Mia nimmt Kurs auf Hamburg und kommt fast pünktlich an

Immer, wenn ich für meine Beiträge hier bei WeinPlaces jemanden besuche, geht irgendetwas schief. Falsche Kleidung oder Krankheiten. Doch dieses Mal war ich gut vorbereitet. Die Kleidung: angemessen und doch sommerlich und die Sandalen geputzt. Ich bin gesund – der Besitzer des WeinPlaces hat auch keinen Krankheitsfall vermeldet, mein Zug fährt pünktlich ab und ich habe einen Zeitpuffer von satten 20 Minuten.

Und dann das: "Dieser Zug hält heute nicht in Hamburg Dammtor und Hamburg Hauptbahnhof. Alternativ ist ein außerplanmäßiger Ausstieg in Hamburg Altona möglich". Ich ziehe mein Handy zurate und stelle fest: Irgendwas ist immer. Dieses Mal komme ich zu spät. Wie peinlich! Aber so ist das wohl, wenn man sich die "Küchenchaotin" ins Haus holt.

10 Minuten später als ursprünglich verabredet, stehe ich dann also endlich vorm "Witwenball" - dem neuen WeinPlace von Hamburg - und der Besitzer und Sommelier Axel Bode empfängt mich mit offenen Armen und einem sympathischen Lächeln auf den Lippen.

Was mir sofort auffällt: Von außen war es hübsch – aber von innen ist es noch viel, viel schöner! Denn die Einrichtung vom "Witwenball" geht gegen den aktuellen, cleanen Trend. Das Einrichtungskonzept erinnert an Art Deco und ist dem des Originals "Elfriedes Witwenball" aus den 20ern angelehnt und das Mobiliar aus natürlichen Materialien – Marmor, und warmes Holz. Überall gibt es kleine türkisfarbene Eyecatcher. Ich würde sofort hier einziehen!

Am wunderschönen Marmortresen erzählt Axel mir ein bisschen über das Konzept. Der "Witwenball", der von ca. 1,5 Jahren eröffnet hat, soll nicht einfach ein weiteres Restaurant in Hamburg sein, sondern eine Weinbar mit Restaurant – denn so etwas hat hier bisher gänzlich gefehlt. In der Weinszene findet gerade ein Umschwung statt: junge, mutige deutsche Winzer produzieren eher "handwerkliche" Weine, die nicht von der Stange kommen und bringen so frischen Wind nach Deutschland und Österreich. Genau diese Weine finden hier ihren Platz. Viele der Winzer mit ihren kleinen, authentischen Gütern, deren Weine man hier auch direkt kaufen kann, kennt Axel persönlich.

Auch wenn das Hauptaugenmerk auf Deutschland und Österreich liegt, finden sich zwischen den 30 offenen und den ca. 250 Flaschenweinen (davon allein ca. 150 aus Deutschland!) auch einige Perlen von weiter her, z.B. aus Frankreich und Spanien. Und auch wenn das Ambiente auf den ersten Blick für manch einen vielleicht "hier ist es teuer!" schreit, ist für jeden etwas dabei. Vom Einsteiger bis zum Wein-Nerd soll hier jeder fündig werden. Der Preis beginnt deshalb auch einsteigerfreundlich bei ungefähr 6 Euro pro 0,2l-Glas.
Für das leibliche Wohl ist sowieso rundum gesorgt, denn in der Küche werden herrliche Speisen passend zum Wein zubereitet. Die Karte ist klein aber fein: egal ob geeiste Suppe, Rauchfischburger, Risotto mit Ziegenkäse oder ein eine süße Leckerei wie eine Panna Cotta Tarte – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei - und das Beste ist: Hier wird alles selbstgemacht. Auch das Brot.

Ungefähr ein Mal im Monat findet im Witwenball ein "Weinabend" statt. An den Weinabenden kommen Winzer vorbei, bringen ihre Weine mit und erzählen ein bisschen darüber. Und gekostet wird dann natürlich auch jede Menge! Lachen muss ich, als Axel fast ein bisschen verlegen von seiner Espressomaschine, die offensichtlich sein ganzer Stolz ist, erzählt. "Eigentlich ist sie nur eine Spielerei und viel zu groß für unseren Laden.", sagt er grinsend. "Aber guter Kaffee ist halt einfach toll!" Ich bin ganz seiner Meinung. Wer einen guten Kaffee genau so zu schätzen weiß, wie einen guten Wein, der ist in meinem Team.


Ich konnte mich übrigens gar nicht trennen. Dieser Beitrag wurde auf einem der schönen Marmortischen von der gemütlichen türkisfarbenen Bank im "Witwenball" geschrieben. Und ich komme auch ganz sicher wieder!

"Witwenball"
Weidenallee 20
20357 Hamburg

www.witwenball.com

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr
Sonntag ab 17 Uhr

Prost!
Mia

Küchenchaotin

Küchenchaotin

Mirja Hoechst

Mirja Hoechst ist leidenschaftliche Food-Bloggerin. Auf kuechenchaotin.de schreibt sie über alles, was ihr kulinarisch am Herzen liegt. Für WeinPlaces geht sie einmal im Monat auf Entdeckungsreise in die Welt des Weins.

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