Weinland Deutschland profitiert vom Klimawandel

Die Vorhersagen sind eindeutig! In den 27 besten Weinanbaugebieten der Welt wird sich die Temperatur erheblich erhöhen und eine fatale Klimaänderung mit sich bringen. Für Europa und den Mittelmeerraum ist in den nächsten 90 Jahren eine Erwärmung von 1,5 °C vorhergesagt und in Nordeuropa wird sich die Temperatur um 2-4 °C erhöhen. Der Weinfreund weiß, die Qualität eines Weines hängt von der Lage, der Region und eben auch vom Klima ab. Als Konsequenz aus dem Temperaturanstieg ergibt sich, dass Rebsorten aus den mediterranen Weinbauländern auch in Deutschland angepflanzt werden können. Schon heute werden die weißen Rebsorten Chardonnay und Sauvignon Blanc sowie der rote Merlot oder Cabernet Sauvignon in vielen deutschen Anbaugebieten kultiviert. Es wird nicht mehr lange dauern und wir können Rotweine produzieren, die von höchster Qualität sind und mit den besten französischen Spitzengewächsen konkurrieren werden.

Klimawandel

Das Rheintal gehört ohne Zweifel zu den Gewinnern der Erderwärmung. Besonders spät reifende Sorten wie Riesling und Spätburgunder werden profitieren. So werden das Nahetal, die Mosel und das Ahrtal auf das badische Klima rund um Freiburg treffen. Rheinhessen und der Rheingau werden in Zukunft die besten Lagen des Kaiserstuhls vertreten. Es werden neue Spitzenlagen auf der Weltkarte des Weines entstehen. In den nördlichen Regionen Europas, beispielsweise in Dänemark, Schweden oder England, entwickelt sich schon heute ein ernstzunehmender Weinbau. Wer hätte gedacht, dass im Jahre 2012 mehr als drei Millionen Flaschen britischer Wein erzeugt worden sind.

Sicher ist, dass eine Erwärmung nicht nur Qualitätssprünge mit sich bringt. Deutschlandweit – besonders im Süden –besteht die Gefahr, dass von negativen Effekten auf die Weinqualität ausgegangen werden kann. Eine zunehmende Trockenheit und höhere Temperaturen während der Reifephase haben direkten Einfluss auf die Inhaltsstoffe der Rebsorten. Aufgrund des schnelleren Wachstums, der wärmeren Nächte und der höheren Co2 Konzentration verlieren die Trauben ihren ursprünglichen Charakter. Weinsäure schwindet, die Farbe wird intensiver und die Zuckerbildung in der Traube nimmt erheblich zu. Die Konsequenz sind alkoholreiche und farbintensive Weiß- bzw. Rotweine. Für den Winzer heißt das auch, dass neue Krankheiten, vermehrter Fäulnisbefall und das neue noch Schädlinge wie die Kirschessigfliege auftreten werden. Eine Bewässerung der Rebanlagen wird zur Pflicht.

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen war 2013 laut Charles Sturt Universität in Canberra der Best International Wine-Educator of the Year. Hier möchte er alles, was er weiß und kann mit Ihnen teilen.

Zum Portrait