WEINPARCOURS Pfalz: Christina Fischer auf der ProWein 2016

Ein interaktiver Wein-Lehrpfad
Der WEINPARCOURS® Pfalz ist ein spannender Entdeckungsraum gleichsam für Weingenießer, Kenner und Profis. Er präsentiert die Grundlagen der Pfälzer Weine.

Saumagen, Ungeheuer, Kirchenstück, Herrenletten, Heiligenberg, Kalmit und Kastanienbusch stehen beispielhaft für das Herzstück des Pfälzer Weinbaus. Diese einzigartigen Weinbergslagen bieten mit ihrem individuellen Charakter das Potential für eine gemeinsame Klassifikation. Das Herkunfts-Bewusstsein, welches dem VDP-Prinzip der qualitativen Einteilung nach Grosser Lage, Erster Lage, Ortswein und Gutswein folgt, ist längst im Bewusstsein des Verbrauchers angekommen: je enger die Herkunft, desto hochwertiger der Wein. Der Lagenwein zeigt unverkennbar  sein „Terroir“, die flüssige Essenz eines kleinen, besonderen Stückchens Erde.

      

Der WEINPARCOURS® Pfalz bringt es auf den Punkt!
Was ist eigentlich ein Lagenwein? Und ist der Boden auf dem die Reben wachsen oder das sprichwörtliche Terroir überhaupt „schmeckbar“? Mit diesem außerordentlichen Projekt lieferte die Pfalzwein-Gebietswerbung auf der ProWein 2016 die richtigen „Antworten“. Neben den wichtigsten Gesteins- und Bodenstrukturen der Pfalz bringt der Weinparcours mit begleitenden Weinbeispielen kurzweilige Verständlichkeit in die fortwährende Diskussion. Wem das Thema „Terroir“ also immer noch suspekt vorkommt, kann im WEINPARCOURS® Pfalz beispielhaft die nachschmeckbaren Unterschiede zwischen den prägnantesten Bodenstrukturen feststellen. Für den Besucher werden theoretische Hintergründe anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Sie können in einer in direktem Zusammenhang stehenden spezifischen Verkostung komplex und nachhaltig vertieft werden.

Zum ersten Mal konnte die Bodenvielfalt der Pfälzer Weinbergslagen derart genau studiert werden. Neben der Klassifikation und dem Reifepotential von Lagenrieslingen werden im WEINPARCOURS® Pfalz die neun wichtigsten Pfälzer Gesteinsformationen vorgestellt. Die Besucher informieren sich anhand von detaillierten Karten (Quelle: Dr. Erst Spies und Dr. Peter Böhm, Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz | www.lgb-rlp.de) über die Vorkommen, prozentualen Anteile, Erdzeitalter und jeweiligen Bodeneigenschaften. Großartige Idee: Jedem Boden ist ein generischer „Geschmacks-Korridor“ zugeordnet, interessierte Probanden können sich so anhand des flüssigen Riesling-Beispiels nachvollziehbar von dem „schmeckbaren“ Charakter des jeweiligen Gesteins überzeugen.

     

Die Gradwanderung zwischen Bodenprägung und Handschrift des Winzers

Bestens informiert wagen sich die Besucher dann an die nächste Station. Mit der Überschrift „Handschrift des Winzers“ wird dem interessierten Verkoster klar, dass es mit dem Untergrund alleine nicht getan ist. Schließlich entscheidet der Winzer am Ende, welche Reben er auf seine Böden pflanzt, welche Arbeiten er im Wingert verrichtet, wann er die Trauben erntet und was er letztendlich im Keller zu- oder unterlässt.

1 Lage - 3 Winzer
Im WEINPARCOURS® Pfalz dienen zwei prägnante Weinbergslagen als Beispiel für die individuelle „Handschrift“ der Winzer: Vorgestellt werden jeweils drei Weine der Südpfälzer Muschelkalk-Lage KALMIT und der Mittelhaardter Lösslehm-Basalt-Lage UNGEHEUER. Die Degustation zeigt deutlich, dass sich Faktoren wie Botrytis, Lesezeitpunkt, Maischestandzeit, Spontangärung, biologischer Säureabbau, Ausbau im Edelstahltank oder im Holzfass durchaus „maskierend“ über den eigentlichen, ursprünglichen „Bodencharakter“ legen können. Um eine generelle Vergleichbarkeit zu schaffen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass es sich bei allen Weinbeispielen um Lagenrieslinge des Jahrgangs 2014 handelte.


1 Winzer - 3 Lagen

Klaus Meyer aus Roth zeigt Weine von drei unterschiedlichen Böden: sein heimisches Terroir hat er in den jeweiligen Weinen konsequent und nachvollziehbar umgesetzt. Um die Südpfälzer Ortschaft Roth herum finden sich auf engstem Raum sehr unterschiedliche Gesteinsformationen: Der Rote Sandstein (Buntsandstein) sorgt für ausdrucksvolle Rieslinge mit Zitrusaromen, köstlicher Pfirsichfrucht und unkomplizierter Lebhaftigkeit. Granit (Devon) gibt dem Wein eine eher vollmundige Prägung mit angenehmer Dichte und Struktur, während sich der Riesling vom Roten Tonstein (Rotliegend) zunächst kräutrig, verschlossen, jedoch vielschichtig und mit prägnantem Potential präsentiert.

Fazit: Der Boden beeinflusst den Wein. Aber maßgebend ist die Arbeit des Winzers. Zweifellos nimmt der Mensch entscheidenden Einfluss auf den Wein. Hier werden feinste Stellschrauben gedreht, die den Ausdruck des Weines in jedwede Richtung verändern können. So ist und bleibt die Diskussion spannend und wird auch in den nächsten Jahren – wie bereits in der Vergangenheit – durch Stile, Strömungen, Tendenzen und nicht zuletzt durch die jeweilige Kultur und den MENSCHEN geprägt werden.



Der WEINPARCOURS® Pfalz zeigt, wo‘s lang geht.
Der interaktive Wein-Entdeckungsraum ist in einzelne Stationen mit verschiedenen Inhalten aufgegliedert. In den unterschiedlichen, aufeinander aufbauenden Themenbereichen werden Eigenschaften und Besonderheiten ausgesuchter Weine systematisch veranschaulicht und nachhaltig vermittelt. Anhand von graphisch gestalteten Tafeln wird der Besucher kurzweilig und systematisch geführt, bewegt sich jedoch frei und selbstständig. Die Logik: Zu jedem Thema sind exemplarisch spezifische Weine ausgesucht und können individuell verkostet werden. Diese „Fingerprints“ berichten schmeckbar über ihre Herkunft und die Stilistik, der sie zugeordnet sind.

Mit gut 24.000 Hektar ist die Pfalz das zweitgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands. Ein Grund mehr, eine einzigartige Profilierung im Sinne von Qualität und Herkunft zu schaffen. Die Winzer haben diese zukunftsweisende Möglichkeit erkannt. Sie befreien sich von dem Bezeichnungsballast und
entwickeln kompromisslos das Prinzip einer qualitativen Einteilung nach Herkunft. So haben sich die meisten Betriebe für ein dreistufiges Klassifikationsmodell (Gutswein-Ortswein- Lagenwein) entschieden, welches auf dem Gutswein basiert und den Ortswein darüber stellt – sozusagen als Nachfolger der trockenen Spätlese. Die Spitze der Hierarchie stellen die charaktervollen Terroirweine aus den Pfälzer Spitzenlagen.


Christina Fischer

Christina Fischer

Christina Fischer

Die Sommeliere und Buchautorin Christina Fischer lebt und arbeitet in Köln. Ihre vielseitigen Aktivitäten bündelt sie in ihrer Kölner GENUSS Werkstatt.

Zum Expertenportrait