Interview mit ...

Felix Prinz zu Salm-Salm

Weingut Salm

 

Wann hat es Klick gemacht zwischen Ihnen und dem Wein?

Das kann ich ganz genau beantworten: Das war am 31. August 2001, dem letzten Tag meiner Bundeswehrkarriere. Ich bin von Pfullendorf am Bodensee, wo ich stationiert war, nach Hause gefahren. Auf der Höhe von Bingen fing es sehr heftig an zu regnen. „Lieber Gott, lass es trocken sein“, habe ich gebetet. Denn das war wichtig für die bevorstehende Weinlese. Und in der nächsten Sekunde dachte ich mir: „Felix, warum machst du eigentlich nicht Wein?“ Ich war angemeldet für ein BWL-Studium und hätte vier Wochen später mein Studium antreten sollen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich kategorisch ausgeschlossen, Weinbau zu studieren oder etwas mit Wein zu machen. Als ich an diesem Tag zuhause ankam, war in meinem Postfach eine Absage von irgendeiner FH für BWL. Da dachte ich mir: „Lieber Gott, wenn du es so ernst meinst mit mir und dem Weinbau, dann mache ich das.“ Ein paar Wochen später hat mein erstes Praktikum begonnen und ein Jahr später das Weinbau-Studium in Geisenheim.

Ihr Vater war bestimmt froh über den Sinneswandel? 

Mein Vater war begeistert und die Entscheidung  ist in der ganzen Familie sehr gut aufgenommen worden, weil es bei uns eigentlich nicht üblich war, dass einer Vollzeit-Winzer wird. Es gab immer einen Verwalter, einen Kellermeister. Deswegen war das für unsere Familie schon etwas Neues.

Der Vorzug von Weinbau gegenüber BWL liegt wahrscheinlich auf der Hand?

Hätte ich mich für BWL entschieden, würde ich wahrscheinlich noch heute studieren, weil es letztlich nicht hundert Prozent meins gewesen wäre. Hauptvorzug ist, dass Weinbau ganz eindeutig das ist, was ich machen will, dem meine Leidenschaft gehört. Als Winzer hast du eigentlich zehn Jobs. Das ist einer von den ganz wenigen, wenn nicht der einzige Beruf, in dem man ein Produkt von Anfang bis Ende mitbegleiten kann. Und diese Abwechslung ist einfach super.

Sie bewegen sich in einer langen Reihe von Generationen, die sich mit Weinbau befasst haben. Wie geht man damit um?

Man organisiert viele Jubiläen! Am 1. Mai 2019 feiern wir 800 Jahre Erwähnung der Weinbergslagen Felseneck. Die lange Tradition bringt also viele angenehme Seiten mit sich. Aber klar, man möchte nicht, dass irgendwo steht, nach 800 Jahren war es der Felix, der das Unternehmen in den Sand setzte. Man macht sich zwangsläufig Gedanken darüber, wie die das früher gemacht haben. Wie kann es sein, dass so ein Betrieb über viele hundert Jahre an einem Ort ist, ohne verkauft zu werden oder pleite zu gehen. Noch dazu, weil Rheinland-Pfalz auch immer wieder besetzt war. Die Aufgabe ist also vor allem schön und spannend, auch Respekt einflößend. Aber da darf man sich nicht zu viele Gedanken machen.

Welche Leidenschaften haben Sie, neben dem Wein?

Wir versuchen, uns in dem, was wir tun, am christlichen Glauben auszurichten, das aber auch mit Leben zu füllen. Daneben spielt das Essen und Trinken für uns eine wichtige Rolle. Mit meiner Frau abends zusammen zu kochen, ist was Herrliches. 

Haben Sie zuhause einen Lieblingsplatz?

Am Kirchberg gibt es einen Platz, an dem man fast einen 360-Grad-Blick hat. Da wir dort Weinberge besitzen, bin ich oft dort. Man schaut in den Rheingau, den Rhein entlang bis Wiesbaden-Mainz, daneben die Rheinhessen-Ebene, man schaut runter, bis in die Pfalz, bis hin zur Nahe nach Bad Kreuznach. Für mich einer der schönsten Orte, die ich kenne. Wir veranstalten dort draußen auch Weinproben und Feiern mit der Familie. 

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Sehr viel. Ich kann z.B. nicht Kieselgur-Filtrieren, kann also bestimmte Filter nicht bedienen, weil ich das nicht richtig gelernt habe. Höhen sind nicht meine Stärke. Dachdecker werde ich in meinem Leben wohl nicht mehr. Ich kann tausende Sachen nicht.