Bloggerin Mia drückt die Weinschulbank

Ich besuche ein Weinseminar

Auf meiner Reise in die Welt des Weins möchte ich mir erst ein mal etwas Wissen aneignen. Dafür habe ich ein Basis-Seminar bei Marxen-Wein in Kiel besucht. Jan Marxen, der sympathische Besitzer des toll eingerichteten Ladens, den ihr auf den Bildern sehen könnt, hält solche Seminare öfter und war deshalb auch der beste Ansprechpartner für mich.

Meine Vorstellung

Wie darf man sich so ein Seminar denn vorstellen? Jemand stellt ein Glas hin und sagt: „Das ist ein guter Wein“ oder „Das ist ein schlechter Wein“ und begründet seine Behauptung?

Ich teile gerne Dinge in „gut“ und „schlecht“ ein – warum, das weiß ich gar nicht so genau. Dabei gibt es ja nicht nur schwarz und weiß, oder? Ich bin gespannt!

Wir starten bei null

Am Anfang steht ein kleiner Exkurs in die Weinproduktion. Wie wächst Wein? Wie wird aus einer Traube die Köstlichkeit im Glas? Es geht auch um Krankheiten von Weinstöcken, gesetzliche Verordnungen, um den Prozess der Weinherstellung (eine Wissenschaft für sich), die Lagerung (liegend oder stehend ist übrigens egal), darum, wie lange vor dem Genuss man eine Flasche Wein öffnen kann/sollte (einen Rotwein kann man gut und gern am Donnerstag öffnen, wenn man Samstagabend Gäste erwartet) und um eine Faustregel, wie lange sich eine angebrochene Flasche Wein hält (Weißwein bleibt im Kühlschrank gut 2 Wochen genießbar). Wir sprechen über Trinktemperaturen (hier scheiden sich die Geister! Sie ist wein- und nicht farbabhängig) und Food-Pairings (siehe Trinktemperatur).

Die Verkostung

Das Degustieren eines Weins hat wenig mit geselligem Genuss zu tun, denn es fordert alle Sinne. Es läuft in drei Schritten ab: 1. gucken, 2. riechen, 3. schmecken.

50 Shades of Wine

Zuerst schauen wir vor einem weißen Blatt Papier tief ins Glas und analysieren die Farbe. Was das bringt? „Nicht viel“, sagt Jan Marxen. Die Farbe eines Weins sagt eher wenig über die Qualität aus. Gucken schadet trotzdem nicht. Die beiden Weine sehen übrigens fast identisch aus.

„Und was riechst du so?“

Anschließend wird es spannender. Wir halten unsere Nase ins Glas und schnuppern an den zwei Weinen. Der erste Eindruck ist überraschend, denn: Sie sehen identisch aus, aber der Geruch ist komplett unterschiedlich! Mit Hilfe eines kleinen Rädchens, auf dem Beispiele für Gerüche stehen, versuchen wir zu beschreiben, an was der Wein uns erinnert. Das Geruchsempfinden ist übrigens von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich – richtig und falsch gibt es hier nicht.

Zuerst sollte jeder für sich behalten, was er erschnuppert, denn wenn einer einen Anstoß gibt, riechen auf einmal alle dasselbe. Unser Geruchssinn ist sehr beeinflussbar!

Zuerst rieche ich gar nichts. Untrainierte Nase! Doch je länger ich sie ins Glas halte, desto mehr Assoziationen kommen mir. Während ein Wein z.B. eher süßlich-fruchtig riecht und mich an Pfirsiche und Honig erinnert, riecht ein anderer eher nach Joghurt und Vanille. Die Palette, was man riechen kann, ist dabei weit gefächert. Wir tragen unsere Eindrücke zusammen und sind überrascht, wie nah beieinander sie doch liegen.

Ein Schlückchen in Ehren

Nach dem ersten Schluck fragt Jan Marxen „Na? Wonach schmeckt der Wein für euch?“ - „Ein bisschen nach Zitrus“, antwortet jemand. „Nee!“, sagt Jan lachend. „Wenn, dann schmeckt er sauer, süß oder bitter – mit Früchten & Co. ist jetzt Schluss!“. Auch „stark“, „weich“, „prickelnd“, „leicht“, „kräftig“, „ausgewogen“ und „komplex“ können Beispiele für die Beschreibung des Geschmacks sein.

Nach einigen Schlucken wird deutlich, wie viel Unterschied im Geschmack liegen kann. Ein Wein z.B. schmeckt sehr ausgewogen, weil Säure, bittere Geschmacksnoten und Süße sich die Waage halten, während ein anderer Wein im direkten Vergleich eher komplex wirkt – er schmeckt süß, sauer, bitter – alles gleichzeitig UND nacheinander. Es gibt Weine, die sind so „schwer“ im Mund, dass man das Bedürfnis hat, sie zu kauen, während andere federleicht über die Zunge tanzen.

Komplizierter wird es, wenn Essen ins Spiel kommt. Ein Wein kann dann ganz anders schmecken, als wenn man ihn pur probiert! Anhand eines Stücks Schimmelkäse lernen wir, dass süß + bitter sich aufheben – süßer Wein schmeckt mit bitterem Käse plötzlich klar!?Dasselbe Prinzip gilt für süß + süß – es hebt sich auf!

Nur bei bitter + bitter ist es anders: Da wird’s nämlich immer bittererererer. Also lieber kein Schimmelkäse zum bitteren Wein!

Wie beim Geruch ist es auch hier so, dass der Geschmackssinn trainiert werden will und muss. Je länger und mehr man probiert, desto mehr schmeckt man auch!

Das Fazit

Man muss viele Weine probieren, um sich sein eigenes „Geschmacksportfolio“ anzulegen. Ein Weinseminar kann dabei helfen, die nötigen Grundlagen dafür zu bekommen.

Und um zur Anfangsfrage zurückzukehren: Woran erkenne ich, ob ein Wein gut oder schlecht ist? Die Antwort ist genauso enttäuschend, wie erfreulich: Wenn der Wein verdorben oder nach Korken schmeckt, ist er nicht gut. Alles andere ist Geschmackssache!

Prost! Mia

 

Küchenchaotin

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Mirja Hoechst

Mirja Hoechst ist leidenschaftliche Food-Bloggerin. Auf kuechenchaotin.de schreibt sie über alles, was ihr kulinarisch am Herzen liegt. Für WeinPlaces geht sie einmal im Monat auf Entdeckungsreise in die Welt des Weins.

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