald entwickelt er auf der Rinde eine blau-weißgefleckte, verzehrbare Edelpilzschicht und wird mit zunehmender Reife würziger. Sehr alter Brin d’Amour besitzt durchaus olfaktorische Sprengkraft, die im Comicband „Asterix auf Korsika“ zur vollständigen Zerstörung eines Piratenschiffes führt. Dazu passt Rotwein von der Insel, beispielsweise die pfeffrig-würzigen Weine von der heimischen Sciaccarello-Rebe. Mit einem Stück Brin d´Amour, Brot, Tomaten und korsischem Olivenöl aufgetischt ist es ein wunderbares Abendmahl auf der „Île de Beauté“.

nutriculinary

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Stevan Paul kann es einfach: Kochen, bloggen, Weine schlürfen und die Freude daran weitergeben. Das tut er ab sofort auch für WeinPlaces, freuen Sie sich mit uns!

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