Syrah Pioniere im Wallis

An einem klirrenden Wintermorgen trifft sich eine Runde erwartungsvoller Sommeliers und Journalisten zu einer einzigartigen Vertikal-Verkostung. Jean-René Germanier und sein Neffe Gilles Besses bitten zu Tisch: 20 Jahrgänge Cayas! Die Vertikale zeigt die spannende Entwicklung dieses terroirgeprägten Syrahs, stellt aber auch gleichzeitig den dynamischen Werdegang der beiden Winzer dar.

Der Wein

Cayas ist nicht nur der Top-Syrah des Hauses Germanier, sondern auch das Syrah-Parameter im schweizerischen Wallis. Der Wein wird aus den besten Syrah-Trauben der Region gekeltert. Individuelle, steinige Parzellen auf 500 - 800 Höhenmetern, die ihren Herkunftscharakter über viele Jahre bewiesen haben. Der Name Cayas stammt von „Caillasse“, einem kiesigen Schotterboden, der durch die erodierende Bewegung der alpinen Gletschermoränen entstanden ist und das umliegende Schiefergestein regelrecht zermalmt hat. Vom Erfolg dieser Rebsorte überzeugt, pflanzte Jean-René Germanier bereits vor einem Vierteljahrhundert die ersten Syrah-Rebstöcke. Damals war das ein Novum in der eher von Weißwein geprägten Weinregion Wallis. „Wir wurden belächelt, die ersten Weine wurden eher mit ruppigeren Tropfen aus St. Joseph verglichen, als sie in Kontext zu den feineren Crozes-Hermitage oder gar Hermitage zu setzen.“ 

Heute sind viele kleine, recht unterschiedliche Weinbergs-Parzellen für die Qualitäten verantwortlich. „Im Laufe der Jahre haben wir die Wingerte mit den ältesten Reben, der besten Exposition und dem geeignetsten Mikroklima herausselektiert.“ Cayas war von Beginn an einer der wichtigsten Weine des Hauses. „Sie können sich vielleicht vorstellen, dass es in den 1990er Jahren sehr schwierig war, den Traubenlieferanten und der Mannschaft klarzumachen, dass sie Trauben abscheiden mussten, um die Erträge niedrig zu halten. Zu damaliger Zeit war das völlig unverständlich. Hier haben die Trauben in der Regel hundert Tage Zeit, um ihre Reife und die damit verbundene, natürliche Konzentration zu erreichen.

Heute arbeiten wir mit zehn engagierten Traubenlieferanten, alle anderen Trauben kommen von unseren eigenen Parzellen. Insgesamt sind es gut vier Hektar Syrah, von denen aber nur 25 Prozent zu Cayas verarbeitet werden.“ Jean-René Germanier berichtet, dass eben nicht jede Lage die gewünschte Traubenqualität für Cayas liefern kann. „Cayas ist ein erfolgreicher Blend aus unterschiedlichen Parzellen, dessen präzise Zusammensetzung auf der langjährigen Erfahrung des Winzers beruht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Leben und die Anzahl der Jahrgänge nicht ausreicht, um alles verstehen und umsetzen zu können…“

Gilles Besser, Neffe von Jean-René berichtet schmunzelnd: „Vor 20 Jahren waren im Wallis eher Fendant und Dôle gefragt, damit verdienten die Winzer ihr Geld. Mit dem Versuch einer ernsthaften Rotweinproduktion wurden wir eher belächelt. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, es trotzdem zu tun.“ 

Die beiden engagierten Önologen haben zweifellos erkannt, dass sie für die Rebsorte Syrah im Wallis ein Potential an Böden und speziellem Mikroklima haben. Die natürliche Verbindung zur nördlichen Rhône bildet der Fluss, er entspringt dem Walliser Rhônegletscher und wird hier „Rotten“ genannt. Nach dem Verlassen der Alpen durchfließt die Rhône den Genfersee, Lyon, Valence und Avignon, um schließlich in Südfrankreich ins Mittelmeer zu münden. Mit gut 812 Kilometer Länge, ein Drittel in der Schweiz und gut zwei Drittel in Frankreich, ist die Rhône ein extrem wasserreicher Strom. Durch den steinigen Schiefer-Verwitterungsboden und das besondere Mikroklima entsteht hier ein großer Rhône-Syrah mit alpinem Pfiff. 

 

 

20 Jahrgänge Cayas

1994

„Das war das erste Erntejahr für Cayas und das Schlimmste meines Lebens“, berichtet Jean-René Germanier, der auf eine mittlerweile 40jährige Erfahrung zurückblicken kann. „Zusammenfassend gesagt war das Ergebnis eher experimentell und nicht wirklich vorzeigbar.“

1995

Nach dem Desaster des Vorjahres ein großes Jahr. Die Arbeit war einfach, alle Trauben wurden reif. Leider zeigt der Wein mit zunehmenden Sauerstoffeinfluss medizinische Noten, die möglicherweise vom Einfluss des Korkens herrühren.

Keine Bewertung

1996

Ausdrucksvoll im Duft, Blaubeeren, etwas Cassis und Johannisbeer-Konfitüre. Lebhafte Frische, die für balancierten Trinkfluss sorgt. Mittelkräftige Intensität. Moderater Nachhall mit trockenen Tanninen und spürbarem Alkoholgehalt.

89 (100)

1997

Duftet verführerisch nach Schokolade und Kaffee, brilliert mit hoher Reife. Die Tannine präsentieren sich etwas kräutrig und spröde, werden aber von saftigen Erdbeeraromen und angenehmer Fülle sanft umhüllt. Angenehm trinkreif, bedingtes Potential.

90 (100)

1998

Spätere Lese als in normalen Jahren, die Reife der Trauben war teilweise extrem unterschiedlich. Der Wein zeigt sich eher zurückhaltend im Duft, die Tanninstruktur ist etwas sperrig, der Alkohol spürbar, mit insgesamt moderater Struktur, angenehm zu trinken.

88 (100)

1999

Leicht bräunliche Färbung, duftet etwas wärmer und reifer als seine Vorgänger. Angenehme, süßliche Erdbeerfrucht, die sich allerdings mit lebhafter Frische und eleganter Anmutigkeit präsentiert. Nougat- und Schokoladearomen werden von reifen, feinkörnigen Tanninen begleitet und leiten einen nicht enden wollenden Nachhall ein. Sehr gut gereift und durchaus weiteres Potential.

94 (100)

2000

Feine ziselierte Säure, die dem Wein Lebhaftigkeit verleiht. Jedoch etwas zurückhaltend in der Intensität, nicht ganz in Balance, insgesamt fehlt eine Dimension im Wein. 

87 (100)

2001

Etwas zurückhaltend im Duft. Entfaltet eine angenehme, dunkelbeerige Aromatik am Gaumen, zeigt dann allerdings recht intensiv seinen Alkoholgehalt und im Nachhall eine bereits spürbare, recht hohe Reife.

86 (100)

2002

Ausdrucksvolle, intensive Fruchtaromen, dunkle Beeren, zarte Würzigkeit. Punktet mit lebhafter Frische und bestens eingebundener Säure. Reife, seidige Tannine, die den eleganten, komplexen Nachhall einläuten. Potential für weitere Jahre.

92+ (100)

2003

Laut Gilles Besses das erste Jahr, indem er am Münchner Oktoberfest teilnehmen konnte, weil die Lese in diesem extrem heissen Jahrgang bereits am 26.9. beendet war. Der Syrah duftet nach Kaffee und Kakao und zeigt bereits Reifenoten. Die Tannine wirken eine Spur adstringierend und zeigen sich typisch für 2003. Dennoch stimmt die Balance, das Mittelstück wird von einer lebhaften Säure eingeleitet, der jahrgangsbedingte hohe Alkoholgehalt wird erst im Nachhall spürbar. Potential.

89+ (100)

2004

Kein einfacher Jahrgang, laut Gilles Besses war es schwierig, das richtige Zuckerlevel in den Trauben zu bekommen. Der Wein präsentiert sich relativ trinkfertig, eher feinfruchtig, sanft und eine Spur zart mit mittlerer Intensität. Zurückhaltende Vielschichtigkeit, Alkohol eingebunden, Länge von Balance und angenehmer Trinkigkeit geprägt.
90 (100)

 

2005

Ein eher klassischer Jahrgang, der einen ausgewogenen Wein hervorgebracht hat, der sich klar und äusserst elegant präsentiert. Gilles Besses erklärt, dass sie heute den Wein in den Holzfässer einfach liegen lassen, während sie in den ersten Jahren bis zu dreimal abgestochen haben. Zurückhaltend im Duft, dunkle Beerenaromen, sanfte Würzigkeit, lebhafte, gut integrierte Säure, insgesamt ein eher zarter, schlanker Typ mit präziser Art, sanfter Vielschichtigkeit und mittellangem Nachhall. 

91 (100)

2006

Ein recht warmer Jahrgang, wärmer als 2007, der Wein besticht mit geradezu wollüstiger Schokoladigkeit, zarter Würze und charmanter Trinkfreude. Der Alkohol ist bestens integriert, die feinkörnigen Tannine präsentieren sich mit Vielschichtigkeit und geben dem Syrah die notwendige Struktur. Das Mittelstück ist von anmutiger Balance geprägt, während sich der Nachhall tiefgründig und lang anhaltend präsentiert. Potential für weitere Jahre.

94 (100)

2007

Der warme Jahrgang hat einen kraftvollen, fruchtbetonten Syrah hervorgebracht, der sich würzig und intensiv am Gaumen breit macht. Der mittelkräftige Nachhall wird von spürbarer Reife eingeleitet, was dem Wein eine angenehme Harmonie verleiht.

90 (100)

2008

In diesem, extrem kühlen Jahrgang hat man lange auf die notwendige Zuckereinlagerung in den Trauben warten müssen und entsprechend spät gelesen. Der Wein präsentiert sich dunkelfarbig, insgesamt eher zart, feinfruchtig und mit einem niedrigen Alkoholgehalt von gerademal 13 Volumenprozent. Mittlere Intensität, etwas spröde Tannine, dennoch Vielschichtigkeit und Komplexität. Der Nachhall zeigt sich elegant und feinfruchtig. 

92 (100)

2009

Der Unterschied zwischen 2008 und 2009 hätte kaum größer ausfallen können. Dieser Jahrgang war eher von Wärme geprägt, die Trauben sind sehr gut gereift, was zu einer früheren Lese führte. Reife, erdige Aromatik, die mehr Würzigkeit als fruchtige Aromen zeigt. Insgesamt eine Spur üppig, der Alkoholgehalt ist deutlich spürbar, wuchtig opulent. Spürbare, etwas harte Tannine und intensive Reife im Nachhall.

89/90 (100)

2010

Eher zurückhaltend im Duft, eine Spur verschlossen, sehr fest mit klarer, präziser Fruchtaromatik. Ein kraftvoller Syrah mit feiner, eher kühlerer Reife. Die Entwicklung der Trauben war gut, sie wurden am 20. Oktober gelesen. Mittlere Intensität, lebhafte Säure, gut eingebundener Alkohol und feinfruchtiger Nachhall.

91 (100)

2011

Ein wahrhaft großer Jahrgang im Wallis. Die Syrahtrauben wurde bis zum 25. Oktober gelesen. Der Wein besticht mit lebhafter Fruchtaromatik, zarter Würzigkeit, vielschichtiger Eleganz und enormer Konzentration. Ein komplexes Muskelpaket mit entsprechender Länge, welches noch einige Jahre benötigt, um seinen wahren Charakter präsentieren zu können. Potential.

93 (100)

2012

Ein regenreiches Jahr, die meisten Niederschläge fielen kurz vor der Lese. Gilles Besses berichtet, dass die Mannschaft in diesem Jahr sehr viel im Weinberg gearbeitet hat und auch während der Lese extrem selektionieren musste, es wurden lediglich 5.000 - 6.000 Flaschen erzeugt. Der Wein zeigt sich zurückhaltend im Duft mit heller Farbe und zarter Pfeffrigkeit. Die Holznoten sind eingebunden, er wurde 12 Monate in gebrauchten Holzfässern gelagert. In der Länge zeigen sich harmonisch reife, leicht marmeladige Noten.

87 (100) 

2013

In diesem Jahr musste man den Lesebeginn punktgenau Parzelle für Parzelle entscheiden. Es war eine sehr späte Lese, die Trauben konnten lange reifen und wurden nach der Lese kalt mazeriert. Zarte Würzigkeit, dunkle Beerenaromen, dicht und kraftvoll. Ein ungemein tiefgründiger Syrah, der mit Vielschichtigkeit und Komplexität besticht. Alkohol spürbar aber gut eingebunden, fester, prägnanter und geradezu steiniger Nachhall. Potential.

95 (100)

2014

Die Trauben wurden bis zum 6. November gelesen. Jetzt liegt der Wein im Tank und wird in diesen Tagen gefüllt, bis dahin hat er zwei Jahre jeweils zur Hälfte in neuen und gebrauchten Holzfässern verbracht. Er zeigt sich ausdrucksvoll, würzig, dunkelbeerig, extrem fruchtbetont mit zarten Heidelbeer- und Zwetschgennoten. Prägnante Säure, die den Syrah mit anregender Lebhaftigkeit und Frische erfüllt. Mittelkräftig, mit gut eingebundenem aber spürbarem Alkohol und fruchtbetontem, vielschichtigen Nachhall. Tiefgründigkeit und Potential.

92 (100)


Die Menschen hinter dem Wein

Weinmacher Monsieur Richard Riand zeichnet seit 2001 für die Rotweine des Weinguts verantwortlich, während sich seine Frau Delphine mit ihrer angenehm ansteckenden Art um die dynamische Entwicklung der Weißweine kümmert. Die beiden Fachleute haben sich im Betrieb kennen und lieben gelernt. Was dazu führt, dass ihre Gespräche oftmals noch beim abendlichen Licht ausmachen um ihre Gedanken kreisen aber im Endeffekt zu konsequenten und oftmals gemeinsam getroffenen Entscheidungen führen.  

Bezugsquelle in Deutschland

Jörg Linke ist von dem alpinen Syrah begeistert und vertreibt die aktuellen Jahrgänge an die Gastronomie.

Christina Fischer

Christina Fischer

Christina Fischer

Die Sommeliere und Buchautorin Christina Fischer lebt und arbeitet in Köln. Ihre vielseitigen Aktivitäten bündelt sie in ihrer Kölner GENUSS Werkstatt.

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