Let’s taste Südafrika

Die Südafrika-Weinshow bietet Gelegenheit rund 800 Weine von 60 Winzern sensorisch unter die Lupe zu nehmen. Ein „must“ für alle Weinfachleute, die über den sprichwörtlichen Tellerrand hinausschauen und Wert auf Weiterbildung legen. 

Nicht jeder Sommelier oder Fachhändler kommt in das Vergnügen, regelmäßig nach Südafrika zu reisen, um sich persönlich über die Gegebenheiten und Trends dieser Weinregion zu überzeugen. Ein Grund mehr die Südafrika Weinshow zu besuchen und sich über die dynamischen Entwicklungen dieser spannenden Weinregion zu informieren. Obgleich in diesem Jahr die Quote der anwesenden Sommeliers und Fachhändler deutlich höher war, habe ich doch das Gros unserer gastronomischen Weinszene vermisst. 

Da es kaum jemand schafft, 800 Weine an einem Tag zu verkosten, kommen an dieser Stelle einige der anwesenden Sommeliers mit ihren persönlichen Entdeckungen zu Wort. Paula Bosch ist beispielsweise erst heute von ihrer Südafrika-Reise zurückgekommen. Nach der Landung um 6 Uhr morgens ist sie flugs unter die Dusche gesprungen, hat gut gefrühstückt und ist dann auf die Weinshow geeilt. Ihr Herz für südafrikanische Weine hat die selbstständige Sommelière und Weinautorin bereits vor 20 Jahren geöffnet: „Damals waren die Regionen Südafrikas und das damit verbundene Weinangebot wesentlich übersichtlicher“, erzählt die erfahrene Fachfrau. „Ich habe die Szene seitdem nicht aus den Augen gelassen, mit vielen Winzern am Kap Freundschaft geschlossen, unzählige Weine verkostet, Trends und Entwicklungen beobachtet. Zudem besuche ich dieses dynamische Weinland sehr regelmäßig.“ Paula berichtet, dass es die wirklich großen südafrikanischen Weine in Deutschland leider nicht so oft zu kaufen gibt: „Deshalb muss ich sie dann in meinem Reisegepäck schmuggeln.“ Solche und andere Trouvaillen stellt sie dann, gemeinsam mit Jens Priewe und Eberhard Spangenberg in einer regelmäßigen Serie namens „Rare Bottle Sharing“ in München vor.

Auf meine Frage, was denn ihre persönlichen Favoriten der Show gewesen seien, antwortet sie ohne zu zögern: „Springfield Estate kenne ich seit 18 Jahren. Früher haben Jeanette und ihr Bruder Abrie Bruwer ihre Trauben verkauft, heute produzieren sie selber hochwertige Weine. Was sie aus ihren Trauben machen, ist unglaublich gut. Vom einfachen Sauvignon blanc „Live from Stone“ bis hin zu dem eindrucksvollen 1997 Cabernet Sauvignon, der mit seinen zwanzig Jahren eindrucksvoll demonstriert, welches Alterungspotenzial südafrikanische Rotweine besitzen.“

Auch Sommelier Manuel Bretschi, der heute für die Aus- und Weiterbildung im Deutschen Weininstitut tätig ist, verkostet heute auf der Weinshow. Er ist sich sicher, dass man ohne fortlaufende Weiterbildung auch auf internationalem Terrain ganz schnell den Anschluss verpasst. 

Die beiden jungen Sommeliers Christina Krenn und Jo Wessels, haben in ihrem halbstündigen Vortrag eine Selektion sorgfältig zusammengestellter Favoriten präsentiert. Bei den beiden „Youngstern“ ist ihre Liebe für südafrikanische Weine deutlich zu spüren. 

Christina Krenn imponiert die Lebensfreude der Südafrikaner, „die trotz manchmal widriger Bedingungen herzlich lachen, tanzen und unglaublich positiv sind.“ Mit dem „Südafrika-Virus“ wurde sie bereits in ihrem Ausbildungsbetrieb infiziert. Ihre Favoriten: Der vielschichtige Swartland 2014 Aristargos von David und Nadja Sadie, ein weißes Cuvée aus Chenin Blanc, Roussanne, Clairette Blanche und Viognier. Und der reinsortige 2016er Cinsault von Alheit Vineyards „Flotsam & Jetsam“. 

Jo Wessels, gebürtiger Südafrikaner aus Stellenbosch, studiert Önologie an der Universität Geisenheim. Jo schwärmt: „Unsere Weinszene in Südafrika ist wie eine große Familie – meine Familie!“ Wenn immer er kann, unterstützt er die Weininformation (Wines of South Africa - WOSA) und wirbt gerne für die Weine seines Landes. Für das „WOSA Sommeliers‘ Select Seminar“ hat er 2015 Savage White vorgeschlagen. Ein lebhaftes Cuvée aus Sauvignon blanc, Semillon und Clarette blanche. "There is no doubt that Duncan Savage is one of the best white wine winemakers in South Africa", das sieht Jo Wessels übrigens genau so wie Master of Wine Greg Sherwood. 

 

Südafrikas meistangebaute weiße Rebsorte ist Chenin Blanc. Das Potenzial dieser Leitsorte bekommt eine Chance durch den qualitativen Ansatz und die entsprechende Passion der Winzer. Neue Ansätze wie zum Beispiel der getrennte Ausbau von Trauben aus „Old Vines“ oder „Single Vineyards“, eine längere Reifezeit auf der Feinhefe, längere Maischestandzeiten, eventuell sogar leichter Angärung und sorgfältiger Holzeinsatz bereichern das Qualitätsspektrum südafrikanischer Chenin blancs. Jo Wessels hat seinen Favoriten, den 2015 Testalonga El Bandito „Skin Contact“ aus Swartland, präsentiert. Die Trauben stammen aus Weinbergen, die ohne Herbizide, Pestizide und Insektizide gepflegt werden. Der Most verweilte 21 Tage auf der Maische. Jo kennt den Winzer: „Craig Hawkins gilt als einer der vielversprechendsten und zugleich kontroversesten jungen Weinmacher in Swartland, vielleicht sogar in ganz Südafrika.“ 

Marc Almert, der heute in Zürich im Baur au Lac, Restaurant Pavillon* tätig ist, hat fast auf den Tag genau in 2016 den WOSA-Sommelier Cup im internationalen Finale in Kapstadt gewonnen. Auf der Weinshow haben ihm die folgenden Weißweine besonders imponiert: Als lebhaften und besonders ausdrucksvollen Weißwein-Typ empfiehlt er 2015 Sauvignon blanc Reserve von Cape Point Vineyards. Wer nach nach Komplexität, Eleganz und Tiefgründigkeit sucht, der wird mit dem 2015er Marguerite Chenin blanc von Beaumont Familiy Wines, Walker Bay, glücklich. 

Das ist im Übrigen auch mein Weißwein-Fundstück des Tages! Die Rebanlagen dieses ausdrucksvollen Chenin blancs stammen aus den 1974 und 1978er Jahren. Der Wein präsentiert sich präzise, geschliffen, voller Schmelz und mit einer lebhafter Anmutigkeit. Er hat seine Reifezeit in großen fünft, sechst- bis achtbelegt Holzfässern verbracht und keine malolaktische Gärung durchlaufen.  

Bei den Rotweinen hat sich Marc Almert für den 2015er Syrah von Richard Kershaw (MW) entschieden: „Die Trauben bezieht Kershaw aus einer reinbewachsenen Rebparzelle im westlichen, etwas kühleren Teils der Elgin Region.“ Marc weiß: „Richard Kershaw benutzt in diesem Fall ganz bewusst die Bezeichnung „Syrah“, angelehnt an die Weine der nördlichen Rhône. Er will dabei eine klare Unterscheidung zu wärmer gewachsenen, etwas opulenteren Shiraz-Typen herzustellen. Und diesem Anspruch wird der kühle, feste wunderbar würzige Wein allemal gerecht.

Bevor unser Gespräch zu Ende ist, schiebt Marc Almert noch schnell seinen Cape Classique Favoriten durch die Leitung: „Der reinsortige Chardonnay Genevieve MCC (Methode Cap Classique) des Jahrgangs 2012 hat mich am meisten begeistert.“ Diese Meinung teilt übrigens auch die engagierte Sommelière Kathrin Feix vom Althoff Hotel Schlossgarten in Stuttgart.  

Auch Paula Bosch hat bei den Kapsekten noch einen heißen Tipp auf Lager: Sie favorisiert Le Lude brut NV (Non Vintage). „Diese wunderbar Cuvée besteht aus zwei Dritteln Chardoannay und einem Drittel Pinot Noir. Aufgrund seiner feinen Perlage ist dieser Schaumwein mit einem sehr guten Champagner vergleichbar. Die Grundweine haben 36 – 48 Monate auf der Hefe gelegen. Das ist Sparkling at it’s best!“ 

Pinotage steht für das Weinland Südafrika wie keine andere Rebsorte. Denn seine historische Heimat ist das Kap! Es handelt sich um eine Kreuzung aus Cinsault und Pinot Noir, die 1925 von Abraham Izak Perold, dem ersten Professor für Weinbau an der Universität in Stellenbosch, gezüchtet wurde. Entgegen dem ursprünglich eher robusten Geschmacksprofil, präsentiert sich Pinotage heute zunehmend eleganter mit einem gewissen Schliff, ohne jedoch seine Wildheit vollends zu verlieren. Während Kathrin Feix aus Stuttgart den 2015er Pinotage „Vantage“ von  Remhoogte aus Stellenbosch bevorzugt, hat Paula Bosch gleich zwei Favoriten im Petto: „Der avantgardistische 2015 Beeslaar Pinotage aus Stellenbosch gehört für mich ebenso in die erste Liga wie der arrivierte 2015 Pinotage von Kanonkop.“ Abrie Beeslaar ist im Übrigen der Kellermeister von Kanonkop – also kein Wunder, dass beide Weine eine ähnlich hochwertige Qualitätsignatur auszeichnet.

Wertvoll und mega effektiv: Themenverkostungen

Sehr praktisch und lobenswert waren auch in diesem Jahr die Themenverkostungen. Am Beispiel ausgesuchter Themenflights, präsentiert auf unterschiedlichen Stationen, konnte sich jeder Besucher umfassend in die aktuellen Weinthemen Südafrikas einarbeiten. Sozusagen ein „Speed-Dating“ mit den wichtigsten Entwicklungen und Trends der Szene. Zu den meisten Weinen gab es auch sehr aussagekräftige Expertisen, die man übrigens auch noch jetzt, also nach der Verkostung, im Internet anschauen kann. Zu verkosten waren sowohl die Leitrebsorten des Landes, weiße und rote Cuvées, neue Single-Vinyard Trouvaillen als auch ausgesuchte Weine mit sozialem Hintergrund. 

Die Themen im Überblick:

·      „I am bubbely“ Cap Classiques

·      “I am progress” Transformation

·      “I am different” WOSA-Sommeliers’ Select

·      “I am synergy” White & Red Blends

·      “I am single” Single Vineyards

·      Chenin Blanc

·      Sauvignon Blanc

·      Pinotage

·      Shiraz

Wichtig zu wissen: Zahlen und Fakten

Südafrika ist die siebgrößte Weinnation und produziert vier Prozent der gesamten Weinmenge der ganzen Welt. Knapp 100.000 Hektar Land sind derzeit mit Reben bepflanzt. Bewirtschaftet wird diese Fläche von rund 3.200 Weinbauern. Die meisten liefern ihre Trauben an Genossenschaften und Kellereien. Gerademal 570 Weinerzeuger gibt es, die sich vorwiegend auf den Export spezialisiert haben. 

Die Südafrika Weininformation – unter der Leitung von Petra Mayer und Christine Hill, haben eine tolle Show auf die Beine gestellt. Doch das engagierte und kompetente Weinteam ist nicht nur auf der Weinshow für die fachlichen Fragen präsent. Auch auf ihrer Website www.suedafrika-wein.de findet man eine Vielzahl an wichtigen Informationen und tollen Hilfsmitteln, um sich fortzubilden. 

Für das Heimstudium gibt es im Übrigen einen Online-Kurs. Da kann man sich auch zuhause – zu jeder Tages- und Nachtzeit zum Thema „Weinland Südafrika“ weiterbilden. 

Fazit

Südafrikas Winzer und Kellermeister arbeiten konzentriert an ihren individuellen Weinstilen und der Profilierung Südafrikas. Die Kapregion wartet mit einem wachsenden Angebot an hochwertigen Weinen auf. Die engagierten Winemaker erkunden ihre Regionen, um besondere Lagen und spezielle Pflanzungen zu finden. Das gilt sowohl für kühlere Gebiete als auch ungewöhnliche Bodenformationen. Zudem setzen sie auf den gesonderten Ausbau von „Bush Vines“ und den Erhalt alter und vergessener Rebanlagen. Für solche „Schätze“ setzen sich die Winzer mit großem Enthusiasmus ein. Die Tendenz unverwechselbare Weintypen in der Kapregion zu finden, ist steigend. Leider merken das auch die Investoren. Da es in Südafrika Usus ist, Trauben zu kaufen, könnte eine mögliche Teuerung langfristig zu einer Verknappung des hochwertigen Traubenmaterials führen. Vielleicht können kleine Betriebe dann irgendwann die Preise nicht mehr bezahlen.

Die Kapregion hat sich in den letzten Jahren extrem dynamisch weiterentwickelt. Nach der Schwemme der einfachen, easy drinking Sunshine-Tropfen kommen langsam aber sicher auch hochwertige südafrikanische Weine auf unseren Markt. Das gilt es weiterzuvermitteln. Jetzt sind die Gastronomie und der Fachhandel gefragt – vor allem bei ihren Mitarbeitern. Ein trifftiger Grund junge Sommeliers zu bewegen, sich beim „WOSA-Sommelier Cup“ anzumelden! Oder den Online-Schulungskurs der WOSA auf deren Website zu machen. Oder einfach die nächste Südafrika-Weinshow besuchen! 

Info für Interessenten: WOSA Sommelier Cup

Südafrikas Weinwirtschaft, vertreten durch den Weinexportverband „Wines of South Africa“ (WOSA) engagiert sich international für die Weiterbildung junger Weinfachleute. Seit 2010 lädt die WOSA internationale Sommeliers zu einem anspruchsvollen Berufswettbewerb ein, der alle drei Jahre stattfindet. Teilnehmen können Sommeliers, die aktiv in der Gastronomie arbeiten und in Großbritannien, Deutschland, Holland, Schweden, USA, Canada, Asien und Afrika beheimatet sind. Die Teilnahmezahlen sind seit der Premiere steigend. Viele Sommeliers erkennen und nutzen die hervorragende Gelegenheit, sich in die florierende Weinszene Südafrikas einzuarbeiten. Ihre Intention ist es, sich einen soliden Wissensfundus zu erarbeiten, die neuen Trends zu entdecken und das persönliche Netzwerk zu erweitern. An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an Christina Krenn, Gewinnerin des WOSA Sommelier Cups Germany 2013 und Marc Albert – WOSA Sommelier Germany 2016. Mit Bravour hat der 25jährige Marc Almert diesen anspruchsvollen Wettbewerb im Juli 2016 als bester deutscher Sommelier absolviert. 

Save the date!

Sommeliers, aufgepasst: der nächste Wettbewerb findet 2019 statt, also noch zwei Jahre Zeit zum Lernen! Weitere Informationen: Sommelier Cup  

Weitere Informationen:

Sommeliers:

Bezugsquellen:

Springfield Estate

Bezugsquelle

2014 Weißwein-Cuvée „Aristargos“, David und Nadja Sadie

Bezugsquelle

2016 Cinsault „Flotsam & Jetsam, Alheit Vineyards

2015 Savage White 

Bezugsquelle

2015 Testalonga El Bandito „Skin Contact

Bezugsquelle

2015 Sauvignon blanc Reserve von Cape Point Vineyards

2015 Marguerite Chenin blanc von Beaumont Familiy Wines, Walker Bay

2015 Syrah von Richard Kershaw

2012 Chardonnay Genevieve MMC

Bezugsquelle

Le Lude brut NV

Bezugsquelle

2015 Beeslaar Pinotage

2015 Kononkop Pinotage

Bezugsquelle

Die guten Geister hinter den Kulissen: www.sa-weinshow.de

 

Bildrechte: Südafrika Weininformation; Christina Fischer

Christina Fischer

Christina Fischer

Christina Fischer

Die Sommeliere und Buchautorin Christina Fischer lebt und arbeitet in Köln. Ihre vielseitigen Aktivitäten bündelt sie in ihrer Kölner GENUSS Werkstatt.

Zum Expertenportrait