Probiert! - Portwein von deutschen Produzenten

Um den Wind gleich aus den Segeln zu nehmen, sprechen wir hier von Portwein ähnlichen Likörweinen, denn der echte Portwein stammt klar aus Portugal. Der Name ist laut internationalem Handelsabkommen geschützt und darf nur verwendet werden, wenn die Kriterien des Instituto do Vinho do Porto erfüllt werden. Schauen wir uns zuerst einmal Grundsätzliches über Portwein an. 

Die Herstellung

Für die Herstellung sind etwa 30 Rebsorten zugelassen, dabei ist die edelste Rebsorte für den roten Portwein Touriga Nacional und sind die weißen Rebsorten Malvasia Fina, Rabigato und Codega zu nennen. Diese Reben stammen aus drei Gebieten mit einer bestockten Gesamtfläche von 46.000 ha im Douro-Tal und zwar dem westlich gelegenen Baixo Corgo in der Nähe der Stadt Peso da Régua, dem Cima-Corgo bei Pinhão und Douro Superior rund um die Stadt São João. 

Die Trauben werden mit der Hand gelesen, gepresst und der Most zur Gärung angesetzt, bis dahin ist es der Vinifizierung des Weines gleich. Nur die Fortifizierung, dem Aufspriten des gärenden Mostes mit der Zugabe von hochwertigem 77%-igem Weindestillates macht aus dem Wein einen Portwein. Durch diesen Vorgang wird die Fermentation vom Most gestoppt und der gewünschte Restzucker kann so bestimmt werden, je nachdem wann und in welcher Menge diese Zugabe erfolgt. 

Anschließend verweilt der Portwein für ein paar Monate im Douro-Tal und wird im Anschluss - zur weiteren Reifung von mindestens zwei Jahren – in die großen Portweinkellereien nach Vila Nova da Gaia, gelegen am Douro-Ufer gegenüber von Porto, transportiert. Dieser Transport erfolgte früher von Peso da Régua flussabwärts nach Porto mit den Schiffen, genannt Rabelos. Nach Ablauf der Lagerung in kleinen Holzfässern „Pipe“ oder großen Tanks aus Holz oder Edelstahl, findet die erste Verkostung statt und je nach Qualität wird über die weitere Verwendung und Reifung entschieden. Nach der Reifung wird der Wein geschönt, filtriert und abgefüllt und ist somit trinkreif. Es gibt dabei eine Besonderheit für außergewöhnliche Jahrgänge und Weine, die in Flaschen gelagert werden sollen, denn in diesem Fall wird auf das Filtrieren verzichtet. 

Die STILE des Portweins

Die Stile sind vom Instituto do Vinho do Porto vorgegeben und je nach Alter oder Rebsorten unterschiedlich. Die wohl wichtigsten Stile sind Ruby, Tawny, Late Bottled Vintage und Vintage Port. 

RUBY sind aus roten Trauben und der Wein reift in Flaschen, bei TAWNY findet die Reifung in Fässern statt. Die Lagerzeit beträgt meist zwischen zwei bis drei Jahre. 

LATE BOTTLED VINTAGE, kurz LBV genannt, ist ein Cuvée aus Trauben eines Jahrgangs, der für vier bis sechs Jahre im Fass gelagert worden ist und nach dem Filtrieren in Flaschen abgefüllt wurde. Die Trinkreife ist erreicht und eine weitere Lagerung verbessert den Geschmack und die Reifung nicht. 

VINTAGE PORT ist die Spitzenklasse des Portweins. Hervorragende Jahrgänge, wie beispielhaft die Jahre 2011, 2007, 2003 und 2000, werden zu VINTAGE-Jahrgängen ernannt. Die unfiltrierten Weine werden in besonders robusten Flaschen abgefüllt und so meist Jahrzehnte zur Reifung gelagert. Die Trinkreife setzt erst nach minimum 10 Jahren ein. Vor dem Genuss sollte der Wein dekantiert werden. 

Portwein in Deutschland

Es war bei einer Verkostung in der Pfalz. Wir waren im Weingut von Winning zu Gast und man berichtete uns von dem Likörwein TROP aus dem Jahrgang 2012. Die Idee, einen Likörwein ähnlich dem Portwein zu produzieren, war schon lange da. Es wurde die rote Rebsorte Cabernet Rubin aus der Weinlage Ruppertsberger Linsenbusch verwendet. Für die Aufspritung nutzte der Kellermeister einen Hefebrand aus den Trauben Cabernet Sauvignon und die Lagerung fand in einem 550l Portweinfass für 24 Monate statt. Nach der Abfüllung reifte der Wein weitere zwei Jahre in der Flasche. Der von uns verkostete Wein ist bereits ausverkauft, jedoch wartet der Jahrgang 2014 schon im Keller auf die perfekte Reifung. 

Es stellte sich mir die Frage, ob noch weitere portweinähnliche Likörweine in Deutschland angeboten werden oder nicht. Denn ich konnte mir vorstellen, dass dieser Typ Wein nicht nur als Digestif, sondern auch in der Küche eine Rolle spielen kann, entweder beim Kochen oder zum Foodpairing. Generell sollte der Wein bei 10° bis 12° Grad serviert werden. Gut harmoniert ersicherlich zu einer Vorspeise wie Feldsalat mit Gänseleber oder Rindfleisch-Pie. Anders sieht es beim Hauptgang aus, denn da wird der Portwein eher in der Soße verwendet. Kann aber auch wunderbar zu dunklem Fleisch (Wild, Rind) oder zu asiatischen Gerichten funktionieren. Eher vorstellbar ist es, den Wein zum schokoladigem, nussigem oder fruchtigem Dessert sowie zum aromatischen Käse zu probieren. Ideal auch in der Weihnachtszeit zu Fruchtkuchen oder Stollen. 

PROBIERT

Ja es gibt sie! Teilweise nicht mehr erhältlich oder eher inoffiziell und nur in Kleinmengen. Beispielhaft nennenswert hier der Sweet Purple (2014) - Weingut Oliver Zeter, Pfalz; einen portartigen Spätburgunder - Weingut Breuer, Rheingau oder der Schneider & Hensel „süß und rot“ ebenfalls Pfalz. Auf dem Markt weiterhin erhältlich und probiert worden sind: 

X-periment (2014), Ökonomierat Rebholz | Pfalz 

Der Winzer Hansjörg Rebholz setzt seine Spätburgundertrauben für diesen Likörwein ein. 

Granatapfel, Himbeere, Kirsche, Zimt, Lorbeer, Trüffel und Bitterschokolade, recht gehaltvoll.

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Portos, Weingut Walter J. Oster | Mosel 

Die Idee entstand bei einer Portugal/Spanien-Reise vom Winzer Walter J. Oster. Die Trauben stammen von den roten Rebsorten Spätburgunder, Dornfelder und Regent aus den Weinlagen rund um den kleinen Moselort Ediger gelegen. Zum Aufspriten wird ein 10 Jahre alter Brandy „de Jerez“ aus Spanien verwendet und die Reifung findet bis zu 46 Monaten in französischen, amerikanischen und ungarischen Eichenfässer statt. 

Walderdbeere, Backpflaume, Zartbitterschokolade und Vanille. 

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Ahr 6 (2012), J.J. Adeneuer, Deutzerhof, H.J. Kreuzberg, Meyer-Näkel, Nelles, Jean Stodden | Ahr

Die sechs VDP-Weingüter an der Ahr haben sich zusammengetan und aus Spätburgundertrauben aus ihren besten Lagen diesen portweinähnlichen Wein produziert. Die Gärung der halb vergorenen Maische wird bei einem Restzuckergehalt von 100g/l mit einem hochprozentigem Weindestillat gestoppt. Nach einer längeren Maische-Standzeit wird der Likörwein gepresst, um so auch die komplette Farbe und Aromen aus der Haut und den Kernen zu lösen. Anschließend reift er drei Jahre in gebrauchten Barriquefässern. 

Brombeere, dunkle Schokolade, ausgewogenes Spiel von Säure, Alkohol und Restzucker. 

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Femina Glut, Ilonka Scheuring | Franken

Die Trauben Blaufränkisch und Cabernet Dorsa wurden auf der Maische vergoren und mit einem Weinbrand aufgespritet. Die Reifung fand anschließend ein Jahr in einem Barriquefass statt, bevor er in Schlegelflaschen gefüllt wurde. 

Reife, rote Früchte und Schokolade mit hohem Kakaoanteil. 

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Silvia Caetano

Silvia Caetano

Bei Silvia ist es bunt und garantiert nicht langweilig. Die Bloggerin und Weingenießerin bereichert WeinPlaces mit Geschichten von Weinreisen, guten Tropfen und Erlebnissen aus den Weinbergen von nah und fern.

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