Interview mit ...

Konrad Schlör

Weingut Schlör

 

Welcher Weintrend kommt?

Weintrends gibt es momentan einige, zum Beispiel die Orange Weine. Nach meiner persönlichen Meinung ist das ein Produkt, mit dem man einen gewissen Aha-Effekt auslösen kann, für das man aber keinen großen Markt erwarten darf. Auch vegane Weine werden, denke ich, eine kleine Nische bleiben, so ähnlich wie vegane Lebensmittel. Trockenen Weinen gehört weiter die Zukunft. Wir haben vor circa zwanzig Jahren versucht, mehr Süßweine zu produzieren. Das ging eine Zeit lang recht gut, ist im Laufe der letzten zehn Jahre aber immer weniger geworden. Wir produzieren halbe-halbe Rotwein und Weißwein, fast ausschließlich trockene Weine. Der Süßwein kommt weniger zum Tragen. Seit einigen Jahren produzieren wir Portwein, das kommt gut an, wird aber nie die große Masse ansprechen.

Wann hat es Klick gemacht zwischen Ihnen und dem Wein?

Meine Eltern waren Genossenschaftswinzer. Ich habe schon während der Lehre in Südbaden mit 17 Jahren gewusst, dass ich mein eigenes Weingut haben möchte. Nicht, wie ich das von meinen Eltern kannte, die Trauben abliefern und tschüss, das war nicht mein Ding. In Weinsberg an der Weinbauschule habe ich dann richtig meine Liebe zum Wein entdeckt. 

Sie konnten mit Ihrem Weingut auf den Weinbergen der Eltern aufsetzen?

Einschneidend war das Jahr 1985. Wir hatten gerade mit dem Weingut begonnen, als es einen extremen Winterfrost gab mit Minus-Temperaturen von 23 Grad. Alle Reben im Taubertal sind kaputtgegangen. Wir waren gezwungen, fast alles zu roden. Damals war das wirklich eine Katastrophe. Doch rückblickend betrachtet ist daraus für uns etwas Gutes entstanden, denn nach der Rodung konnten wir neue Sorten anpflanzen: Riesling, Spätburgunder, Schwarzriesling und Weißburgunder, die Sorten, die wir heute noch im Portfolio haben. Das wurde zur Basis für den erfolgreichen Aufbau des Weingutes.

Welche Leidenschaften haben Sie – neben dem Wein?

Ich gehe körperlich gerne ins Extreme. Als leidenschaftlicher Motorradfahrer hatte ich den Montblanc über mehrere Jahre hinweg aus allen Himmelsrichtungen vom Motorrad aus von weitem aus gesehen. Für mich war klar: Mit 50 möchte ich einmal auf dem Montblanc stehen. Dann habe ich einen Bergführer beauftragt, mich zu begleiten, denn da geht man über 1.000 Höhenmeter über extreme Gletscher, und ich bin kein professioneller Bergsteiger. Ich wurde gefragt, wie ich denn dafür trainiert habe. Da habe ich geantwortet: „mental“. Als Winzer ist man immer irgendwo am Berg unterwegs. Ich fahre zudem viel Rad und musste mich daher nicht wochenlang vorbereiten, sondern war relativ fit.

Gibt es etwas, was Sie nicht können?

Ich kann Weine nicht so mitreißend beschreiben wie andere Kollegen. Wenn ich Betriebsführungen mache, vermag ich über die Traubenproduktion so sprechen, dass ich die Leute dabei auch  emotional mitnehme, aber Weine ins Detail hinein zu charakterisieren, das liegt mir nicht so.