Kulinarisches Wochenende in Málaga und Ronda

Ein freundlicher, frühsommerlicher Wind weht uns für ein paar Tage nach Málaga, verlängertes Jungs-Wochenende. Ganz so jung sind wir Jungs gar nicht mehr, und unsere Aufmerksamkeit gilt weniger den Bass-beschalten Beachclubs der Region, als vielmehr den guten Weinen aus dieser Gegend und der andalusischen Tapas-Kultur. Der Dauercamper auf dem Camping Marbella Playa, ist bezogen, gepflegte Anlage, kein Stäubchen auf den breiten Wegen und die Erkenntnis, dass der Übergang zwischen Dauercamping und Schrebergarten fließend ist, Gartenzaun und Wohnwagenbegrünung inklusive. Den ersten Abend verbringen wir im nahe gelegenen Elviria, einem kleinen Ort an der Küstenautobahn der Costa del Sol gelegen, hier gibt es Pizzerien, erstaunlich viele chinesische und Thai-Restaurants – die überwiegend britischen Touristen hier, lieben es. Hier gibt es aber auch das El Barraćon de las Tapas Elviria – ein Tipp vom ortskundigen Freund – und zweifelsfrei eine Einkehr wert. 

Málaga zeichnet sich durch seine üppigen Spezialitäten aus

Wir sitzen am Tresen mit Blick auf die Köstlichkeiten hinter Glas, wir bestellen reichlich, aber immer nur „Tapas raćion“ oder „media ración“ – ganze Portionen sind hier von überwältigender Üppigkeit. Wir genießen zart-säuerliche Boquerones in Vinaigre mit Koblauch, Petersilie und Olivenöl, dann kommt der Pulpo a la Gallega, butterzart geschmorter Tintenfisch mit viel Paprika auf Kartoffelpüree.

Die Garnelen sind von bester Qualität, ein nussig-knuspriges Vergnügen – gegen das die mit Spinat gefüllten Hähnchenrollen etwas abfallen, sie erinnern eher an ein, durchaus gelungenes, Kantinenessen. Beinahe unbeschreiblich gut dagegen, die saftigen, mit Stockfisch gefüllten Paprikaschoten, in cremiger Paprikasauce. Zugabe bitte und zwar: „Raćion!“

All diese Köstlichkeiten begleitet ein ganz typischer Wein aus der DO-Region Málaga, ein „Sierras de Málaga“, so werden hier gesammelt alle Weißweine, Rotweine, und Rosé Weine der Region ausgelobt, während die Bezeichnungen „Málaga“, „Málaga Nobel“, „Málaga Añejo“ und „Málaga Trasañjeo“ für die berühmten, gereiften Likörweine der Region stehen, die aus den Trauben der Rebsorten Muskateller und Pedro Ximénez gewonnen werden – dazu später mehr. In unserem Glas funkelt grüngelb-gülden ein einfacher Hauswein, Sierras de Málaga, typisch würzig, kräutrig, wenig Frucht, hohe Mineralität – ideal zu den verschiedenen Tapas. 

Ronda – Eine Stadt mit einem spektakulären Blick in die Ferne

Anderntags machen wir einen Ausflug nach Ronda und der Weg dorthin, ist eine Herausforderung für Mann und Magen, fast anderthalb Stunden fahren wir die Serpentinen hinauf auf das Hochplateau, auf dem die Stadt Ronda liegt. Wir werden belohnt, mit spektakulären Blicken in die Ferne, übers Land und in tiefe Schluchten, eine Landschaft, die berührt. Am Horizont die Berge der Serranía de Ronda unter uns die Schluchten Hoya del Tajo, im kühlen Grund fließt der Fluß Guadalevín – und überall auf der Hochebene erstrecken sich grüne Laken in die Landschaft, gepflegte Weinberge, 22 der insgesamt 45 Weingüter der Provinz Málaga finde sich hier, 700 Meter über dem Meeresspiegel. Über die Weinstraße Ruta Vinos Ronda, kann man sich einen guten Überblick verschaffen, auch das Weinmuseum Centro Integral del Vino de Ronda in Ronda informiert umfassend.

Touristisch geprägt und dennoch eine Reise wert

Ganz in der Nähe des Wein-Museums findet sich auch die Stierkampf-Arena von Ronda, die Plaza de Toros Ronda aus dem Jahre 1783, ist die älteste und gehört zu den schönsten des Landes, rund 6.000 Besucher fasst die imposante Arena. Es lohnt auch die Besichtigung des angeschlossenen Stierkampf-Museums, der Dressur-Reithallen und Stallungen, das alles gibt es für eine relativ günstige Eintrittskarte unter zehn Euro zu sehen. Ronda ist ansonsten touristisch geprägt, aber jede Reise wert, neben dem Naturschauspiel, das der Ort bietet, finden sich in Ronda unzählige Gelegenheiten, Weine der Region zu probieren, Spezialitäten aus Andalusien zu verkosten, ein heißer Tipp ist hier die Weinbar Entrevinos! Wir kommen nicht vorbei an einer Tapas Bar mit dem schönen Namen Bodega La Verdad. Die Tapas-Bar gehört zum Hotel Hermanos Macias und dem direkt angrenzenden, hübsch-folkloristischen Restaurant gleichen Namens. 

Doch nur in der Bodega der Wahrheit sitzen zur Mittagszeit Einheimische und Touristen bei Tapas und kühlen Getränken beisammen. Wir bestellen Morcilla rondeña, die Blutwurst aus dem Ofen schwimmt in aromatischem Fett, zwei Alibi-Kartoffeln helfen wenig und die Wahrheit ist: dazu passt am besten ein scharfer heimischer Schnaps, Aguardiente! 

Churros, Kaffe und duftend, heiße Schokolade – Málaga bietet von allem Etwas

Tags drauf besuchen wir Málaga Stadt und beginnen den Tag in der berühmten Cafetería Casa Aranda, hier versteht man sich auf die Herstellung der Dreifaltigkeit aus knusprig-heißen Churros, starkem Kaffee und duftend heißer Schokolade – und das seit 1932. Durch eine Öffnung in der Wand der Cafeteria, kann man bei der bergeweisen Herstellung des heißen Spritzgebäcks zusehen.

Am Mittag gehen wir an den Strand der Stadt, für eine echte Spezialität aus Málaga, Steckerlfisch! – überall an den Stränden der Küste stehen vor den Restaurants kleine, blau gestrichene und stillgelegte Schmuck-Fischer-Boote, die mit Sand und Erde gefüllt sind – mittig brennt ein Holzfeuer, rundherum stecken die Gastronomen fangfrischen Fisch, Sardinen, Calamari und Tintenfisch auf Metall-Stöcke, die rund ums Feuer in den Sand gesteckt werden und dort grillgaren. Der Feuermeister kontrolliert dabei ständig die Hitze der Glut, wendet die Fische, korrigiert die Abstände zum Feuer, legt Holz nach – eine schweißtreibende Arbeit unter der heißen Sonne. Ich genieße die beste Dorade, an die ich mich erinnern kann, die Haut kross, ja schwarz gebrannt an manchen Stellen, muss man nicht essen, macht aber eine rauchige Note – Knusprig auch das Ganze, darunter das saftige weiße Fleisch des Fisches! Dank Sprachbarriere und Kellner im Stress, gibt es ein Glas Weißwein unbestimmter Herkunft und Qualität dazu, egal – ein unvergessliches Essen am Strand.

 

Wer nach Málaga reist, wird an Tapas nicht vorbeikommen

Der Abend beschert uns ein Tapas Fest der besonderen Art, in der Tapas-Bar La Taberna del Pintxo: Hinter Glas eine Auswahl an dutzenden, unterschiedlichst belegten Weißbrot-Häppchen, wir probieren luftgetrockneten Jahrgangsschinken und eingelegte Artischocke, Sardellen und Thunfischcreme, Mini-Hörnchen, die üppig mit Meeresfrüchtesalat gefüllt sind – dazu gibt es auch Hot-Pintxos, heiße Kleinigkeiten die unermüdlich frisch zubereitet und von den Kellnern aus der Küche ins Lokal und auf die Straßen-Terrasse getragen werden: Bratenscheiben mit Spiegelei, frittierte Calamares, scharfe Gambas “Pil Pil“, saftige Tortilla-Würfel, kleine Kalbsschnitzel – zwischen 1,25 - 1,95 € kosten die kalten Kleinigkeiten, die warmen Pintxos zwischen 5 - 8 Euro. Abgerechnet wird am Ende des Abends über die unterschiedlichst farbigen „Zahnstocher“, die in allen Speisen stecken und sich über den Abend auf dem Tellerrand sammeln – Vertrauen ist, neben dem Euro, eine eng mit diesem System verwobene Währung. Pintxos sind eine ursprünglich baskische Tradition, hier in Málaga schmecken die Köstlichkeiten besonders gut zum trockenen Fino Sherry aus Andalusien, zum Oloroso, zum Amontillado-Sherry. Zweieinhalb bis drei Stunden Autofahrt sind es nach Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María, Hochburgen und Heimat der vielschichtigen Sherry-Weine, die wie die Likörweine in Málaga, im Solera-System reifen dürfen. 

Weine aus Málaga sind süß, ausdrucksstark und Basis für das typische Málaga-Eis

Die Süßweine aus Málaga werden aus getrockneten, teils eingekochten Trauben (Pedro Ximénez und Moscatel) mit Mostkonzentrat (arrope) hergestellt. Auch dürfen trockene Weine, der an sich wenig ausdrucksstarken Weinsorten Romé, Doradilla und Lairen zugegeben werden, der aufgespritete Grundwein wird dann im Solera System verschnitten und darf reifen. Dieser Wein ist auch das Geheimnis des weltberühmten Málaga-Eis! Nur, wenn es richtig gemacht ist, ist es ein cremiges Rahm-Eis aus Eigelb, Sahne, Zucker und Milch, dass durch Zugabe von in Málaga Wein eingelegte Rosinen zum Klassiker aus Andalusien wird. Das beste Málaga-Eis in Málaga Stadt, findet man in der Héladeria Casa Mira, Calle Marqués de Larios 5. Letzte Bestellung! Mit dem Geschmack von Málaga auf der Zunge, treten wir die Heimreise an.

 

Sierras de Málaga

Bezugsquelle 

Likörweine aus Málaga

Bezugsquelle

Fino Sherryweine aus Andalusien

Bezugsquelle

 

Bildrechte: Stevan Paul

nutriculinary

nutriculinary

Stevan Paul kann es einfach: Kochen, bloggen, Weine schlürfen und die Freude daran weitergeben. Das tut er ab sofort auch für WeinPlaces, freuen Sie sich mit uns!

Zum Portrait