Prost Nachwuchs! CaptainCork lobt die nächste Winzergeneration

Wenn du einmal groß bist, wird das alles dir gehören…

CaptainCork-Linkslotse Rainer Balcerowiak machte sich auf die Suche nach dem Generationswechsel in deutschen Weingütern. Fazit: Er musste nicht lange suchen. Die nächste Generation prägt die Szene in weiten Teilen.

Es mag eine Binsenweisheit sein, aber es bewegt sich was im deutschen Weinbau. Nicht nur bei den bekannten Spitzenerzeugern sondern auch bei vielen Erzeugern aus der zweiten Reihe ist seit Jahren ein deutlicher Qualitätsschub festzustellen. Längst ist deutscher Wein wieder auf dem Weg, einen Spitzenplatz auf den internationalen Märkten einzunehmen.

Jungwinzer nehmen das Ruder in die Hand.

Eine gewichtige Rolle spielt dabei der Generationswechsel, der in vielen Betrieben in den vergangenen Jahren vonstatten ging. Die Jungwinzer, die in den elterlichen Gütern das Ruder in die Hand nehmen, verfügen in der Regel über eine hervorragende önologische und auch kaufmännische  Ausbildung an renommierten Bildungsstätten wie den Hochschulen in Geisenheim und Weinsberg.

Mittlerweile gehört es auch zum Standard, dass der Winzernachwuchs über den Tellerrand der heimischen Güter hinaus blickt und umfangreiche Praktika im In- und Ausland absolviert, um möglichst viele Facetten des Weinbaus kennen zu lernen.

Immer häufiger auch JungwinzerINNEN.

Diese Erfahrungen fließen dann ein, wenn ein Jungwinzer - und immer häufiger auch eine Jungwinzerin -  Verantwortung für den Betrieb übernimmt. Aufbauend auf der Tradition des jeweiligen Gutes und der Region kommt auf diese Weise frischer Wind in die Weinszene.

Auch Christian Dautel gehört zu jener neuen Generation von weltläufigen und auch recht unkonventionellen Winzern. Während und nach dem Studium in Geisenheim, das er als Diplom-Ingenieur für Weinbau und Ökologie beendete, sammelt er Erfahrungen in Australien, Südafrika, Österreich und dem Burgund, gefolgt von einem Semester an der Wein-Universität in Bordeaux.


Juniorchef in einem 500 Jahre alten Betrieb.

Seit 2013 führt er das seit 1520 im Familienbesitz befindliche Weingut in Bönnigheim (Württemberg), nachdem er bereits seit 2010 die Verantwortung für den Keller inne hatte.

Dautel will keineswegs alles umkrempeln, denn Schließlich habe "der Vater gut vorgelegt", sagt der Winzer. Daran besteht kein Zweifel, denn Ernst Dautel führte das Gut nicht nur aus der Genossenschaft in die Selbstabfüllung, sondern auch in den Verband Deutscher Prädikatsweinwinzer (VDP). Seit Jahren gehört das Gut zu den führenden Betrieben Württembergs.

 Barrique Fässer
Bitte wenig Alkohol!

Von seinen Exkursionen um den halben Globus habe er vor allem das Gespür für die Besonderheit der jeweiligen Terroirs und der verschiedenen Rebsorten mitgebracht, so Christian Dautel. Für seine Weine strebt er als Profil Eleganz und Rebsortentypizität an. Im Mittelpunkt stehen Riesling, Weißburgunder, Spätburgunder und natürlich Lemberger, das Aushängeschild der Region.

Keinesfalls will er den üppigen "Übersee-Stil" kopieren, der von Weinen mit einem Alkoholgehalt von 14-15 Prozent geprägt ist. Seine Lagen stehen nach seiner Überzeugung besonders beim Lemberger für Weine, die pfeffrig und würzig schmecken.

  

Lass die Jungen Fehler machen.

Und er hatte das Glück, dass sein Vater ziemlich bald "losgelassen" hat, denn, so Ernst Dautel: "Wenn ich länger drein rede, hätte es sein können, dass es ihm keinen Spaß mehr macht." Schließlich müssen man "die Jungen ihre eigenen Fehler machen lassen".

Fragt man Christian Dautel nach seiner Wein-Vision, so ist die Antwort bestechend einfach. Nur selten ermögliche der Klimaverlauf die Entstehung wirklich großer Weine. Doch wenn sich diese Chance biete, "dann will ich sie nutzen".

Auch Cecilia Jost hat keinesweg den Anspruch, alles zu verändern, was ihr Vater Peter in dem Familienweingut in Bacharach am Mittelrhein geschaffen hat. Seit zwei Jahren ist sie Mitinhaberin des Betriebs, bereits seit 2009 ist sie für die Kellerwirtschaft verantwortlich.

Herausforderung Klimawandel.

Wie Christian Dautel hat auch Cecilia Jost in Geisenheim studiert und ihren Abschluss als Diplom-Ingenieurin für Weinbau gemacht. Während und nach Studium absolvierte sie mehrere Praktika, unter anderem in Neuseeland.

Markenzeichen des Weinguts sind filigrane, ausgeprägt mineralische Rieslinge mit feinem Frucht-Süße-Säurespiel und wenig Alkohol. Letzteres sieht Cecilia Jost angesichts des Klimawandels als besondere Herausforderung an. Sie hat etwas höhere Lagen am Bacharacher Hahn bepflanzt, die zuvor brach lagen, da der Riesling auf den vermeintlichen "Top-Parzellen" zu früh ausreift. Auch die Laubarbeit, also Art und Umfang der Entblätterung sei angesichts der manchmal sehr heißen Sommer viel differenzierter geworden, sagt die Winzerin.

Jugend forscht.

Da das Weingut, das ebenfalls dem VDP angehört, auch Flächen im Rheingau bewirtschaftet, hat es die Winzerin zudem mit sehr unterschiedlichen mikro- und makroklimatischen Verhältnissen zu tun. Doch die  Ausbildung in Geisenheim und die vielen Praktika haben für ihre Arbeit eine gute Grundlage geschaffen. Das zeigt sich auch bei den behutsamen Versuchen mit Spontanvergärung statt Einsatz von Reinzuchthefen und dem Umgang mit dem Spätburgunder, der am Mittelrhein neben dem Riesling ebenfalls Bedeutung hat.

Kleine Schritte – großer Wein.

Jost experimentiert dabei mit verschiedenen Holzarten sowie neuen und gebrauchten Barrique-Fässern und setzt auf schonendes manuelles Untertauchen des Tresters bei der Vergärung.

Es sind scheinbar kleine Schritte, doch Jost ist davon überzeugt, dass genau das der Weg ist. Man müsse eben vieles ausprobieren, um das Bestmöglichste aus seinen Weinen herausholen zu können, so Jost. Das sei auch ein Lernprozess, der immer weiter gehe.

 

Gemeinsam sind wir stark. 

Doch nicht nur als Einzelkämpfer sorgen junge Winzer für Furore, denn ihre Generation ist mit dem Gedanken der Vernetzung groß geworden und entsprechend multimedial präsent.

Eine der bekanntesten Vereinigungen ist die Generation Riesling, in der sich mittlerweile über 350 Winzer aus allen Anbaugebieten zusammengeschlossen haben, um mit gemeinsamen Präsentationen und Veranstaltungen auch international auf sich aufmerksam zu machen.

Weinverkostung bei Heavy Metal?

Dazu kommen regionale Gruppen wie "Message in a bottle" (Rheinhessen), der "Klitzekleine Ring" (Mosel)  oder die " Südpfalz Connexion".

Vielleicht sind die Eltern dieser "jungen Wilden" manchmal noch etwas irritiert, wenn eine Weinpräsentation auch schon mal von einer Heavy Metal-Band oder avantgardistischen Künstlern begleitet wird. Aber auf das, was die Jungwinzer leisten, können sie allemal stolz sein.

Bildquellen:

Porträt-Foto Christian Dautel: J. Grau "Deutschlands Weinelite-VDP" Tre Torri Verlag

Weinberg "Weingut Dautel": Frank Paul Kistner, Stuttgart - www.studiokistner.de. Die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt.

Weinkeller "Weingut Dautel": Frank Paul Kistner, Stuttgart - www.studiokistner.de. Die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt.

Weinkorken "Weingut Dautel": Frank Paul Kistner, Stuttgart - www.studiokistner.de. Die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt.

Riesling Weine "Weingut Dautel": Frank Paul Kistner, Stuttgart - www.studiokistner.de. Die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt.

Grübenstein Riesling "Weingut Dautel": Frank Paul Kistner, Stuttgart - www.studiokistner.de. Die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt.

Porträt Christian und Ernst Dautel: J. Grau "Deutschlands Weinelite-VDP" Tre Torri Verlag.

Logo "Generation Riesling": http://www.generation-riesling.de

Gruppenfoto "Generation Riesling":http://www.generation-riesling.de

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