„Lasst süße Weine um mich sein!“ Mia beichtet eine Marotte

Ich mag restsüßen Wein und das ist auch gut so.
Ich stehe dazu! Und deshalb breche ich heute auch eine Lanze für die süßen Vertreter der edlen Tropfen.

Früher war nicht alles besser. Früher hätte ich nämlich nie, nie, nie öffentlich zugeben dürfen, dass ich weniger Fan von den trockenen Sorten bin und am liebsten abends auf dem Balkon einen fruchtig, schmatzigen Riesling kille.

Die Leute, die hätten sich gefragt, ob ich verrückt bin, so etwas zu schreiben und vermutlich hätte mich niemals jemand wieder ernst genommen. Denn alles, was nicht mindestens locker als halbtrocken durchgeht, war lange Zeit ganz schön verpönt.

Doch das ist heute zum Glück anders. Die Weine sind sehr viel besser und die Weinwelt viel offener geworden. Es wird endlich experimentiert, neu kombiniert und mutig zusammengestellt. Und wer einen restsüßen Wein bestellt, der wird nicht mehr schief angeschaut.
Keiner denkt mehr, dass ein böser Winzer heimlich und hämisch lachend Kristallzucker in seinen Riesling rührt – die Süße kommt nämlich nur aus der Traube selbst und ganz bestimmt nirgendwo anders her – und den neuen Weinen kann kein Kenner mehr einen fehlenden Charakter unterstellen. Der ist nämlich da und nicht zu übersehen! Es gibt restsüße Weine mit rauchigen, sauren und sogar salzigen Noten. Nichts mit flach und pappig!
Die neuen Regeln der Weinwelt (, die keine sind): Gleich und gleich gesellt sich gern und Gegensätze ziehen sich an.
Und weil ich ja bekanntermaßen eine kleine Kuchenfetischistin bin, habe ich mich ganz selbstlos der ersten „Regel“ angenommen.

Warum sollte es nicht mal statt Kaffee einen Wein zum Kuchen geben? Ich finde, das klingt nach einem sommerlich-spritzigen Nachmittag! Füße hoch, Weinchen links, Kuchen rechts. Die Vorstellung gefällt mir sehr!
Ein kleines bisschen Hilfe beim „was passt wozu“ brauche ich übrigens immer noch – aber Onkel Google und ein toller Berater haben mir verraten: restsüßer Riesling zu Apfelkuchen ist 'ne Wucht! Deshalb verrate ich euch heute ein ganz einfaches Apfeltarte-Rezept und zeige, welchen Wein es dazu gab. Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Einfache Apfeltarte mit Haselnüssen

Rezept für eine 28 cm-Tarteform

  • 150 g Mehl
  • 100 g kalte Butter (gewürfelt) 40 g Puderzucker
  • 1 EL eiskaltes Wasser
  • 1 Prise Salz
  • 4 säuerliche Äpfel
  • 3 EL Zitronensaft
  • 50 g Zucker
  • 1 TL Zimt
  • 3 EL gemahlene Haselnüsse
  • 1-2 EL Aprikosenkonfitüre

Mehl, Butter, Puderzucker, Wasser und Salz rasch zu einem Teig vermengen. Diesen zu einer Kugel formen und in Folie einwickeln. Er muss für mindestens eine Stunde im Kühlschrank durchkühlen!

Währenddessen die Äpfel schälen, vierteln, die Kerne entfernen, in dünne Scheiben schneiden und sofort mit dem Zitronensaft beträufeln. In einer Schüssel mit dem Zucker und dem Zimt gut vermengen.

Den Teig zu einem Kreis ausrollen und diesen vorsichtig in die Tarteform geben.
Den überstehenden Rand abschneiden und die geriebenen Haselnüsse auf dem Boden verteilen. Die Apfelscheiben gefächert von außen nach innen auf dem Boden schichten.

Die Tarte im vorgeheizten Ofen bei 175°C für ca. 25 Minuten backen und direkt nach dem Herausnehmen mit der Aprikosenkonfitüre dünn einpinseln. Sie schmeckt lauwarm und kalt!

Fertig!

Zu meiner Apfeltarte habe ich übrigens einen Riesling genossen. Genauer gesagt: Die 2002er Spätlese von Hans Lang.
Das tolle und faszinierende, wenn man einen restsüßen Wein mit einer süßen Speise kombiniert werden, ist: die feiern im Mund keine Zuckerparty. Es wird also nicht immer süßerererer, sondern die beiden vereinen sich, spiegeln sich wider und erweitern das Geschmackserlebnis. Eine Symbiose quasi! Der Wein wird klarer, sobald er auf die süßen Apfelstückchen trifft und auch die Tarte zeigt sich von einer ganz neuen Seite. Es ist sehr schwer zu beschreiben – man muss es erleben!
Und jetzt alle: süß ist toll! Auch bei Wein! Er macht Spaß und ist (nicht nur) an langen Sommerabenden eine tolle Alternative zu seinen trockenen und halbtrockenen Geschwistern.

In diesem Sinne: Prost!

Mia

Küchenchaotin

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Mirja Hoechst

Mirja Hoechst ist leidenschaftliche Food-Bloggerin. Auf kuechenchaotin.de schreibt sie über alles, was ihr kulinarisch am Herzen liegt. Für WeinPlaces geht sie einmal im Monat auf Entdeckungsreise in die Welt des Weins.

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