Interview mit ...

Dr. Carl von Schubert

Weingut Maximin Grünhaus

 

Mit welchem Promi, Politiker, Experte oder einfach „Mensch“ würden Sie gerne mal eine Flasche Wein trinken?

Mir schwebt Queen Elisabeth II. vor. Ich weiß, dass in ihrem Keller eine ganze Menge von Maximin Grünhäuser Riesling-Weinen lagern. Sie hat in ihrem Leben schon häufig diesen Wein bei Staatsbanketten oder familiären Zusammenkünften getrunken und genossen. Ich würde sie gerne einladen und ihr den Menschen hinter dem Wein zeigen. Mein Vater hatte bei verschiedenen Veranstaltungen in England Kontakt zu Queen Mum und Prinz Charles. Ein Londoner Weinhändler liefert die Weine regelmäßig an den Buckingham Palace. Ich würde gerne ein interessiertes Gespräch mit einer guten jahrzehntelangen Kundin führen, die ich noch nicht persönlich kenne.

Wer oder was hat Sie in Ihrem Leben bisher am meisten inspiriert? 

Ich denke, Inspiration findet man am meisten durch Menschen. Menschen, die Eindruck machen, Menschen, die einen ernst nehmen, Menschen, die einem viel zu sagen haben. Ich glaube, wer mich in meiner Entwicklung als Winzer am meisten beeinflusst hat, war mein Doktorvater. Der hat bei der ersten Weinbauvorlesung nach einer kurzen Zwischenfrage schon gemerkt, dass ich vom Fach bin, und mich nach der Vorlesung gleich zu sich gebeten. Er habe zwei Töchter, aber keinen Sohn, und ich solle sein spiritueller Sohn werden. Das habe ich angenommen und meine Doktorarbeit über die Steillagenweinbauregionen Europas bei ihm geschrieben. Drei Jahre bin ich durch die Regionen gefahren, habe unzählige Praktika gemacht, tolle Winzer und Kellermeister kennengelernt, ein unglaubliches Erfahrungswissen zusammengetragen und ein Netzwerk geschaffen. Das sind Dinge, die liegen schon fast 40 Jahre zurück, aber sie sind heute noch für mich wichtig und wertvoll.

Ich denke, im Leben ist es wichtig, dass man auf Weichen, Weggabelungen, die sich auftun, sensibel reagiert. Es ist oft gar nicht zufällig, sondern einiges an Vorsehung dabei.

Welchen Traumjob, außer dem des Winzers, können Sie sich vorstellen?

Im Alter von 14 Jahren, als mir immer klarer wurde, dass ich als einziger Sohn unter drei Geschwistern in der traditionellen Auffassung Winzer werden sollte, habe ich sehr mit diesem Schicksal gehadert. Mein großer Traum war es, Fotograf zu werden. Mit viel Zeit durch Landschaften zu fahren, um Menschen oder Tiere zu fotografieren – das war eigentlich meine große Leidenschaft.

Ich habe ein paar Jahre überlegt, warum musst du Winzer werden – warum nicht Fotograf? Ich habe es dann akzeptiert und bereue es keine Sekunde. Denn ich kann beides miteinander verbinden und in zehn Jahren meine Fotoleidenschaft sogar wieder ausweiten. 

Gibt es irgendetwas, was Sie nicht können?

Wein und Essen gehören zusammen und das kombiniere ich mit großer Freude. Das ist eine der schönsten Sachen: ein perfekt komponiertes Mahl mit perfekt dazu passenden Weinen. Die Weine aussuchen kann ich sehr gut, aber die tolle Küche selbst bereiten, das kann ich noch nicht. Da bin ich leider noch nicht so weit. Ich habe eine wunderbare Frau, die unendlich viel mehr kann als ich. Sie ist mir in der Zubereitung von tollen Speisen weit überlegen, und ich profitiere von ihrem Können. Und manchmal sagt sie etwas ironisch: Ich habe das Essen gekocht und du hast genauso lange gebraucht, bis du dafür die Weine ausgesucht hast …