VDP-Präsentation der Grossen Gewächse 2014 in Wiesbaden

von Christina Fischer und Sebastian Bordthäuser

Ende August präsentierte der Verband der Prädikatsweingüter in Wiesbaden seine trockenen, weißen Grands Crus und die roten Spitzengewächse des Jahrgangs 2013. Die Verkoster: Eine illustre Schar nationaler und internationaler Journalisten, Blogger, Händler und Sommeliers. Das vorweggenommene Ergebnis: Selten gab es bei dieser Probe solch heterogene Bewertungen.

Große GewächseWas im Endeffekt vielleicht gar nicht so verkehrt ist, schließlich wollen alle Winzer ihre Weine verkaufen. Wer interessiert ist, kann die ersten Kommentaren und Bewertungen mittlerweile sogar „live“ oder zumindest unmittelbar nach der zweitägigen Verkostung im Internet finden. Begeisterte Kommentare, enthusiastische Kritiken, berauschte Ergebnisse aber auch kritische Ansichten und das ein oder andere Fragezeichen. Nicht alles war Gold was glänzte, manche Gebiete hatten es extrem schwer, mussten mit sehr viel Regen, frühzeitiger Fäulnis und somit verkürzten Vegetationsperioden umgehen. Und vielleicht hätte manch einer gut daran getan, in diesem Jahrgang auf sein Grosses Gewächs zu verzichten, als einen „Kompromiss“ auf den Markt zu bringen. Laut Statistik erzielt der trockene VDP-Spitzenwein derzeit einen Durchschnittspreis von 31 Euro.

Ahr

Die Ahr brillierte dank des Cool-Climate Jahrgangs 2013. Trotz nasskalter Reifephase wurden teils sehr gute Ergebnisse erzielt und ergaben animierende, tiefgründige Spätburgunder. Meyer-Näkel überraschte mit deutlicherem Holzausbau als gewöhnlich und setzte zusammen mit Stodden die Spitze an der Ahr. Dicht gefolgt von Adeneuers Monopollagen-GG, der Gärkammer, die taufrisch daher kam. Auch Cossmann-Hehle scheint wieder auf sicherem Tritt zu sein. Ein kleines, aber in sich recht kohärentes Gebiet mit guten und lagerungsfähigen Weinen.

Baden

Nachdem es einige Jahre gedauert hatte, bis das GG im Südwesten Deutschlands Fahrt aufnahm, scheint es sich jetzt doch mit Macht durchgesetzt zu haben, immerhin stellt Baden mit 93 GG’s die zweite Position nach der Pfalz und wartet alleine im Winklerberg mit zehn neuen Gewann-Namen auf. Beim Chardonnay ragt Hubers 2013er „Schlossberg“ deutlich heraus. Die Grauburgunder werden von Kellers eleganter „Bassgeige Kähner“ einem 2013er Winklerberg Hinter Winklen "Gras im Ofen" sowie Seegers Herrenberg „Oberklamm“ angeführt während der noch unruhige „Henkenberg“ von Konrad Salwey die Meinungen spaltet. Vielleicht benötigen diese Weine einfach etwas mehr Zeit, denn Präszision, Struktur und einen festen Nachhall besitzen sie zweifellos. Beim Weißburgunder dominierte Seegers Herrenberg „Oberklamm“ dicht gefolgt von Hegers „Schlossberg“ und Schlörs „First“. Die Königsdisziplin Spätburgunder führt Hubers „Wildenstein“ an. Bemerkenswert aber auch Hegers Winklerberg Wanne "Häusleboden" und Salweys „Henkenberg“. Thomas Seeger zeigt mit Herrenberg „Oberklamm“ und „Spermen“, was er drauf hat. Insgesamt spreizen sich allerdings die Qualitäten der Badener Burgunder so extrem, dass manches Mal die Zugehörigkeit der GG-Kategorie in Frage gestellt werden muss.

Große GewächseFranken

Franken war bei der diesjährigen Präsentation das wohl homogenste Gebiet, was sowohl für den Silvaner als auch den Riesling gilt. Herausragend waren die Rieslinge von Weltner (Küchenmeister Hohenleite) und Luckert (Maustal), dicht gefolgt von den Sauers. Fränkische Würze ohne nostalgischen Speck mit gutem Grip im Mund. Die Silvaner waren allesamt ordentlich, wobei Bickel-Stumpf (Mönchshof), Luckert (Maustal) und Weltner (Küchenmeister Hohenleite) für mich besonders strahlten.

Mittelrhein

Der Mittelrhein war nur mit drei Gütern präsent. Die Weine waren allesamt ordentlich, herausragende Spitzen wie so oft 2014 nicht zu erkennen. Alle Protagonisten haben solide geliefert. 

Mosel-Saar-Ruwer

Für dieses Anbaugebiet war der Herbst wirklich nicht einfach, es regnete und regnete. Die früh einsetzende Fäulnis erforderte eine schnelle und selektive Lese. So zeigen sich die Ergebnisse recht unterschiedlich. Clemens und Rita Busch brillieren mit ihrem „Rothenpfad“ aber auch „Fahrlay“ und „Falkenlay“ zeigen Struktur und Komplexität. Alle sechs GG‘s von Loosen präsentieren sich fruchtbetont und angenehm harmonisch. Absolut erwähnenswert sind die Weine des VDP-Zugangs Peter Lauer und angenehm überraschte der lebhafte, geradezu erfrischend elegante „Karthäuserhofberg“. Allerdings stellt sich bei 52 produzierten GG’s (37 gab es zu probieren) die Frage, ob sich die Moselwinzer in einem so schwierigen Jahrgang wirklich einen Gefallen tun, knapp zehn Prozent aller erzeugten GG’s deutschlandweit zu produzieren. Zudem sie im nationalen Vergleich beileibe nicht die besten Ergebnisse bringen.

Nahe

Hier hinterlassen nicht nur ein heterogener Jahrgang und die Lagendiversität ihre Spuren, sondern auch die unterschiedliche Weinbereitung. Im Kontext zu Dönnhoffs gewohnt klassischer „Herrmannshöhle“ und Schönlebers „Halenberg“ stehen Caroline Diels würzig-festes „Pittermännchen“ und ein rauchig-verschlossener „Burgberg“. Tim Fröhlich lies sich vom Klimaverlauf wenig beeindrucken und liefert wie gewohnt leicht müffelnde aber dennoch brillante, finessenreiche GG‘s wie „Felsenberg“ und „Felseneck“.

Pfalz

Gewinner des Jahrgangs an Top-Weinen war eindeutig die Pfalz. Innerpfälzisch leicht heterogen, da sowohl Nord- als auch Südpfalz im Vergleicht zur Mittelhardt leicht abfielen.

Die Nordpfalz war solide vertreten, wobei Knipser deutlich die Nase vorn hatte, insbesondere mit den eingestellten 2011 Spätburgundern von aparter Delikatesse, dicht gefolgt vom Nachbarn Kuhn. In der Südpfalz lag der Kastanienbusch „Köppel“ von Wehrheim leicht vor dem Rebholz'schen Gewächs, das aber wie gewohnt seine Stärken auf lange Sicht ausspielen dürfte. Kristallin und klar wie immer die Weine von Kranz von der kleinen Kalmit.

Hauptakteure waren die üblichen Verdächtigen der Mittelhardt, wobei Bürklin-Wolf zu diesem Zeitpunkt immer schwierig zu probieren ist. Hervorzuheben ist das Weingut Acham Magin, dass mit allen angestellten Weinen auf Augenhöhe mit den Großen mithalten konnte.

Große GewächseRheingau

Die Messlatte zur Zulassung eines GG scheint mittlerweile etwas höher zu liegen. Ein wesentlicher Faktor, schließlich stellt der Rheingau mit 37 Mitgliedern die größte Sektion des VDP. Zudem fällt auf, dass einige Winzer Holzfässer in unterschiedlichen Größen, Alter und Anteil einsetzen, in denen offenbar häufig auch ein Säureabbau folgt. Wie gewohnt bilden die Lagen des unteren und oberen Rheingau die Qualitäts-Phalanx. In Hochheim brilliert Künstler mit seiner „Hölle“ und  im Rüdesheimer Berg steht sein „Rottland“ sehr gut neben den exzellenten Rieslingen von Johannishof und Leitz. Die Spreitzer-Brüder präsentieren drei unterschiedliche Lagenweine in äußerst solider Qualität, das Staatsweingut einen vollmundigen „Marcobrunn“ und Fred Prinz eine elegante „Jungfer“ und einen vielschichtigen „Schönhell“. Erfreulich ist die Qualitätsoffensive von Achim von Oetinger, auch wenn sein verschlossener „Marcobrunn“ das  im Moment noch nicht zeigt. Es stellt sich abschließend die Frage, ob diese positive Ausbeute hinreichend ist angesichts der vielen Mitglieder des VDP.Rheingau. Heute rächt sich der vor 15 Jahren allzu schnell vollzogene Zusammenschluss von VDP und Charta-Weingütern, als allzu viele mittelmäßige Betriebe Zugang zum VDP fanden.

Rheinhessen

Das Gebiet, welches bei der dreistufigen Klassifikation geblieben ist, zeigt keinen Stillstand. Trotz des wechselhaften Jahrgangs entwickeln sich neue Tendenzen. Die Qualitätsoffensive des regionalen VDP hat mittlerweile das gesamte Gebiet angesteckt. Die Weine werden trockener und natürlich wird auch hier mit Holz experimentiert. Recht intensiv ist das bei den St. Anthony Rieslingen spürbar. Im Roten Hang stehen Gunderloch und Kühling-Gillot in vorderster Reihe, wobei letztgenannte Weine sich noch sehr verschlossen und ohne das gewohnte würzig kräutrige „Rote-Hang-Parfüm“ zeigen. Daniel Wagner brilliert mit einem beeindruckend präzisen „Heerkretz“ und einen puristischen „Höllberg“, während Klaus-Peter Keller mit lediglich einem seiner GG’s, einem herausragenden „Hubacker“, aufwartet. Fritz Groebe präsentiert seine Rieslinge gewohnt fruchtbetont und saftig, während die Weine von Wittmann und Winter immer prägnanter, fester, trockener wirken und ein wenig die fruchtigen Aromen ausblenden.  Ein Weg, dem auch Oliver Spanier folgt und die Weine seiner Frau mitzunehmen scheint. Wie sich diese „asketischen Muskelpakete“ entwickeln werden, bleibt jedoch noch abzuwarten.

Sachsen

Sachsen stellte 2014 nichts an.

Saale-Unstrut

Klassenbester weil einziger Einsteller war das Weingut Pawis mit seinem grundsoliden Riesling sowie Weissburgunder vom Edelacker.

Württemberg

Lang verspottet, nun zu neuem Glanz erstrahlt. Württemberg überzeugte nicht allein mit seinen Lembergern und Spätburgundern, bei denen neben Schnaitmann insbesondere Ellwanger mit seinem transparenten, finessenreich doch kraftvollen Pinot beeindruckte und in die Gebietsspitze vorstößt. Auch die pikanten, mineralisch geschliffenen Rieslinge stehen anderen Anbaugebieten teils in Nichts mehr nach. Ellwanger, Beurer, Dautel und Aldinger bilden mit ihren Weinen die Vielfalt Württembergs auf delikate Art und Weise im Glas ab. 

 

Christina Fischer
www.genuss-werkstatt.net 

Sebastian Bordthäuser
Sommelier und Weinschreiber