Burgund – es geht auch gut und bezahlbar

Wohl kaum ein anderes Weinbaugebiet scheidet so sehr die Geister wie das Burgund. In diesem Landstrich zwischen Dijon und Lyon entstehen seit Jahrhunderten einige der fraglos größten Weine der Welt. Doch gleichzeitig gilt das Gebiet als so hochpreisig und unüberschaubar, dass viele Weinliebhaber und auch Gastronomen sich auf Grund schlechter Erfahrungen oder eines begrenzten Budgets schnell abwenden. Doch man sollte nicht zu schnell aufgeben; denn wenn man das Burgund einfach so links liegen lässt, vergibt man sich zu viel an Genuss – und den gibt es im Burgund auch schon im mittleren Preisbereich.

Starten wir also eine Trüffelsuche durch die bekannten, vor allem aber durch die weniger bekannten Einzellagen, Klimate und Regionen, wo man auch heute noch so manche Entdeckung machen kann. Wir ignorieren ausnahmsweise all jene Leuchtturm-Weingüter, die einst den Nimbus des Gebietes begründet haben und die Reputation bis heute hochhalten. Weine von Domainen wie Leroy, Coche-Dury oder gar Romanée-Conti sind so rar und so teuer geworden, dass sie für den durchschnittlichen Burgunder-Liebhaber unerreichbar sind. Das Gleiche gilt für die ebenso klangvollen Grand Cru-Climats wie beispielsweise Chambertin, La Tâche, Corton oder Montrachet. Neben diesen Kerngebieten rund um Beaune und Nuits-Saint-Georges gibt es jedoch weitere große Bereiche, die ihre Reputation immer weiter ausbauen. In all diesen Bereichen vom Chablis über das Auxerrois und Vézely im Norden bis hin zum Mâconnais, der Côte Chalonnaise, Santenay oder Maranges im Süden findet man mit etwas Glück und Gespür Weine, die die wundervolle Aromatik burgundischer Weiß- und Rotweine bieten und doch bezahlbar bleiben. 

Im Norden – vom Chablis über das Grand Auxerrois Richtung Dijon

Chablis und seine Nachbargemeinden liegen auf halben Weg von der Côte de Nuits Richtung Champagne. Der Boden unterscheidet sich deutlich vom Herzstück des Burgund. Hier im Norden dominieren der Kimmeridge- und der Portland-Kalk, die dem Chardonnay seinen unverwechselbar rassigen, mineralisch wirkenden Charakter geben. Das Gebiet, in dem ausschließlich Chardonnay angebaut wird, könnte eine großartige Reputation haben, wenn es nicht zwei ernsthafte Probleme gäbe. Zum einen spielt das Wetter den Winzern in dieser nördlich kühlen Region immer wieder übel mit. Allein in den letzten drei Jahren haben viele Winzer mehrfach große Teile ihrer Ernte verloren – teils durch massiven Hageleinschlag, teils durch Spätfröste oder durch beides. Als Winzer mit kleiner Fläche hat man es in der Region nicht leicht. Und so haben schon einmal, nämlich in den 1920er und 1930er Jahren, viele der damaligen Winzer nach wiederholten Ernteausfällen einfach aufgegeben. Während 1874 noch knapp über 43.000 Hektar unter Reben standen, waren es 1945 gerade noch 500 Hektar. Als Chablis ab den 1980ern zunächst in Japan wieder sehr populär wurde, stiegen die Ertragsfläche und der Ertrag schnell an, aber die Qualität verwässerte, weshalb der Ruf der gesamten Region nachhaltig gelitten hat. Bis heute gibt es viele große Betriebe mit schlechten Qualitäten. Eines der größten Weingüter der Region aber besticht mit beständig hervorragendem und bezahlbarem Chablis, der absolut herkunftstypisch sind. Die Rede ist vom 78-Hektar-Weingut Domaine William Fèvre, dessen Chablis AOC man in Frankreich in jedem gut bestückten Supermarkt findet, hierzulande jedoch viel zu selten selbst auf besseren Weinkarten. Dabei geht es kaum typischer: grüngelb in der Farbe, nach Zitronen, Grapefruit, Minze und nassem Kalk duftend und im Geschmack druckvoll, knackig, kühl mit zitrischen Aromen, straffer Säure, Saft und Struktur. Wer einen Bilderbuch-Chablis zu einem sehr guten Preis sucht, findet ihn hier.


Empfehlung Chablis: Domaine William Fèvre, Chablis AOC, € 14,50 bei Hermann Kratz, Le Pinot Noir 

Die nächste größere Gemeinde auf dem Weg nach Dijon und den Côtes de Nuits ist Auxerre mit der Appellation Auxerrois. Dieses Gebiet heißt wie die gleichnamige Rebsorte, doch Auxerrois findet man im Auxerrois heute nicht mehr, dafür aber Chardonnay, Aligoté, Sacy, Sauvignon blanc und Sauvignon (Fié) gris. Was Auxerrois, Sacy und Aligoté allerdings gemeinsam haben, ist ihre Abstammung; denn alle drei sind durch Zufallskreuzungen von Pinot und Weißem Heunisch (Gouais blanc) entstanden. 

Wer im Auxerrois lebt und Wein macht, versucht im Allgemeinen, Lagen in den Chablis-Bereichen zu ergattern. Das Chablis, nur wenige Kilometer entfernt, ist viel bekannter und die Weine lassen sich besser vermarkten. Es gibt jedoch Winzer, die einen anderen Weg gehen, solche wie die der Domaine Ghislaine et Jean-Hugues Goisot beispielsweise. Die beiden Winzer leben in Saint-Bris-le-Vineux und arbeiten dort mit Hilfe des biodynamischen Weinbaus das spezifische Terroir des Ortes heraus. Der Boden unterscheidet sich markant von dem des Chablis; denn der Kalkstein ist ein anderer (jurassisch statt Kimmeridge und Portland) und er wird durchsetzt mit Kreide. Daher findet man rund um diesen Ort nicht nur Pinot und Chardonnay, sondern vor allem auch Sauvignon, und zwar sowohl in der üblichen weißen Variante als auch in der seltenen grauroten. Die Weine der Goisots gehören zu den besten der Gegend. Sie sind dicht, frisch und mineralisch in der Jugend und voll von eigenem Charakter, der erst im Alter so richtig zum Tragen kommt. Der rote Corps de Garde ist dunkelbeerig und kirschig, erinnert fast ein wenig an Morgon-Gamay, zeigt Würze und etwas Feuerstein. 

Empfehlung: G. und J.-H. Goisot: Bourgogne Côtes d’Auxerre Chardonnay, € 13,70 und Corps de Garde Bourgogne Côtes d’ Auxerre Pinot Noir, € 17,30, demeter-zertifiziert bei Bernd Kreis, Weinhandlung Kreis 

Was die Goisots für Saint-Bris-le-Vineux sind, das sind Jean und Catherine Montanet für Vézelay. Der Ort am Rande des Nationalparks Morvan ist als Wallfahrtsort und Weltkulturerbe deutlich berühmter denn als Weinort. Hier findet seit dem Mittelalter die Verehrung der Maria Magdalena statt. Der Ort ist ferner Ausgangspunkt für einen der wichtigen Jakobswege und so pittoresk, dass er offiziell zu den schönsten Dörfern Frankreichs gezählt wird. Man benötigt etwa 40 Minuten vom Auxerre nach Vézelay und dann noch einmal etwa anderthalb weitere Stunden bis zur Côte d’Or. Vézelay liegt also weinbautechnisch wirklich fast im Niemandsland. Das hat die Montanets jedoch nicht davon abgehalten, aus einer der üblichen Kooperativen auszusteigen und auf eigene Faust biologischen, im Keller sehr reduzierten Weinbau zu betreiben. Die Weine der Domaine de la Cadette, so der Name des Weinguts, sind klar und ausdrucksstark. Die Weißweine sind von einer markanten Salzigkeit durchzogen, die Rotweine seidig, elegant und leise. Und gerade diese ruhige, unaufdringliche Balance, die die Weine der Domaine de la Cadette auszeichnet, macht sie so einzigartig. Das schmeckt man vor allem beim roten Champs Cadet, dessen Qualität nachhaltig beeindruckt.

Wenn wir schon so viele ungewöhnliche Rebsorten aufgezählt haben, die man in der von Pinot Noir und Chardonnay beherrschten Region gar nicht erwartet: Bei den Montanets gibt es noch zwei weitere. Der César, ursprünglich wohl aus Italien stammend, hat früher dem Pinot Noir etwas mehr Farbe und Alkohol gegeben, ist heute aber nur noch selten anzutreffen. Bei la Cadette findet man ihn als Cuvée. Ebenso ungewöhnlich ist der reinsortige Melon der Bourgogne, der zwar, wie der Name schon sagt, wohl eigentlich aus dem Burgund stammt und die gleichen Eltern hat wie Auxerrois, Sacy und Aligoté, den man dort aber heute so gut wie gar nicht mehr findet. Dafür aber findet man ihn am Unterlauf der Loire; denn Melon ist die Rebsorte des Muscadet Sèvre et Maine. 

Empfehlung: Domaine de la Cadette, Bourgogne Vézelay blanc € 13,90, Pinot Noir Champs Cadet, € 17,50, biozertifiziert bei Alex Zülch, Vins Vivants

Entlang der goldenen Hügel – Côte de Nuits

Gerade einmal 4.500 Hektar Rebfläche bilden zusammen die Côte d’Or, die sich in ca.1.500 Hektar Côte de Nuits und eine fast doppelt so große Fläche der Côte de Beaune aufteilt. Wenn man es grob vereinfacht, dann wachsen an der Côte de Nuits auf jurassischem Kalk einige der größten Pinot Noirs der Welt, während die Côte de Beaune berühmt ist für ihre Chardonnays. Das gilt jedoch vor allem für die ganz großen Weine. Schaut man sich in der Abteilung für Normalsterbliche um, dann findet man rund um Beaune auch exzellente Rotweine und an der Côte de Nuits auch ebensolche, wenn auch wenige Weiße. 

Die Weine, die wir suchen, findet man meist unter der Bezeichnung Bourgogne AOC oder als Hautes Côtes de Nuits bzw. Hautes Côtes de Beaune. Es sind also Weine, die regional entstehen oder in Falle der Hautes Côtes im Hinterland. Ortsweine, also Bourgogne Village samt Ortsangabe, bekommt man von den guten Erzeugern kaum einmal für unter € 20,- zu Gesicht. Wie gut jedoch auch einfache Bourgogne rouge von den Côtes de Nuits schmecken können, zeigt exemplarisch der Bourgogne Roncevie der Domaine Arlaud Père et Fils, der ausschließlich von Reben in Gevrey stammt. Cyprien, Romain und Bertille Arlaud arbeiten biodynamisch, und fast jeder Rebstock stammt aus einer Sélection Massale und nicht, wie sonst üblich, aus Klonung. Den Stil, der die großen Weine des Gutes auszeichnet, findet man schon im einfachen Burgunder: Finesse bei einer gewissen Bodenständigkeit, Dichte und Frische mit einem schönen Punch.

Empfehlung: Domaine Arlaud Père et Fils, Bourgogne rouge »Roncevie«, € 20,00 bei Hermann Kratz, Le Pinot Noir 

Auch das, was man in der Domaine Gérard Mugneret als Basiswein erhält, ist großartig. Der Bourgogne rouge stammt aus Chambolle, Vosne und Flagey und zeigt auch hier deutlich den markanten Stil des Winzers Pascal Mugneret. Es ist die Verbindung von seidiger Eleganz mit tiefer Kraft und Energie, die seine Weine durch das gesamte Angebot prägt.

Empfehlung: Domaine Gérard Mugneret, Bourgogne rouge, € 20,00 bei Hermann Kratz, Le Pinot Noir

Mindestens so bemerkenswert ist das, was man in der Domaine Lécheneaut mit dem Bourgogne »Clos Prieur« in die Flasche füllt. Der dunkle, eher nach Pflaumen denn nach roten Früchten duftende Burgunder aus Gilly wird von dem Burgunderspezialisten Allen Meadows als »top outstanding value« bezeichnet. Der Hautes Côtes de Nuits steht dem Wein in nichts nach, wirkt etwas heller, reduktiver und mineralischer. Doch bei beiden Weinen arbeiten die Brüder Philippe und Vincent sehr präzise.

Empfehlung: Domaine Léchenaut, Bourgogne rouge »Clos Prieur«, je € 19,90 bei N+M Weine

Entlang der goldenen Hügel – Côte de Beaune

Von der Côte de Nuits kommend, lassen wir die bedeutende Grand-Cru-Lage am Corton-Hügel links liegen und machen Halt in der Gebietshauptstadt Beaune. Dort befindet sich das Haus Camille Giroud. Das Haus hatte einen hervorragenden Ruf, bis es in den 1980ern vererbt werden sollte – das Ende so mancher französischer Weingüter, die sich mit einem völlig veralteten Erbrecht herumschlagen müssen. Das Weingut wurde aber 2002 von einer Gruppe amerikanischer Burgunder-Freaks übernommen und die haben einen der wohl interessantesten jungen Weinmacher des Burgund, David Croix, engagiert. Der hat das Weingut innerhalb kurzer Zeit wieder so richtig flott gemacht. Der gelungene Ausdruck dessen sind die Einstiegsqualitäten Bourgogne rouge und Bourgogne blanc. Der Rote wirkt erdig, dunkel und würzig mit einer beeindruckenden Detailtiefe und Komplexität. Der Weiße zeigt, wie der Rote auch, salzige Noten, Druck und eine pure helle Frucht.

Empfehlung: Camille Giroud, Bourgogne rouge und Bourgogne blanc, je € 19,50 bei Norbert Ehret, Vinisüd 

Weiter geht es in den Süden nach St. Aubin, einer immer noch preisgünstigen Orts-AOC, in der Sylvain Langoureau begeisternd finessenreiche, elegante und gleichzeitig kräftige Weine keltert. Die Domaine Langoureau, mit acht Hektar ein kleiner Betrieb, hat einen Tüftler als Weinmacher, dessen Weine über die Jahre hinweg immer eleganter geworden sind. Der Neuholzanteil seiner Weine liegt bei höchstens 30 %. Schon der einfache St. Aubin, gekeltert aus Traubenmaterial aller vier Einzellagen Sylvains, ist die gelungene Kombination aus Volumen, Nerv und Eleganz, wie man sie bei Ortsweinen dieser Gegend nur sehr selten findet. Eine Stufe höher, beispielsweise beim St. Aubin »En Remily«, findet man schon alles, was der Herz begehrt: den Rauch und Stein eines reduktiven Ausbaus, Birne, Pfirsich und Zitronenschale, Extrakt, Saft und salzige Frische am Gaumen, die in ein langes Finale übergeht. Das ist sehr gekonnt.

Empfehlung: Domaine Sylvain Langoureau, Saint-Aubin, € 19,80. Norbert Ehret, Vinisüd

Kurz bevor man die Côtes de Beaune in Richtung Côte Châlonnaise verlässt, trifft man in Santenay noch einmal auf einige ausgewiesene Rotweinspezialisten. Der wohl interessanteste junge Weinmacher unter ihnen ist David Moreau, aktuell noch klar als Geheimtipp zu verbuchen. Wie ernst es Moreau mit dem Weinmachen meint, zeigt sein Umgang mit den eigenen Weinbergen. Die wurden Jahrzehnte lang intensiv chemisch bewirtschaftet, solange Moreaus Vater die Ernte an Händler verkaufte. David geht einen völlig anderen Weg. Er lässt die Weinberge allesamt durchatmen und stellt auf biologischen Weinbau um. Während das passierte, pachtete er Weinberge, die seinen Ideen entsprachen. Wie diese aussehen, schmeckt man im Côte de Beaune Villages aus 30 bis 50 Jahre alten Reben, wo sich die knackige rote Beerenfrucht frisch, klar, leicht herb, mit feiner Säure, mit Tannin und einer duftigen Eleganz präsentiert. Das ist ganz wunderbar.

Empfehlung: David Moreau, Côte de Beaune Village, € 16,90 bei Nobbi Müller Burgunder und Süßweine

Im südlichsten Zipfel der Côte schließlich liegt Maranges und dort auch die Domaine Chevrot. Maranges gehört nicht unbedingt zu den Orten, die man direkt auf dem Schirm hat, wenn man an die Côte de Beaune denkt. Umso überraschender ist dann die durchgängige Qualität, die Pablo und Vincent Chevrot in die Flasche bringen. Schon der Aligoté begeistert mit saftiger Frucht und Frische. Überhaupt sollte dem Aligoté dringend mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Diese Rebsorte war früher im Burgund zu Recht sehr beliebt und ist heute ein Stiefkind. Dabei kann sie einen so großen Wein wie den Clos de Monts Luisants der Domaine Ponsot hervorbringen. Die in der Säure etwas verhalten wirkende Rebsorte reift exzellent, punktet aber auch in ganz jungen Jahren. Geradezu flaschenweise möchte man den Hautes Côtes de Beaune blanc trinken, den die Brüder mit einer ganz zurückhaltenden Holznote geprägt haben. Vor allem aber sticht die zitrische und mineralische Frische hervor, die den Chardonnay klar und pur erscheinen lässt.

Empfehlung: Domaine Chevrot, Bourgogne Aligoté »Cuvée des Quatre Terroirs«, € 11,70, Bourgogne Hautes Côtes de Beaune Chardonnay, € 16,00, biozertifiziert bei Bernd Kreis, Weinhandlung Kreis

In den Süden – von der Côte Châlonnaise ins Mâconnais

Kurz hinter Santenay beginnt die Côte Chalonnaise rund um den Hauptort Chalon-sur-Saône. Der Ort war schon zu gallischen Zeiten ein wichtiger Handelsplatz – auch Wein war ein großes Thema, was der Fund von 20.000 römischen Amphoren beweist. Die Côte ist mit ihren Premier-Cru-Appellationen Rully, Mercurey und Givry längst mehr als das hässliche Entlein neben der strahlenden Schönheit von Beaune. Das Gebiet hat den Standortvorteil, dass die Qualitäten auch in kühlen Jahren besser ausreifen als an der Côte d’Or. Rund um Châlon findet man übrigens neben Pinot und Chardonnay auch Gamay und viel Aligoté. Diese immer wieder unterschätzte weiße Rebsorte hat hier sogar eine eigene AOC. Das ist die erste Besonderheit des kleinen Ortes Bouzeron. Die zweite ist die, dass kein geringerer als Aubert de Villaine, Mitinhaber der Domaine de la Romanée-Conti (DRC), seit Mitte der 1980er zusammen mit seiner Frau Pamela Wein erzeugt. Auch wenn die Weine in den letzten Jahren teurer geworden sind, bleiben die Erzeugnisse der Domaine A. et P. de Villaine bis heute echte Gemmen und reifen – kaum übertrieben – ähnlich gut wie die von Romanée-Conti. Der 1999er La Digoine ist aktuell ein Traum. Die Weine aus biodynamischem Anbau sind strukturiert, die Weißen immer leicht salzig, die Roten saftig und in einer sehr angenehmen Weise in Balance zwischen Finesse und einer leichten Rustikalität. Man bekommt hier nicht etwa Romanée-Conti zum kleinen Preis, das wäre vermessen, aber die Idee der Weinbereitung, die Wertschätzung der Rebe und des Bodens ist hier die gleiche.

Empfehlung: Bouzeron Aligoté und Bourgogne Côte Chalonnaise La Fortune, biozertifiziert. € 17,90 bei Nobbi Müller Burgunder und Süßweine

Einer, der die climats der Premier-Cru-Appellation Rully wie seine Westentasche kennt, ist Vincent Dureuil von der Domaine Dureuil-Janthial. Die Burgunder-Legende Jean-François Coche sagt über Dureuil: »Wenn ich seinen Namen auf einer Weinliste sehe, denke ich nicht weiter nach und bestelle seinen Wein«. Ein größeres Kompliment kann man in Winzerkreisen kaum bekommen. Der noch junge Winzer, der das Terroir, in dem seine Familie seit dem 16. Jahrhundert lebt, wohl mit der Muttermilch eingesogen hat, beschäftigt sich gleichermaßen mit Chardonnay wie mit Pinot Noir. Allein rund um das mittelalterliche Rully vinifiziert er 15 verschiedene Weine. Sie werden von Jahr zu Jahr balancierter und präziser in der Expression des Terroirs. Bei Kierdorf bekommt man den Rully rouge ebenso wie den blanc und verschiedene Einzellagen in großer Jahrgangstiefe. 

Empfehlung: Domaine Dureuil-Janthial, Rully blanc und Rully rouge »En Guesnes«, je € 19,90 bei Kierdorf

Wer den Felsen von Solutré erblickt, weiß, dass er im Mâconnais, genauer gesagt im Bereich Pouilly-Fuissé, angekommen ist. Die südlichste Region des Burgund ist das Bindeglied zum Beaujolais, das ja weinrechtlich auch noch zum Burgund gehört. Tatsächlich sind die Rotweine des Mâconnais schon deutlich vom Gamay geprägt und ebenso die Böden, die viel Granit aufweisen. Wie Inseln ragen die kleinen Appellationen Viré-Clessé, Saint-Véran und Pouilly-Fuissé, Pouilly-Vinzelles und Pouilly-Loché mit ihrem jurassischen Kalk, der dem der Côte d’Or gleicht, aus dem Granit heraus. Da die Nachfrage nach gutem Burgunder hoch und die Hektarzahl an der Côte d’Or sehr begrenzt ist, haben gerade die Chardonnay-Appellationen des Mâconnais in den letzten zwei Jahrzehnten stark an Ansehen gewonnen. 

Dass das seine Berichtigung hat, zeigen beispielsweise Romain und Dominique Cornin. Die Domaine Cornin gehörte zu den ökologisch arbeitenden Vorreitern von Saint-Véran (seit 1998) und arbeitet seit 2003 biodynamisch. Die penible Arbeit von Vater und Sohn führt zu einer markanten Handschrift und einer klaren Typizität. Die Weine, die normalerweise im großen Holzfass ausgebaut werden, sind immer klar, mineralisch, frisch und zeigen eine feine Textur. Herausragend ist sicher die Qualität schon des einfachen Mâcon-Chaintré, der so glasklar daherkommt, wie es Weine des Mâconnais nur selten schaffen. Wer dann eine Stufe höher geht und den Saint-Véran oder Pouilly-Fuissé probiert, erkennt nicht nur direkt das unterschiedliche Terroir, sondern auch die Begabung der beiden Cornins, dieses so deutlich und ohne Verschleierung abzubilden. 

Empfehlung: Domaine Cornin, Mâcon-Chaintré, biozertifiziert, € 13,50. Norbert Ehret Vinisüd

Eine ebensolche Bereicherung sind die Weine der Domaine Saumaize-Michelin. Seit Jahren arbeiten Christine und Roger und mittlerweile auch ihr Sohn Vivien an der konstanten Verbesserung im Weinberg, weshalb sie, wie die Cornins auch, vor ca. 15 Jahren auf die Biodynamie gesetzt haben. Sie gehen ähnlich sorgsam und zurückhaltend mit dem Holz um, das bei Saumaize höchstens zu 15 % neu ist. Das Ehepaar hat das Glück, Anteile an einigen der besten Lagen des Gebietes zu besitzen, wie zum Beispiel das Filetstück Clos sur la Roche. Wenn man die sechs Pouilly-Fuissé des Weinguts nebeneinanderstellt, merkt man auch hier sehr schnell, mit welcher Hingabe die Winzer das Spezifische jeder einzelnen Lage herausarbeiten, und es sind allein in Pouilly-Fuissé elf verschiedene Weine. Doch auch hier fängt der Spaß schon mit den Basis-Weinen an, wie beispielsweise dem Saint-Véran. 

Empfehlung: Saumaize-Michelin, Saint-Véran, € 15,80 bei Joachim Christ 

Das Burgund wird nie ein einfach zu verstehendes Weinbaugebiet sein. Dafür ist es zu heterogen und zu klein parzelliert. Auch ist es zu klein, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Da das so ist, gibt es immer noch genügend Betriebe, die meinen, sie könnten sich jede noch so schlechte Qualität erlauben, da sie ja eh alles verkaufen können. Glücklicherweise hat schon vor etwa zwei Jahrzehnten ein zunächst langsamer, dann aber steter Wandel stattgefunden hin zu mehr Qualität und einem bewussteren Umgang mit der Natur. Heute arbeitet fast jeder Betrieb, der etwas auf sich hält, zumindest naturnah, was so viel bedeutet wie ein bewusster Umgang mit Spritzmitteln. Viele, ja sehr viele arbeiten aber bewusst ökologisch oder biodynamisch. 

Sämtliche empfohlenen Weine stammen aus Domänen, deren Weine samt und sonders zu empfehlen sind. Oft bilden die genannten Weine die exzellente Basis eines beeindruckenden Programms. Die Preise gelten für Endverbraucher und liegen unter € 20,00. Die genannten Händler und Importeure liefern die Weine jedoch ebenso an die Gastronomie. Fast alle erwähnten Weine sind ganzjährig verfügbar.

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Christoph Raffelt ist ein ausgesprochen fleißiger Blogger, Kritiker, Podcaster, Prediger und Dozent in Sachen Wein. Da er auch gerne Gast ist haben wir ihn einfach eingeladen auch für uns zu schreiben.

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