Edle Tropfen vom Discounter? (W)einkaufen im Supermarkt.

Dieser Artikel stammt aus dem WeinPlaces-Archiv und wurde ursprünglich am 14. Januar 2016 veröffentlicht.

 

In Deutschland werden gut 70 Prozent aller Weine in Supermärkten und bei Discountern gekauft. Ist das die ewige Suche nach der Ringeltaube oder einfach falsche Bescheidenheit?

In der Regel bieten Supermärkte und Discounter vielschichtige Sortimente aus der ganzen Welt. Europäische Weine kommen hier ebenso zum Zug wie Vertreter aus der Neuen Welt. Dazu zählen besonders weinkundige Supermärkte, wie beispielsweise www.edeka-zickuhr.com und www.rewe-rahmati.de in Köln oder www.frischecenter-zurheide.de in Düsseldorf. Oft wird allerdings in den Supermarktregalen ein übersichtliches Programm feilgeboten. Bis auf wenige Ausnahmen liegen die Preise zwischen 1,59 und 6,99 Euro.

Der allgemeine Durchschnittspreis für deutschen Wein ist in den letzten Jahren leicht gestiegen und hat mittlerweile 2,84 Euro erreicht hat. Wenn man sich nun mal vor Augen führen will, was in und an einem Wein so alles dran und drin ist, kann das nachdenklich stimmen. Neben Flasche, Verschluss, Etikett, Handelsspanne und Mehrwertsteuer ist ja auch noch die ganze Arbeit im Weinberg zu berücksichtigen. Meist stammen diese Weine von industriell arbeitenden Erzeugern, die zwar technisch einwandfreie große Mengen Weine herstellen können, die aber am Ende doch eher etwas gleichförmig schmecken und ohne besondere Ausprägung sind. Mit handwerklich erzeugten, individuell schmeckenden Trouvaillen sind diese Tropfen schwer vergleichbar. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich im Discounter einen richtig hochwertigen Wein zu einem mega Schnäppchenpreis zu erbeuten.

Aber es ist eine interessante Entwicklung festzustellen: Deutschlands Premium-Supermärkte starten durch und drängen alteingesessene Weinfachhändler aus dem Markt. „Wir stellen fest, dass immer mehr Filialen der Einzelhandelsketten versuchen, sich über ein gutes Weinangebot zu profilieren“, betont die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule, im Vorfeld der internationalen Weinmesse ProWein in Düsseldorf. Immerhin erreichte der Marktanteil der Lebensmittelhändler im Jahr 2013 in Deutschland stolze 74 Prozent. Zwei Drittel gehen davon auf das Konto der Discounter und deshalb ist es kein Wunder, dass Aldi der größte Weinhändler Deutschlands ist.

Woran das liegt? Die vinophile Kundschaft ist sehr viel probierfreudiger geworden und schätzt ein vielfältiges Weinangebot, bleibt aber dennoch preissensibel. Bei Preiserhöhungen greift man dann auch schon einmal zu einer Alternative. Dennoch haben sich die Durchschnittspreise in den letzten Jahren leicht erhöht. „Die Verbraucher kaufen etwas mehr in den höheren Preissegmenten ein“, erläuterte Monika Reule. „Erfreulicherweise erfährt der deutsche Wein bei den Konsumenten eine besondere Wertschätzung. Dabei fällt auf, dass die jüngeren Konsumenten unter 29 Jahren häufiger zu Weinen aus dem eigenen Land greifen. Sie legen beim Einkauf Wert auf Regionalität sowie Nachhaltigkeit und haben im vergangenen Jahr auch mehr ökologisch erzeugte Weine erworben.“

Auf was sollte man beim Weinkauf im Supermarkt achten? Gibt es Kriterien, an denen man gute Qualität erkennen kann?

Zugegebenermaßen ist das kein leichtes Unterfangen. Wenn Sie alleine vor einem der unzähligen Regale stehen und weit und breit kein kundiger Verkäufer zu finden ist, müssen Sie selbst entscheiden. Aber nach welchen Kriterien? Bei vielen Weinen befindet sich auf dem Rückenetikett ein kurzer, informativer Text, der Informationen über die Rebsorte, die Region, den Ausbau und die Lagerung liefert. Vorsichtig sollten Sie bei speziellen „Sonderangeboten“, wie Spargelwein, Frühlingswein, Terrassen-Rosé, Sommerwein, usw. sein, sie sind wenig aussagekräftig. Interessant können jedoch besondere Offerten sein, bei denen ein Wein hervorgehoben und entsprechend ausführlich beschrieben wird. Wenn Sie ihn dann auch noch  probieren können, ist das ein weiterer Vorteil. Manchmal helfen auch Aufkleber, die auf Auszeichnungen und Prämierungen hinweisen, etwa den „Concours Général Agricole Paris“, dessen Medaillen wirklich extrem verlässlich sind. Aber Achtung, es gibt Unmengen von farbigen Plaketten, die qualifizierten Auszeichnungen zum Verwechseln ähnlich sind.
 

Ein weiterer Tipp: Kaufen Sie verschiedene Flaschen und probieren Sie diese Weine nebeneinander, damit Sie die jeweiligen Unterscheide feststellen können. Auch ohne Weinkenner zu sein, sollte jeder in der Lage sein, einen persönlichen Favoriten herauszuschmecken. Bedauerlicherweise besagt die Herkunft zunächst gar nichts über die Qualität des Weines aus, so ist beispielsweise Bordeaux nicht zwingend mit Qualität gleichzusetzen. In Frankreichs größtem Anbaugebiet gibt es zwar einige wenige großartige Weine aber auch eine Vielzahl einfachster Tropfen. Leider können Sie das im Supermarkt in der Regel nicht kontrollieren oder gar probieren. Ratsam sind deshalb Weinproben in privater Runde, bei denen unterschiedliche Weine auf den Tisch kommen. Organisieren Sie thematisierte Proben, um besser vergleichen zu können, etwa „Chardonnay aus dem Eichenfass“, „Bordeaux unter 10 Euro“ oder „Grauburgunder versus Pinot Grigio“.

Lassen Sie sich nicht von Designer-Etiketten oder gar bunten Flaschen blenden, denn über die Qualität des Weins sagen sie meist gar nichts aus. Verlassen Sie sich lieber auf die Informationen, die Ihnen ein Etikett bietet. Dort erfährt man, ob es sich um eine Cuvée (mehrere Rebsorten) oder um einen Lagenwein (Klassifikation) handelt und ob der Wein im Holzfass ausgebaut (Élevé en fût de chêne) wurde. Desinteressiertes Personal sollte Sie ebenfalls skeptisch stimmen. Umgekehrt ist allerdings ein Verkäufer, der jeden seiner Weine über den grünen Klee lobt, extrem unglaubwürdig. Lassen Sie die Finger von Weinen, die in einer Weinabteilung in der Sonne stehend bei 25 Grad Celsius aufbewahrt werden. Auch Weinflaschen, die eine dicke Staubschicht aufweisen, sollten Sie skeptisch stimmen. Greifen Sie bei einfachen Weißweinen eher zu jungen Jahrgängen, diese überzeugen mit jugendlicher Frische. Bei kraftvollen Rotweinen dürfen es gerne mal zwei bis drei Jahre Reife sind. Günstige Weine aus dem Supermarkt oder Discounter sind in der Regel nicht besonders lagerfähig, sondern eher für den schnellen Konsum gedacht. Bevor Sie kartonweise einkaufen, empfiehlt es sich verschiedene Weine im Vergleich zu probieren. Kaufen Sie nicht unbedingt den billigsten und verlassen Sie sich nicht auf Empfehlungen, die Sie nicht nachvollziehen können. Merken Sie sich eher Namen von Weinen, die in einem Weinartikel positiv beschrieben wurden oder nehmen den Artikel gleich mit zum Einkauf. Dies sind die wichtigen „Überlebenstipps“ für den Weineinkauf im Supermärkten und Discountern ohne fachkundige Beratung. Aber letztlich hilft nur eines: Probieren, probieren, probieren!

Wertvolle Informationen für gewiefte Supermarkt-Schnäppchenjäger:

www.superschoppen.com
Ein quicklebendiger Supermarktwein-Blog mit begleitender App und Buch, in dem Sie stets neue Tipps, Hintergrundgeschichten, Anekdoten und allerlei Vergnügliches aus der Welt des Weins und den Sortimenten von Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Norma, Penny, Rewe und Rossmann finden.

http://www.chandrakurt.com/weinseller
Die 18. Ausgabe des Weinsellers ist das Standardwerk für den preisbewussten Einkauf, versehen mit zahlreichen kulinarischen Tipps. Chandra Kurt stellt im Weinseller Weine von Aldi, Coop, Denner, Globus, Lidl, Manor, Spar und Volg vor.

www.deutscheweine.de
Kennen Sie den Unterschied zwischen Sekt und Winzersekt? Was sind die wichtigsten deutschen Rebsorten? Grundsätzliche Informationen über deutsche Weine.

www.der-weinsnob.de/supermarktwein
Das Ziel dieses Blogs ist es, die Leser über die Weine zu informieren, die sie am meisten trinken, nämlich Supermarktwein. Und gerade bei diesen Weinen findet man fast nie Informationen.

www.weinkaufen.at
Dieses Buch ist bei preisbewussten Weingenießern bereits eine Institution. Gastro- und Weinjournalist Alexander Jakabb hat sich durch das Angebot der österreichischen Supermarktsortimente gekostet. Es wurden über 600 Weine unter 10 € probiert, beschrieben und bewertet.

Christina Fischer

Christina Fischer

Die Sommeliere und Buchautorin Christina Fischer lebt und arbeitet in Köln. Ihre vielseitigen Aktivitäten bündelt sie in ihrer Kölner GENUSS Werkstatt.

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