Internationales Riesling Symposium

Internationales Riesling Symposium, Kloster Eberbach, 29.–30. Mai 2017

Es ist der 29. Mai 2017, montags um 9 Uhr im ehemaligen Dormitorium des Klosters Eberbach. Der Saal, lichtdurchflutet und hell, füllt sich zunehmend mit rund 250 Besuchern aus aller Welt. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter, Regionalverband Rheingau riefen zu einer Neuauflage des Internationalen Riesling Symposiums. Ein großer Teil der Besucher hatte schon am Vortag die Gelegenheit genutzt, das Weingut des Rheingauer Prädikatsweingüter-Vorsitzenden Wilhelm Weil zu besuchen, aktuelle und gereifte Weine zu probieren, sich den Keller zeigen zu lassen und dann weiter Richtung Schloss Johannisberg und Schloss Vollrads zu fahren, um immer weiter in die mondänste aller deutscher Weinregionen einzutauchen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wo das Herz des deutschen Rieslings schlägt.

Angelangt im Kloster Eberbach, vielleicht von der Dömane Steinberg kommend, wird das Faszinierende des Rheingaus noch einmal deutlicher. Man hatte am Tag zuvor die Legende des Spätlesereiters vom Schloss Johannisberg gehört und hat noch die mittelalterlichen Weinrechnungen aus dem ehemaligen Wohnturm des Schlosses Vollrads vor Augen, bevor man dann, vorbei am ältesten Qualitätsweinberg Deutschlands, zum Kloster Eberbach fährt. Parallel zum Bau des Klosters brachten die Mönche aus Clairvaux, die in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts in den Rheingau gekommen waren, auch ihre Weinkompentenz mit. Sie erkoren eine geeignet erscheinende Lage von 34 Hektar unweit des Klosters zu ihrem Hausweinberg und umrahmten ihn, wie es damals üblich war, mit einer Mauer. Seit dieser Zeit steht der Weinberg unter Reben und hat seine Klasse über die Jahrhunderte gezeigt. Wie angesehen der Steinberg war und noch ist, und welche Weine aus ihm entstehen, sollten die Gäste des Symposiums im Laufe der beiden Tage erfahren. 

 

Neue Perspektiven auf Themen rund um den Riesling

Vier Vorträge waren am Montag Teil des dichten Programms. Prof. Dr. Andreas Kurth, an der Universität Geisenheim verantwortlich für Business Operations, eröffnete das Programm mit blanken Zahlen, die allerdings Anlass boten, die Zuhörenden für alles Weitere zu erden und auch das anzusprechen, was es an Problemen mit dem Riesling gibt; denn, wenn auch Riesling für Deutschland die mit Abstand wichtigste Sorte ist und eine große Reputation besitzt, so spielt er im weltweiten Vergleich heute nur eine geringe Rolle. 1,1 % der Weltrebfläche ist mit Riesling bestockt, knapp 50 % der 52.673 Hektar davon befinden sich in Deutschland, und der größte Teil der Produktion wird auch in Deutschland konsumiert. Dabei geht es der Spitze der Weingüter, die überwiegend im VDP vertreten sind, weitestgehend gut; denn die Preise sind stabil und auf gutem Niveau. Anders sieht es bei kleinen Familienbetrieben aus, die Fassweine und kaum renommierte Weine produzieren. Hier konnte Kurth veranschaulichen, dass solche Betriebe nur mit viel familiärer, also unentgeltlicher Arbeitsleistung überleben können. 

Ein weiteres Problem sprach Dr. Hermann Pilz, Chefredakteur der Weinwirtschaft, an. Er stellte die These auf, dass zu viel Önologie einen größeren Erfolg des Rieslings verhindere. Er machte dies vor allem an der Problematik der Süße der Weine fest. Die habe sich seit der Möglichkeit, Weine zu filtern und mit Kälte zu stabilisieren, auch bei trockenen Weinen deutlich erhöht. Während die Franzosen den Riesling im 19. Jahrhundert noch als deutlich trockener als die eigenen Weine lobten, sei es heute genau umgekehrt. Das Wesen des Rieslings sei zunehmend verfälscht worden – eine These, die natürlich für Diskussionen sorgte, die nur durch ein terminiertes Tasting beendet werden konnten. 

 

Internationales Riesling Symposium - das Tasting war das Highlight

Die Tastings waren die unbestrittenen Highlights des Symposiums. 25.000 Gläser hatte Schott-Zwiesel zur Verfügung gestellt, 1.500 Flaschen Wein sind im Laufe der Veranstaltung geöffnet worden. Den Auftakt der Tastings machte Stuart Pigott, der das Fachpublikum gewohnt launisch auf eine Rundreise über seinen Planet Riesling mitnahm. Pigott startete an der Nahe im Gut Hermannsberg und im Schlossgut Diel, streifte Franken und den Rheingau und machte sich dann ins Ausland auf. Ein exzellenter 2015er Steiner Hund vom Lesehof Stagård aus dem Kremstal und ein elsässischer Riesling aus Andlau wurden ebenso verkostet wie eine Reihe von Rieslingen aus dem Clare Valley und dem Frankland aus Australien. Neben Rieslingen aus Oregon und Washington State sowie den Finger Lakes im Staat New York überraschten Weine aus Pennsylvania, Michigan und Ontario, um schließlich die Reise mit einer Applaus erntenden 2016er Auslese von Framingham aus Neuseeland zu beenden. Dabei räumte Pigott mit der Mär auf, dass Riesling eine typische Cool-Climate-Sorte sei. Einige der überzeugenden AUS- und US-Weine stammten aus relativen warmen Zonen.

Während Dirk Würtz kurzweilig und spontan die Probe zum Thema »Großer Riesling und sein Terroir – über die Einflüsse von Ort und Handschrift des Winzers« leitete und zusammen mit vielen anwesenden Winzern durch eine Reihe von 31 hervorragenden Großen Gewächsen führte, waren es doch im Wesentlichen zwei Proben, die nachhaltig Eindruck hinterließen. Joel B. Payne war dafür prädestiniert, eine Reise durch die ganze Bandbreite gereifter Rieslinge zu unternehmen. Beginnend mit dem 2011er Hassel Riesling Brut von Mark Barth bis zur feinsten 1967er Auslese des Weinguts Fritz Allendorf aus dem Winkeler Oberberg, fanden sich auch hier 31 hervorragende Rieslinge, von denen zwei Weine besonderen Applaus ernteten. Beim 1997er Georg Breuer Nonnenberg aus der 6-Liter-Flasche mag das nicht wirklich überraschen. Der 2011er Riesling Ried Edelschuh vom anwesenden Gerhard Wohlmuth aus der Steiermark dagegen stach stilistisch so stark heraus, war so balanciert und harmonisch in seiner leisen Art, dass so manchem ein Schauer über den Rücken lief.

All das aber wurde von einer Probe in den Schatten gestellt, die man so kaum noch einmal erleben wird. Dieter Greiner, Gutsleiter des Weinguts Kloster Eberbach, hatte es sich als Gastgeber nicht nehmen lassen, aus den Tiefen des einzigartig bestückten Schatzkellers dieses Weinguts ein paar besondere Flaschen hervorzuholen. So probierte die des Rieslings überaus kundige Runde aus Weinhändlern und Journalisten, Sommeliers und Weinmachern zwölf verschiedene Weine aus dem Steinberg. Die Probe begann mit sechs trockenen Rieslingen der Jahre 1943, 1953, 1964 sowie 2007, 2009 und 2015. Der Historiker Dr. Daniel Deckers wies während der Probe in seinem Vortrag auf die Bedeutung deutscher Weine in der Historie der letzten zweihundert Jahre hin und verwies natürlich noch einmal besonders auf den Steinberg. Dieser Weingarten hatte im Laufe der Geschichte ein ebenso großes Renommee wie burgundische Grand-Cru-Lagen im Range von Le Montrachet oder Corton-Charlemagne. Auch wenn dieser Sonderstatus in den letzten Jahrzehnten nicht mehr kontinuierlich so sichtbar und vor allem schmeckbar war, wurde er doch in Gestalt des 1953er Steinberg Rieslings deutlich: ein absolut faszinierendes Beispiel für großen gereiften Riesling, der sich in einzigartiger Weise zwischen Leichtigkeit und Frische sowie großer Tiefe und Komplexität bewegt. Neben diesem geradezu perfekten Wein hatte es selbst die Horizontale aus sechs frucht- und edelsüßen Weinen des Jahres 1959 schwer. Von Kabinett, Spätlese und Auslese aus dem Steinberg ging es zur Beerenauslese, der seltenen Edelbeerenauslese bis zur Trockenbeerenauslese. Ein Tasting großer Weine, für das allein es sich schon gelohnt hätte, in den Rheingau zu reisen. 

 

Das gesamte Programm der Vorträge, Mitschnitte, die Probereihenfolge und vieles mehr sind abrufbar unter: international-riesling-symposium.com

Meine persönlichen Highlights:

2015er Steiner Hund Riesling, Lesehof Stagård, Krems, Österreich

2016er Watervale Riesling, Mitchell Wines, Clare Valley, Australien

2016er F-Series Auslese, Framingham Wines, Marlborough, Neuseeland

1953er Steinberg Riesling, Kloster Eberbach, Rheingau

2009er Steinberg Riesling »aus dem Cabinettkeller«, Kloster Eberbach, Rheingau

2015er Altenberg Riesling Großes Gewächs, von Othegraven, Saar

2015er Langenberg Riesling Großes Gewächs, Diefenhardt, Rheingau

2014er Mauerberg Riesling, Schloss Neuweier, Baden

2011er Ried Edelschuh Riesling, Wohlmuth, Steiermark, Österreich

2011er Kalkofen Grand Cru, Dr. Bürklin-Wolf, Pfalz

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Christoph Raffelt ist ein ausgesprochen fleißiger Blogger, Kritiker, Podcaster, Prediger und Dozent in Sachen Wein. Da er auch gerne Gast ist haben wir ihn einfach eingeladen auch für uns zu schreiben.

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