Mia lässt nachschenken – diesmal im Weinstein in Berlin

Auf meiner Reise durch die Welt des Weines komme ich an einem Ort in Berlin nicht vorbei: Das Weinstein im Stadtteil Prenzlauer Berg. Was die Weinschenke so besonders macht? Hier werden feine Weine in einer herrlich entspannten und unprätentiösen Atmosphäre genossen, denn das Weinstein versteht sich als „Weinkneipe“. 

Übrigens: Das einzigartige Weinstein wurde von Gerolsteiner auch als WeinPlace ausgezeichnet! Ich habe mich mit dem Inhaber Roy Metzdorf gemütlich zusammengesetzt und bei ein, zwei, oder auch acht Gläsern gutem Wein und leckerem Käse ein bisschen mit ihm geplaudert. 

Mia: Hallo Roy! Dein Laden hat doch bestimmt eine Geschichte, oder?
Roy: Klar! Das war mal ein Fleischerei! Ich glaube, bis in die 70er Jahre rein. Die haben hier gewohnt und geschlachtet. Man sieht das hinten in den Räumen noch - da ist oben an der Decke noch eine Transmission angebaut - so Gestänge mit Rädern – damit hat man früher Maschinen angetrieben. Irgendwann ist hier dicht gemacht worden und dann stand es erst mal leer. Nach der Wende haben wir versucht mit Freunden zusammen Räumlichkeiten zu finden, um 'ne Weinkneipe auf zu machen. Einerseits waren wir Weinfans, andererseits hat uns so zwei, drei Jahre nach dem Mauerfall etwas nicht gefallen: Da gab’s hier ’ne Weinkneipe, aber die Kellnerin wusste nicht mal was ein Rioja ist. Man musste zum Regal gehen und auf die Flasche zeigen, die man will. Da haben wir uns gedacht: Das machen wir einfach selber! 1993 war es dann so weit. 

M: Und wie lang hat’s gedauert, bis du ein richtiger Weinkenner warst?
R: Ich weiß ja nicht, ob das ein Ende findet und es wäre mir auch zu peinlich zu sagen, ich wäre ein richtiger Weinkenner. Die Weinwelt ist so vielfältig - den möchte ich erst mal sehen, der ein wirklicher Weinkenner ist! Ich erfreu' mich da eher am Geschmack. 

M: Du meinst, mit Wein muss man sich wohlfühlen, oder?
R: Man kann auch protzen, so ist es nicht. Dann geht man wo hin, kauft sich 'nen Wein für 1.500 Euro und zeigt damit, dass man sich das leisten kann. Solche Leute brauchen aber nicht unbedingt den Geschmack, die müssen die Aufmerksamkeit haben. Dafür gibt’s Orte, aber das Weinstein ist nicht so einer. 

M: Deswegen hat man hier das Gefühl, keine Angst haben zu müssen, dumme Fragen zu stellen.
R: Ja genau! Da gibt’s 'ne unheimliche Hemmschwelle. Man hat da ja so 'ne Vorstellung. Die dicken, alten Herren mit dem schweren Rotweinglas in der Hand! Da ist man schnell eingeschüchtert und verliert den Mut, in ein Restaurant zu gehen und dem Sommelier zu sagen, dass man gar keine Ahnung hat. 

Das soll hier auf jeden Fall erlaubt sein. Hier kann man reinkommen und sagen „Ich hab keine Ahnung, aber ich möchte Das und Das schmecken“. Dann werden wir uns bemühen und suchen was passendes aus. Das hängt natürlich auch ein bisschen davon ab, wie präzise man sich ausdrückt - aber in der Regel kriegen wir das hin. 

M: Es ist ja auch schwierig, sich immer so präzise auszudrücken.
R: Ja klar! Es gibt da ja auch so wenige Vokabeln. Süß, sauer, bitter salzig. Man kann noch Sachen wie mineralisch und fruchtig sagen, aber schwer ist es allemal. Versuch mal jemandem den Geschmack eines Apfels zu beschreiben, der noch nie 'nen Apfel gegessen hat. 

M: Aber wenn ich Wein zu meinem Essen brauche, komm ich her und dann wird mir geholfen.
R: So ungefähr. Fast jeder Wein passt zu fast jedem Essen – mit der Würzung des Essens kann man viel einstellen. Aber es ist einfacher, auf einen Wein zu kochen, als 'nen Wein zu 'nem fertigen Essen auszusuchen. Klar musst du ein bisschen Küchenahnung haben – aber von nix kommt halt nix. Rote Bete und ein Pinot Noir oder alter gereifter Bergkäse und alter Riesling. Perfekt! Du musst viel kochen und viel trinken und viel Spaß dabei haben. Ohne Spaß ist nicht viel los! 

M: Wir trinken jetzt ja alle Weine nacheinander aus dem gleichen Glas – wird da nicht der Geschmack verfälscht?
R: Das ist so'n Irrglaube. Reste vom letzten Wein im Glas sind allemal besser als das Spülmittel, das sonst grundsätzlich noch leicht dran klebt. Manchmal „beißen“ sich Weine, aber das merkt man sofort. Ansonsten: Immer das Glas behalten. 

M: Zum Schluss: Wie bist du überhaupt zum Wein gekommen?
R: „Wein ist eingefangener Sonnenschein“. Klingt sehr plakativ, ist aber ne nette Geschichte: Als ich klein war, hatten alte Bekannte meiner Eltern einen Sommerwohnsitz, da wurde viel gefeiert. Da gab's 'nen extra Kindertisch, an dem die Hausherrin eine Flasche Rhein-Wein servierte. Ich war zehn und mein Bruder drei. Ich bin mir sicher, dass der süß war, sonst hätte ich den nicht getrunken und ich wusste damals schon, dass hier was läuft, was meine Eltern nie erlauben würden. 

Immer, wenn die Flasche leer war, kam die Hausherrin und brachte eine neue – mit den Worten: „Trinkt nur Kinder! Wein ist eingefangener Sonnenschein!“ Viel später ist uns beiden klargeworden, dass wir an dem Tag ’nen Auftrag gekriegt haben. Deshalb sind wir Weinhändler geworden! 

In diesem Sinne: Prost! Und vielen Dank für den schönen, entspannten Abend!

 

 

Küchenchaotin

Küchenchaotin

Mirja Hoechst

Mirja Hoechst ist leidenschaftliche Food-Bloggerin. Auf kuechenchaotin.de schreibt sie über alles, was ihr kulinarisch am Herzen liegt. Für WeinPlaces geht sie einmal im Monat auf Entdeckungsreise in die Welt des Weins.

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