Berlin Food Week: Wasser und Wein und schwarze Gläser

Im Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhauses Jandorf in der Brunnenstrasse wurde am 12. Oktober, dem letzten Tag der Berlin Food Week 2014, noch einmal mit scharfen Waffen gekämpft. From Nose to Tail hieß das Event, in dessen Rahmen zwei halbe Schweine sowie ein halbes Lamm zerlegt, und vor den Augen zahlreicher schau- und kaulustiger Besucher innerhalb von gefühlten 45 Minuten zu Salsiccia- und Merguezbratwürsten verarbeitet wurden. Der kleine Durst, den man sich bei der anschließenden Verkostung ganz automatisch zuzog, führte die Massen dann auch ganz automatisch an den Stand von Gerolsteiner, wo Alexander Kohnen zum Wein- und Wasser-Tasting bat.

Der eine oder andere Interessierte fragte sich dort allerdings zuerst, ob er halluziniert oder schon wieder einen Hauptstadt-Trend verpasst hat. Das Erste was am Gerolsteiner Stand ins Auge fiel, war eine Reihe von schwarzen Gläsern. Die waren weder ein Fehlkauf noch ein neuer Trend, erzählte Kohnen, sondern Teil eines Aromenspiels, das er sich ausgedacht hatte: "Wir wollen die Leute ein wenig sensibilisieren. Die Gläser enthalten verschiedene aromatische Ingredienzien, mal Zitrone, mal Limone, mal Kaffeebohnen und Ähnliches. Schon in dem Moment wo die Besucher versuchen den Inhalt des Glases nur am Geruch zu erkennen trainieren sie ihren Geruchs- und Geschmackssinn."


Aber Kohnen war natürlich nicht nur zum geschmacklichen Blindekuh spielen aus Bad Neuenahr angereist. Der Wein- und Wasserpapst hatte selbstverständlich eine Botschaft im Gepäck: "Wir wollen den Leuten zeigen wie sehr Wasser einen Weingeschmack verändern kann. Und ein Gefühl dafür vermitteln, welches Wasser man zu welchem Wein trinken sollte. Mineralien und Kohlensäure bestimmen den Geschmack eines Wassers. Kohlensäure selbst ist sauer und gibt, wenn sie reichlich vorhanden ist, dem Wein den man nach dem Wasser trinkt, eine gewisse Frische, Eleganz und Jugendlichkeit. Das gilt allerdings, zum Beispiel nicht für Rotwein. Viel Kohlensäure verstärkt dort die bittere Note. Deswegen: Ein Rotwein mit Gerolsteiner Medium oder Sprudel schmeckt fast nie. Egal ob er vorher im Barrique war, im grossen Holzfass, oder im Stahltank ausgebaut worden ist. Hervorragend zu Rotwein passt hingegen das Naturell."


Überhaupt gäbe es auf dem Gebiet Wasser viel zu lernen, meint Kohnen. Schließlich sprudeln in Deutschland über 200 Brunnen und es gibt über 500 verschiedene Wässer. Jeder Brunnen hat seinen eigenen Standort mit einer ganz spezifischen Bodenbeschaffenheit, entsprechend seien die Wässer höchst unterschiedlich mineralisiert. Eine eventuell bei seinen Standbesuchern aufkommende Wasserverwirrung konnte Kohnen allerdings gleich im Keim ersticken, er macht keinen Hehl daraus, dass er weiß wo das beste Wasser Deutschlands herkommt. Aus einem Boden, den er sehr gut kennt: "Zwischen dem Gerolsteiner Brunnen und der Mosel liegen nur 30 Kilometer Luftlinie. Und wo weltberühmte Weine wie die Wehlener Sonnenuhr gedeihen, da kommt auch sehr sehr gutes Wasser her."