Let's taste South Africa!

Die Weinwirtschaft des Landes hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Weg vom uniformierten Weinprogramm, hin zu Diversität, eigenständigen Qualitäten und nachhaltiger Weinerzeugung. 

Im weltweiten Vergleich ist Südafrika die siebgrößte Weinnation und produziert 4 Prozent der gesamten Weltmenge. Knapp 100.000 Hektar Land sind derzeit mit Reben in Südafrika bepflanzt. Bewirtschaftet wird diese Fläche von rund 3.200 Weinbauern. Die meisten liefern ihre Trauben an Genossenschaften und Kellereien. Gerademal 570 Weinerzeuger gibt es, die sich vorwiegend auf den Export spezialisiert haben.

Die Südafrika Weinshow 2016

Die bestens organisierte Verkostung bot Anfang September in Frankfurt die einzigartige Möglichkeit, sich von der Qualität und der Vielfalt der Kapweine zu überzeugen. Deutschlandweit ist dies die größte Verkostung südafrikanischer Weine. Rund 800 Weine, über 60 Winzer und 6 spannende Themenverkostungen. Zweifellos eine Pflichtveranstaltung für alle Sommeliers, Händler und Fachleute, da hier umfassend über die aktuellen Entwicklungen am Weinkap informiert wird. Im Fokus der Weinshow stand der persönliche Dialog mit den Winzern und Weinmachern Südafrikas. Also Wein-Weiterbildung aus erster Hand!

Südafrikas Winzer und Kellermeister arbeiten konzentriert an ihren individuellen Weinstilen und der Profilierung Südafrikas. Die Kapregion wartet mit einem wachsenden Angebot an hochwertigen Weinen auf. Es geschieht Revolutionäres, ohne Bewährtes aus den Augen zu verlieren. Die engagierten Winemaker erkunden ihre Regionen, um besondere Lagen und spezielle Pflanzungen zu finden. Das gilt sowohl für kühlere Gebiete als auch ungewöhnliche Bodenformationen. Zudem setzen sie auf den gesonderten Ausbau von „Bush Vines“ und den Erhalt alter und vergessener Rebanlagen. Für solche „Schätze“ setzen sich die Winemaker mit großem Enthusiasmus ein. Südafrikas Weinszene entdeckt zunehmend ihr „Terroir“. Die Tendenz unverwechselbare Weintypen in der Kapregion zu finden, ist steigend. 

Die Winzer am Kap wissen sehr genau, wo die besten Trauben wachsen – auf ihre Qualitätsentwicklung der letzten 25 Jahre sind sie mit Recht stolz. Couragierte Newcomer wie Gavin Bruwer Slabbert (B-Vintner), sowie arrivierte Winzer wie Anthony Hamilton Russell (Hamilton Russell), Gary Jordan (Jordan Winery), Kevin Arnold (Waterford), Johan Malan (Simonsig) oder gar der Pionier Jeremy Walker (Grangehurst), haben deutlich gemacht, wie fundiert, konzentriert und konsequent sich Südafrikas Weinszene in die Premiumliga empor arbeitet. 

Es war äußerst aufschlussreich, mit den Meinungsmachern während der Südafrika-Weinshow an den zahlreichen Ständen ins Gespräch zu kommen. Beachtlich waren die eindrucksvollen Themenverkostungen, das ungeheure Potential des Chenin Blanc, die steigende Anzahl Terroir geprägter Weinstile und die elegante Evolution des einst rustikalen Pinotage sensorisch nachvollziehen zu können. Die Themenverkostungen wurden durch unterhaltsame Dialoge mit  den Weinmakern begleitet. Unkompliziert und auf Augenhöhe, zudem gab es ausreichend Raum für Fragen und Diskussionen. Der Vorteil dieser Themenverkostungen: Ungestört verkosten und vergleichen. Wenn man was entdeckt hatte, konnte man die anwesenden Händler direkt aufsuchen. Ein sinnvolles Unterfangen, da man sich nicht durch überwiegend heterogene Programm der unterschiedlichen Importeure probieren musste. Für Weinprofis ein großer Vorteil und eine einzigartige Chance, sich sein eigenes Bild zu machen und in kurzer Zeit zu erkennen, welch enormen Qualitätssprung die Weine und Winzer Südafrikas absolviert haben. 

 

(Ntsiki Biyela von Stellekaya)

Die Südafrika-Weinshow war ein prickelndes Erlebnis: Ein gutes Dutzend Methode Cap Classique, traditionell vergorene Schaumweine, gaben sich die Ehre. Eindrucksvoll war der Impulsvortrag von Ntsiki Biyela, der ersten schwarzen Kellermeisterin Südafrikas. Sie war lange Zeit für das Weingut Stellekaya zuständig. Auf der Südafrika-Weinshow präsentierte sie ihren eigenen Wein Aslina. Mit sehr viel Charme, Humor und vor allem überzeugend erzählte sie von der nachhaltigen Entwicklung des südafrikanischen Weinsektors. Ob Fairtrade, Black-owned-Brands und Black Economic Empowerment, alle diese Bewegungen forcieren den sozialen Strukturwandel und stärken Südafrikas Position als integrer Lieferant fair erzeugter Weine. Die Südafrika-Weinshow hat bewiesen: Das Weinland am Kap hat sehr viel Charakter! Das zeigte sich nicht nur im Glas, sondern auch in den anregenden Gesprächen mit den anwesenden Produzenten.

Themenverkostungen

- Driven by Passion: Chenin Blanc (Gary Jordan, Jordan Winery)

- Driven by Vision: Cap Classique (Johan Malan, Simonsig)

- Driven by Instinct: New & Exciting (Gavin Bruwer Slabbert, B-Vintner)

- Driven by Change: Transformation (Ntsiki Biyela, Stellekaya)

- Driven by History: Pinotage (Anthony Hamilton Russell, Hamilton Russell)

- Driven by Terroir: Red Blends (Kevon Arnold, Waterford)

 

WOSA Sommelier Cup

Südafrikas Weinwirtschaft, vertreten durch den Weinexportverband „Wines of South Africa“ (WOSA) engagiert sich international für die Weiterbildung junger Weinfachleute. Seit 2010 lädt die WOSA internationale Sommeliers zu einem anspruchsvollen Berufswettbewerb ein, der alle drei Jahre stattfindet. Teilnehmen können Sommeliers, die aktiv in der Gastronomie arbeiten und in Großbritannien, Deutschland, Holland, Schweden, USA, Kanada, Asien und Afrika beheimatet sind. Die Teilnahmezahlen sind seit der Premiere steigend. Viele Sommeliers erkennen und nutzen die hervorragende Gelegenheit, sich in die florierende Weinszene Südafrikas einzuarbeiten. Ihre Intention ist es, sich einen soliden Wissensfundus zu erarbeiten, die neuen Trends zu entdecken und das persönliche Netzwerk zu erweitern.

An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an Marc Albert – WOSA Sommelier Germany 2016. Mit Bravour hat der 25-jährige Marc Almert diesen anspruchsvollen Wettbewerb im Juli 2016 als bester deutscher Sommelier absolviert. Der junge Sommelier des Fairmont Hotels Vier Jahreszeiten in Hamburg setzte sich im Halbfinale gegen seine Kollegen Felix Franke (Seehotel Ente, Ketsch), Florian Richter (Hotel Kronenschlösschen, Hattenheim) und Carine Patricio (Restaurant Jellyfish, Hamburg) durch. Er wird nun am 23. September 2016 im Grand Finale Deutschland vertreten. Wir drücken ihm die Daumen für den Titelgewinn des „WOSA Sommelier Champion“!

Last but not least

Die Kapregion hat nicht nur Wein, sondern hat auch kulinarisch viel zu bieten. Ein Geheimtipp sind sicherlich die Olivenöle. Auf der Südafrika Weinshow wurden einige köstliche Extra Virgin Olivenöle gezeigt, die von den Weingütern im Boutiquestil produziert werden: Thelema, De Boerin (Kleinod), Tokara (Schalkenbosch), Morgenster, Allée Bleue und Babylonstoren. Ebenso die Öle von Willow Creek, ein Farmer, der sich zwischenzeitlich auf den Olivenanbau spezialisiert hat.

 

 

Meine Favoriten der vorgestellten südafrikanischen Weintypen:

Ursprünglich und authentisch: Chenin Blanc

Südafrikas meistangebaute Rebsorte ist Chenin Blanc. Das Potenzial dieser Leitsorte bekommt eine Chance durch den qualitativen Ansatz und die entsprechende Passion der Winzer: Single Vineyards, Reifung auf der Feinhefe sowie unterschiedliche Reifephasen im Barrique, fördern die Vielfalt und die Güte südafrikanischer Chenin Blancs.

Unkomplizierter Einstieg:
2015 Chenin Blanc Secateurs, Badenhorst, Swartland

Komplex und strukturiert:
2014 Old Vine Chenin Blanc, Raats, Stellenbosch

Tiefgründig und saftig:
2014 50 Barrel Fermented Chenin Blanc, Stellenrust, Stellenbosch

 

Allerweltsrebsorte: Chardonnay

Stammt aus Frankreich und wächst auf der ganzen Welt. Mit dieser Rebsorte ist jeder Winzer extrem austauschbar. Ausnahmen sind die Chardonnay-Reben, die auf den entsprechenden Böden gedeihen, ein gewisses Alter haben und deren Winzer feinfühlig mit der Kellerwirtschaft und dem Holzeinsatz umgehen.

Best buy und Top-Preis-Leistung:
2015 Barrel fermented Chardonnay, Jordan, Stellenbosch

Komlexer Klassiker:
2015 Chardonnay, Hamilton Russell, Walker Bay

 

Charaktervolle Entwicklungen:

Ungewöhnlich, eigenwillig, eigensinnig – Südafrikas Weinmacher gehen ihren Weg. Sie wissen um das Potenzial ihrer Weinbergslagen. Sie schätzen die Komplexität ihrer „Old Vines“. Sie entdecken ihr Terroir und finden ihren persönlichen Stil. Ihre Weine repräsentieren eine neue Dimension des bisher gekannten südafrikanischen Weinprofils.

Fruchtbetont und feingliedrig:
2014 Muscat de Alexandria, B Vintners, Stellenbosch

Großartiger Essensbegleiter:
2014 Mullineux White, Swartland

Orange Version:
2015 Testalonga Skin Chenin Blanc, Swartland

Rauchig und würzig:
2014 Grenache Noir, The Foundry, Franchhoek


Historischer Hintergrund: Pinotage

Die historische Heimat des Pinotage ist Südafrika. Eine Kreuzung aus Cinsault und Pinot Noir, die 1925 von Abraham Izak Perold, dem ersten Professor für Weinbau an der Universität in Stellenbosch, gezüchtet wurde. Neben dem ursprünglich eher robusten Geschmacksprofil, präsentiert sich Pinotage heute zunehmend eleganter mit einem gewissen Schliff, ohne jedoch seine Wildheit vollends zu verlieren.

Zartwürziges Kraftpaket:
2015 Liberte Pinotage, B Vintners, Stellenbosch


Rotwein Blends mit Terroirgedanke

Um beim Blending nicht beliebig und austauschbar zu werden, sind alte Reben und das entsprechende Terroir unabdingbar. Die Erzeugung von Cuvées erfordert ein hohes Maß an Präzision und Erfahrung. Die südafrikanischen Winzer haben in den letzten Jahren gelernt, das Alter ihrer Reben und das jeweilige Terroir der zugehörigen Weinlagen zu nutzen und richtig einzusetzen. Hinzu kommt die notwendige Erfahrung des Reifepotenzials der eingesetzten Grundweine. Nach vielen Jahren einer eher industriellen Weinerzeugung kommen nun zunehmend Blends handwerklicher Erzeugung auf den Markt.

Brot und Butter: 
2014 Red Blend, Badenhorst, Swartland

Anmutiger Einsteiger:
2013 Syrah-Mouvedre, Lazanou Organic Vineyards, Wellington

Süffiger Verführer:
2011 First Verse, Keet, Stellenbosch

Köstlicher Klassiker:
2014 Faithfull Hound Red, Mulderbosch, Western Cape

Würziger Verführer:
2013 Silhouette Olifantsberg, Western Cape

Samt und Seide:
2014 MR de Compsotella, B-Vintners, Stellenbosch

 

Schweres Spiel: Pinot Noir

Diese Rebsorte hat es nicht leicht in Südafrika. Die meisten Regionen sind der erfolgsverwöhnten Rebsorten-Diva einfach zu warm. Sie bevorzugt kalkhaltigen Boden und eher kühle Temperaturen. Walker Bay ist als sogenanntes Cool Climate bekannt und Anthony Hamilton Russell einer der Pinot Noir Pioniere in diesem Gebiet. 1991 übernahm er das Weingut von seinem Vater, der es aber nie mit Herzblut geführt hatte, im Gegensatz zu Anthony und seiner Gattin Olive.

Komplex und tiefgründig:
2015 Pinot Noir, Hamilton Russell, Walker Bay

Kühles Start up:
2015 Reservoir Road Pinot Noir, B-Vintners, Stellenbosch

 

Fazit

Südafrikas Weinwirtschaft ist bunt, dynamisch und facettenreich. Nicht nur das, die Kapregion hat sich still und leise weiterentwickelt. Ich bin aber nicht sicher, ob der qualitative Fortschritt der letzten Jahre bereits beim deutschen Endverbraucher angekommen ist. Wenn man hierzulande die oftmals eindimensionalen und etwas langweiligen Sortimente der einschlägigen Händler und Supermärkte betrachtet, muss man klar sagen: da geht viel mehr! Nun liegt der Ball im Feld der Gastronomie und des Fachhandels –vor allem bei ihren Mitarbeitern. Sicher ein Grund mehr Sommeliers zu bewegen, sich beim WOSA-Sommelier Cup anzumelden! Oder den Online-Schulungskurs der WOSA auf deren Website zu machen. Deshalb war es schade, dass unter den rund 380 Fachbesuchern so wenig junge Fachleute zu sehen waren. Doch die frohe Kunde ist: Es gibt Anfang 2017 eine Fortsetzung der Südafrika Weinshow in Frankfurt.

Informationen gibt es hier!

Weitere Informationen:

Bezugsquellen:

Christina Fischer

Christina Fischer

Christina Fischer

Die Sommeliere und Buchautorin Christina Fischer lebt und arbeitet in Köln. Ihre vielseitigen Aktivitäten bündelt sie in ihrer Kölner GENUSS Werkstatt.

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