Interview mit ...

Christiane Wagner

Weingut Dr. Wagner

 

Was wäre Ihr Traumjob – wenn nicht Winzer?

Am Anfang war ich mit meiner Berufswahl unschlüssig. Mit dem Weingut, dem Wein, den Weinbergen und der Natur bin ich groß geworden, aber als Jugendlicher sieht man da trotzdem erstmal eher nur die Arbeit. Damals standen für mich ganz andere Sachen oben auf der Liste:  Grundschullehrerin, irgendetwas mit Kindern, Architektur oder auch Tierarzthelferin,  Schneiderin wollte ich auch schon mal werden.

Zum Glück waren meine Eltern da sehr offen. Sie haben sich natürlich gefreut, als ich irgendwann sagte, dass ich das Weingut auf jeden Fall weitermachen möchte. Als ich noch in der Findungsphase war, haben sie mich aber auch brav in die Tierarztpraxis geschleppt, haben gesagt, mach da mal ein Praktikum, wir haben auch eine Schneiderin besucht, bei der ich mich vorgestellt habe. Meine Eltern haben immer gesagt: „Mach nur etwas, was dir auch gefällt, wo du auch Spaß dran hast.“ Von daher sind meine Interessen sehr breit gefächert, nicht nur der Wein, nicht nur der Winzerjob.

Warum ist es doch der Winzerjob geworden?

Es ist etwas Besonderes, die Möglichkeit zu haben, so etwas weiterzuführen. Ich bin jetzt in der Familie die 5. Generation, die unser Weingut fortführt seit 2009. Natürlich fragt man sich da im Vorfeld auch: Kannst du das überhaupt, als Frau, als Einzelkind? Was ist, wenn du nachher nicht den richtigen Partner hast? Aber ich wollte es auf jeden Fall gerne probieren, weil ich sehr an dem Ganzen hänge. Zudem hatte ich die Verbundenheit zur Natur und zum Wein schon immer.

Welche Leidenschaften haben Sie neben dem Wein?

Das Künstlerische und Kreative. Ich habe beispielsweise schon immer gerne Räume eingerichtet. Wenn ich so manches Studentenzimmer im Wohnheim in Geisenheim gesehen habe, nur so mit Bett und Schreibtisch, da hatte ich selbst bei der Einrichtung meines 18 qm-Wohnheimzimmer schon einen anderen Anspruch: Ich wollte es schön haben. Schon als Kind habe ich mir einfach selbst das Nähen an der Nähmaschine beigebracht und Teddybären genäht, mit Glasaugen und so. Die Ruhe beim kreativen Arbeiten und dieses an einer Sache dran zu bleiben, beides ist mir wichtig.

Wo ist die Verbindung zur Arbeit als Winzer? 

Man kann auch in der Arbeit als Winzer kreativ sein und die Vorstellung von einem Wein, die man im Kopf hat, umsetzen.  Unser Weingut  ist  eine alte Villa in einem Park. Auch da habe ich viele Möglichkeiten, mich kreativ auszuleben. Etwa bei der Einrichtung der Vinothek und der Gästezimmer oder bei der Anlage und Pflege des Gartens. So kommen viele meiner Leidenschaften im Beruf des Winzers zusammen. Auch die Leidenschaft für Tiere. Bei uns im  Garten laufen Hühner rum und im Sommer zwei bis drei Schafe und dann habe ich zwei Minischweinchen, einen Hund und bis vor ein paar Jahren ein Pferd. Die früheren Leidenschaften sind so gesehen alle geblieben.

Was finden wir auf jeden Fall immer in Ihrem Kühlschrank?

Eier von meinen eigenen Hühnern. Die Salami von den Schafen (lacht). Außer einem Schaf, das auch regelmäßig im Sommer bei uns auf der Wiese steht. Das haben meine Cousine und ich mit der Flasche groß gezogen. Das kommt nicht in die Salami. Außerdem findet sich im Kühlschrank immer frische Milch vom Bauern. Da lege ich auch viel Wert drauf, denn wir haben mehrere regionale Bauernhöfe in der Nähe. 

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Was mir immer schwergefallen ist, sind Fremdsprachen. In der Schule habe ich zu dem kleinen Kreis der „Glorreichen 7“ gehört. Das waren bei uns am Mädchen-Gymnasium die sieben Mädels, die auch Physik hatten. Mein Schwerpunkt waren auch schon in der Oberstufe Naturwissenschaften und Mathematik. Auch im Sport war ich immer gut, aber Sprachen waren eine mittlere Katastrophe. Das ist erst besser geworden, als ich die ersten Weinproben auf Englisch halten musste. Und man sich da sprachlich einfach durchwurschteln musste. Was ich auch nicht kann, ist fliegen. Ich habe Flugangst. Ich steige zwar ein, aber es ist grenzwertig.