Interview mit ...

Jörg Lanius

Weingut Lanius-Knab

 

Wann hat es Klick gemacht zwischen Ihnen und dem Wein?

Ich bin im Weingut, wenn auch einem Nebenerwerbsweingut von nur zwei Hektar, aufgewachsen. War also von klein an immer mit dabei. Da es ein Nebenerwerb war, haben meine Eltern zwar die Weinberge bewirtschaftet, aber kellerwirtschaftlich das meiste ausgelagert. Da hat mich schon in jungen Jahren sehr geärgert. Deshalb habe ich schon mit 13 den Keller in Eigenregie in meine Hände genommen.

Woher hatten Sie das dazu nötige Wissen?

Ich habe mir, schon bevor die eigentliche Ausbildung anfing, vieles selbst angeeignet und abgeguckt, natürlich auch andere gefragt. Ich habe  sehr viel gelesen, Informationen überall gesammelt, wo ich sie kriegen konnte und teilweise auch einfach Dinge ausprobiert. Mich hat die Arbeit im Keller gereizt, den Wein zu bereiten und auszubauen. Schon in jungen Jahren hatte ich eine relativ klare Vorstellung, wie ich das haben will, wie das auszusehen hat. Ich habe mich reingearbeitet, weil es mir so, wie das gelaufen ist, nicht gefallen hat. Als ich mit 17 in die Weinbaulehre gegangen bin, war ich in gewisser Weise überqualifiziert. Ich habe im Staatsweingut Assmannshausen gelernt und war da damals sozusagen der Chef der Lehrlinge. Später habe ich dann klassisch studiert.  

Die Eltern haben Ihnen freie Hand gelassen?

Ein stückweit mussten sie das, weil sie keine Zeit hatten. Aber zum Teil hat es auch Kämpfe gegeben. Beispielsweise wollte ich auch trockene Spätlese anbieten und habe mich dabei über die Anweisungen meines Vaters einfach hinweggesetzt. Es gab riesengroßen Krach, aber seitdem hatten wir trockene Spätlesen im Programm.

1991 habe ich die zwei Hektar Weinberge übernommen, die schon von den Großeltern im Betrieb waren. Seitdem sind wir jedes Jahr gewachsen auf inzwischen zehn Hektar.  1992 habe ich ein Weingut und die dazugehörige Kellereinrichtung gekauft, also schon in jungen Jahren eine relativ hohe Schuldenbelastung gehabt. Ich hatte vorher eine klare Vorstellung, wie ich das haben wollte, aber wir haben das letzten Endes viel größer umgesetzt als ursprünglich geplant.

Welche Leidenschaften haben Sie – neben dem Wein?

Das, was zum Wein dazu gehört: Gutes Essen. Das darf durchaus etwas Einfaches sein. Eine gute Hausmacherwurst, ein guter Schinken, ein guter Käse, dazu ein schöne Flasche Wein. Das kann genauso grandios sein wie ein 5-Gänge-Gourmet-Menü. Aber die Qualität muss stimmen. Genau wie beim Wein.  Ein weitere Leidenschaft sind Reisen in fremde Länder. Bevor ich den Betrieb übernommen habe, bin ich ausgiebig unterwegs gewesen. Was ich von der Welt sehen wollte und bisher nicht geschafft habe, muss ich nachholen, wenn die nächste Generation da ist. Unser 17-Jähriger Sohn fängt heute sein Praktikum an. Die Zeit für Reisen wird kommen.

Gerne mal eine Tag tauschen würde ich mit …

Tauschen möchte ich mit niemandem. So wie das bei uns im Betrieb und mit der Familie läuft, bin ich sehr glücklich. Natürlich gibt es Vorbilder, die sollte man immer haben. Egon Müller ist durchaus ein Vorbild für mich. Er produziert sehr konsequent, über lange Jahre hinweg hohe Qualität und etabliert sie am Markt, und das auch in Zeiten, als es schwierig war. Egon Müller ist dabei ein bescheidener Mensch. Wenn man ein Problem hat, ist er da und hilft sofort.

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Es gibt vieles, was ich nicht kann oder nicht gut kann, aber machen muss. Buchführung erschließt sich mir z.B. nicht wirklich. Ich habe dafür aber eine gute Lösung gefunden: Das ist der Fachbereich meiner Frau. Sie hat das von der Pike auf gelernt,  und ist mit Leib und Seele dabei. Außerdem eilt mir der Ruf voraus, dass ich manchmal ein bisschen direkt bin. Wenn wir z.B. Blindverkostungen der Jungweine machen im VDP Regionalverband Mittelrhein, aber auch mit anderen Kollegen, dann sage ich offen, was ich schmecke und was nicht. Die Verkostungen finden relativ früh statt, wenn die Weine noch im Stadium des Werdens sind, damit man gegebenenfalls noch Chancen hat, etwas zu korrigieren. Wir kennen uns alle untereinander. Wenn wir uns hier nicht die Wahrheit sagen, wer soll das dann tun? Umgekehrt muss man selbst auch manchmal schlucken bei kritischen Kommentaren, aber wer austeilt, muss auch einstecken können. Ich finde es immer gut, auch mal eine andere Meinung zu hören.