Alles Bio oder was?

Biologisch angebauter Wein ist auf dem Vormarsch. Das wirft Fragen auf: Welches Bio-Siegel steht wofür? Können Bio-Winzer Spitzenqualitäten hervorbringen? Die Antworten und Einiges mehr lesen Sie hier.

Alexander Kohnen über den biologischen Anbau 

Trauben im Sonnenschein

Gérard Depardieu ist nicht nur ein begnadeter Schauspieler von Weltruf er ist auch Verfechter des ökologischen Weinbaus. Depardieu selbst seit 30 Jahren Winzer, erzeugt und vermarktet nun schon seit über einem Jahrzehnt Weine aus ökologischem Anbau. Er selbst hat sein Leben auf 100 % ökologischer Erzeugnisse umgestellt und lebt nach eigenen Angaben gesund und vor allem glücklich. „Bio“ hat sich durchgesetzt und der Bio-Hype hält an. Zumal sich die Qualität in den vergangenen Jahren extrem verbessert hat. Früher waren Bioweine recht eigenwillige Tropfen, heute dagegen befinden sich Weine aus Öko-Landbau mit vielen konventionell erzeugten Weinen auf Augenhöhe und stehen regelmäßig ganz oben in den Hitlisten der Weingenießer.

Vorreiter beim Biowein sind die klassischen Weinbaunationen Frankreich, Italien und Spanien. Dort gibt es die größten Anbauflächen. In Deutschland bewirtschaften Öko-Winzer fast 5.200 Hektar. Das ist zwar doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren, insgesamt sind es aber gerade knapp fünf Prozent der gesamten Anbaufläche in Deutschland. Schwerpunktregionen für ökologischen Weinanbau sind die Anbaugebiete Baden und Rheinhessen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Philosophien: Der Öko-Weinbau verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, leicht lösliche mineralische Düngemittel und den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen. Das intakte Ökosystem wird gepflegt, die Reben natürlich gestärkt um Krankheiten vorzubeugen. Die Weinberge sind begrünt um den Boden zu nähren, zu lockern und die Vielfalt der Tierarten (Nützlinge) zu wahren.

wachsende FelderDer Biologisch-Dynamische Weinbau hingegen ist eine ganzheitliche Sicht der Rebkultur nach anthroposophischen Grundsätzen. Die Rebe wurzelt tief in der Erde und strebt mit ihrem Blattwerk dem Licht entgegen, verbindet so Erde und Kosmos. Schonende Bodenbearbeitung, sorgfältige Pflege der Reben, Einbeziehung kosmischer Rhythmen sowie die biologisch-dynamischen Spritzpräparate und die eigene Kompostwirtschaft beleben Boden und die natürliche Umwelt.

Es gibt viele Möglichkeiten Bioprodukte und Biowein zu deklarieren: "kontrolliert-biologisch", "organisch-biologisch", "biologisch-dynamisch" oder einfach nur "Bio-" oder "Öko-". Winzer und Landwirte können frei entscheiden, welche Bezeichnung sie wählen. Allerdings dürfen sie nur solche Produkte damit kennzeichnen, die regelmäßig nach der EG-Öko-Verordnung erzeugt und kontrolliert werden. Diese Verordnung gilt als Mindeststandard für ökologischen Anbau in Europa. Das sechs- eckige EU-Bio-Siegel hat einen grünen Rand und die Inschrift BIO nach EG-Ökoverordnung. Viele Winzer haben sich zu Verbänden zusammengeschlossen. Je nach Philosophie gibt es verschiedene Repräsentanten. Die bekanntesten Bio-Winzer-Verbände sind: Ecovin, Naturland, Bioland und Demeter.

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen gehört zu den bekanntesten Sommelierausbildern in Deutschland und gehört seit Jahren zu den 50 TOP-Sommeliers des Aral Schlemmeratlas. Hier möchte er alles, was er weiß und kann, mit Ihnen teilen.

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