Griechischer Wein

Dieser Artikel stammt aus dem WeinPlaces-Archiv und wurde ursprünglich am 7. August 2015 veröffentlicht.

Griechischer WeinGriechenland helfen? Keiner weiß mehr, wie das gehen soll. Wir von CaptainCork.com haben einen Vorschlag: trinkt mehr griechischen Wein. Es ist zwar nicht leicht, die guten Flaschen in die Hände zu bekommen. Aber der Lohn ist großer Trinkgenuss. 


Weinland Griechenland – sparen wir uns die Einleitung. Auf Wikipedia gibt es eine fantastische Zusammenfassung, die man gar nicht toppen kann. Erfreulicherweise begleitet von einer tollen Karte mit allen wichtigen Regionen. 

Kommen wir also gleich zum Thema: einer neuen Generation griechischen Weins. Aber was ist so großartig daran und warum haben wir bisher so wenig davon gehört? In Griechenland gibt es seit einigen Jahren eine erstaunliche Zahl fantastischer Weine, die allesamt geeignet sind, den Ruf des griechischen Weins als Bückware im Supermarkt zu rehabilitieren. Aber warum tut das keiner?

Hierzu nur zwei Anmerkungen: Das Weinland Griechenland hat einen wohlbestallten Binnenmarkt mit genussfreudigen Konsumenten. Heißt: Die wirklich guten griechischen Weine trinken die Griechen, die sich das leisten können, lieber selbst. Und: Spricht man mit deutschen Importeuren, warum von den tollen griechischen Weinen bei uns kaum einer zu bekommen ist, hört man Geschichten, die man hier, wo es um die schönen Dinge des Lebens geht, einfach nicht lesen will. 

Jetzt zum Wein. Wir haben eine wilde Tour de force durch das Weinland Griechenland zusammengestellt. Es ist, als würden wir uns gleich durch den Keller eines griechischen Weinfreaks kosten. 

Wir springen nach Santorin.

Eine der heißesten Weinregionen der Welt. Trotz der Hitze entstehen dort ausgesprochen säurebetonte und trocken-kühle Weiß- und Rotweine. Etwa der Weißwein Assyrtiko, von dem es auf Santorin hundertjährige Reben gibt. Assyrtiko ist das Fundament der großen Weißweine Griechenlands. 

Wir haben einen Assyrtiko gefunden, der wie ein säurebetonterer Grüner Veltliner schmeckt und von knackiger Mineralität gezeichnet ist: den Assyrtiko Wild Ferment vom Weingut Gaia (hat nichts mit Angelo Gaja zu tun) mit Anklängen von Mandeln und grünen Oliven. Ein großartiger Fischwein, gnadenlos trocken, von hoher Säure und kühl wie das Bad in einem Allgäuer Gebirgssee. 

 

Wir hüpfen weiter zur Insel Kefalonia. 

Hier pflegt 800 Meter über dem türkisblauen Meer das Weingut Gentilini eine Pflanzung der seltenen Sorte Robola (keine genetische Verwandtschaft mit der friulanischen Sorte Ribolla Gialla) auf kalkhältigen Steillagen und macht daraus seinen sensationellen Robola Cellar Selection

Die Trauben vergären nach der Handlese zu ca. 20% in französischen Barriques, was Tiefe und Komplexität erzeugt, ohne die feine Frucht zu zerstören. Wir riechen weißen Pfeffer und reife Zitrone. Dann weißen Pfirsich und ein paar buttrig-elegante Noten, die vom Fass kommen. Auch den Duft eines frisch angespitzten Bleistifts muss man dem Barrique zuschreiben. Im Mund kreist ein mittelgewichtiger Weißwein mit angenehmer Salzigkeit, dessen Spiel zwischen Süße und frischer Säure Spannung aufbaut. Nach dem Runterschlucken bleibt ein schöner Nachhall von Karamellbonbon. 

 

Zurück aufs Festland. 

In der Weinbauregion Nemea wartet eine Flasche Agioritiki, ein berühmter Rotwein, der aus der gleichnamigen Uralt-Rebsorte gekeltert wird. 

Vor uns steht jetzt der Bio-Agioritiki Ktima aus der Kellerei Spiropoulos von 400 Metern hoch gelegenen Rebpflanzungen. Beim Reinschnuppern fällt vor allem der intensive Holzduft auf. Kein Wunder, der Ktima verbrachte die ersten 12 Monate in französischen Barriques. Mit etwas Luft setzen sich dann vornehme Noten von Amaretto, Marzipan und Cassis durch. Dieser tiefdunkle Wein lässt behagliche Stimmung wie in einem Kaminzimmer aufkommen. Gleich kommt der Kellner und bringt ein Glas Cognac und eine frisch angeschnittene Zigarre. Der Ktima Agiorgitiko schmeckt sehr konzentriert und wirkt trotzdem nicht die Spur marmeladig. Ihn trägt eine gut balancierte Säure und ausgesprochen präsentes Tannin, das fein über die Zunge rieselt. Ein sehr langer und kirschiger Abgang vertieft unsere Liebesbeziehung zu diesem Wein. 

 

Das Finale!

Kommen wir zum letzten Wein unseres Kurztrips aus der mengenmäßig wichtigsten Rebsorte Griechenlands: Roditis. 

Griechenland ist ja ein heißes Land, jedoch auch gebirgig. Die niedrigeren Temperaturen in der Höhe aber auch die salzigen Windbrisen an der Küste sind ein Segen für Winzer. Das Bioweingut Tetramythos in der Region Achaia mit seinen bis zu 1.000 Meter hoch gelegenen Reben am Berg Helmos in Aegiala (ein beliebtes Skigebiet), profitiert von beiden Umständen. Aegiala befindet sich in unmittelbarer Nähe der Küste, die Böden bestehen aus Kalk und Lehm.

Viele Roditis-Weine werden zu einfachen Tischweinen und bäuerlichen Alltagsprodukten verarbeitet. Guten Wein aus dieser Sorte zu keltern, ist nicht leicht, aber wenn ein Roditis-Winzer was kann, macht die zarte exotische Fruchtigkeit des Weins großen Spaß. Er verfügt über eine verführerisch-knackige Säure ähnlich wie Riesling und wirkt manchmal zitronig und etwas nussig.

Der Roditis von Tertamythos mit seiner markanten Säure ließ uns beim Trinken sprachlos staunen. Dabei fing er ganz harmlos an. Unsere Verkostungsnotiz sagt alles:

Farbe wie Heu. In der Nase ist zu Beginn sehr verhalten und zart. Braucht wohl noch ein paar Minuten, um sich dann in Richtung Birne und Honigmelone zu bewegen. Ein wenig nussig, weißes Nougat und Orangen drin. Ein erster Schluck: Und da ist sie schon, die herrlich erquickende Säure und die absolut straffe Textur. Mittlerer Körper und brennend salzige Mineralik. Absolut trocken und durchaus fordernd. Ein wirklich gelungener Wein, den man unbedingt kosten muss. 

Unser Fazit:

Ja, Griechenland ist toll. Mit diesem Satz aus unserer Verkostungsnotiz kann man kurz und knapp schließen und alles ist gesagt. Es lohnt sich, nach guten Weinen aus Griechenland zu stöbern – und dabei die Politik mal zu vergessen… 

Captain Cork

Captain Cork

Der Captain und seine Weintester-Crew berichten regelmäßig für uns über Entdeckungen, Trends und was ihnen auf ihrer großen Fahrt über die weite See der Weinwelt so auffällt.

Zum Portrait