Interview mit ...

Michael Gutzler

Weingut Gutzler

 

Wann hat es Klick gemacht zwischen Ihnen und dem Wein?

Das hat bei mir sehr früh angefangen. Zuerst waren es die Maschinen und Geräte, die mich fasziniert haben. Auf dem Weg zum Kindergarten bin ich oft abgebogen und zum Vater in den Wingert gegangen und im Kindergarten nie angekommen. Es hat mich geprägt, dass ich schon in der Kindheit und Jugend mit dem Vater im Wingert und im Keller war und das alles erleben durfte. Das alles hat mir schon damals tierisch viel Spaß gemacht. Deshalb wusste ich schon mit 7-8 Jahren: Winzer ist mein Traumberuf. 

Sie sind seit mehreren Generationen Winzer?

Den Betrieb gibt es schon länger. Ich bin die dritte Generation. Anfang der 1980er Jahren hat mein Vater die Zügel in die Hand bekommen. Er ist damals Wege gegangen, die sehr eigen waren. Heute setzen viele Winzer auf den Flaschenwein und gehen in den Handel. Mein Vater war damals mit einer der ersten. Er hat den Betrieb von Neuzüchtungen wieder auf traditionelle Rebsorten umgestellt. Damals hatten wir 2.000 qm Riesling und keinen Stock Spätburgunder, heute sind das unsere Hauptrebsorten, die wir mit knapp 45 Prozent Spätburgunder und 30 Prozent Riesling Flächenanteilen bewirtschaften, was halt schon eine Aussage ist. Auch die Kundenstruktur, die Zusammenarbeit mit Handel und Gastronomie wurden verändert, der Export aufgebaut. Was passiert ist im Betrieb, war schon enorm. Ich bin 2003 nach meinem Techniker eingestiegen und habe das Ganze in ähnlicher Form, aber mit anderen Ansichten weiterentwickelt. 

Wie haben Sie sich mit Ihren eigenen Vorstellungen einbringen können?

Die Basis, die ich vorgefunden habe, war super. Sowohl bezogen auf den Betrieb als auch vom Namen her, den sich das Weingut gemacht hatte. Mein Vater hat viel bewegt. Der Betrieb ist von mir nicht von rechts auf links gedreht worden. Wir haben ihn gemeinsam weiterentwickelt in einer gewissen Tradition, aber auch mit neuen Ideen. Es gab enge und ehrliche Diskussionen. Aber auch bei strittigen Punkten, konnten wir uns zum Schluss immer in die Augen gucken. Man entwickelt etwas Gutes weiter und verfolgt dasselbe Ziel: Das hat uns stark gemacht. Wir haben uns sehr positiv ergänzt.

Was wäre Ihr Traumjob – wenn nicht Winzer?

Gutzler ist eine Fußballerfamilie durch und durch. Die Alternative zum Winzer war daher Fußballprofi. Die ganze Familie ist mit dem Fußball groß geworden. Aber irgendwann kam der Punkt: „Schaff ich den Durchbruch oder nicht?“ Zu der Zeit, als ich mich entscheiden musste, mit 18, war ich bei Knipser in der Ausbildung, was mir sehr viel bedeutete. Dort habe ich Wein nochmal ganz anders kennengelernt. Ich habe ein paar Auswahlturniere für die Jugendnationalmannschaft gespielt und dann entschieden, mich dem Weinbau mit voller Kraft zu widmen. Aber Profifußballer wäre schon ein Job gewesen, der mir auch Spaß gemacht hätte.

Essen gehen oder selber kochen?

Ich bin nicht der Selberkocher, genieße das Essen aber sehr. Meine Frau ist mit der Gastronomie groß geworden und kocht sehr gut. Wir essen jeden Mittag zusammen mit allen unseren Mitarbeitern. Ich finde das auch wichtig. Das ist ein gewisses Geben, die Mitarbeiter wissen das zu schätzen. Aber wir gehen auch gerne essen.  

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Ich glaube, es gibt viele Sachen, die man nicht gut oder gar nicht kann. Was ich lieber meide, ist die Büroarbeit. Ich bin Winzer und gerne draußen in der Natur. Die Bürokratie macht uns da heute oft einen Strich durch die Rechnung. Man ist immer mehr an den Computer und das E-Mail-Postfach gefesselt.