Rot oder Weiß? Alexander Kohnen schenkt Glühwein aus

Der Winter ist eingezogen und umgibt eine stimmungsvolle Atmosphäre auf unseren Marktplätzen und Fußgängerzonen. Zeit für ein besonderes Getränk, das eng mit Spekulatius und „Last Christmas“ von Wham in Verbindung gebracht wird. Man genießt es, heiß, im Stehen, vorzugsweise im Freien nach dem strapaziösen Weihnachtseinkauf, mit den Arbeitskollegen oder nach einem ausgiebigen Stadtbummel. Die Rede ist von Glühwein.

Nach Angaben des Bundesverbandes Wein und Spirituosen werden jährlich rund 40 Millionen Liter des „aromatisierten weinhaltigen Getränks“ in der Adventszeit konsumiert. Was sie davon in Läden und an manchen Glühweinständen angeboten bekommen, ist allerdings von sehr unterschiedlicher Qualität. Fertige Glühweine aus der Flasche oder Tetrapak enthalten viele verschiedene Weinsorten aus allen weinbauproduzierenden Ländern. Die gesetzlichen Angaben sind gering und die genaue Deklaration der Inhaltsstoffe nicht zwingend. Der Alkoholgehalt muss mindestens sieben Volumenprozent betragen. Das aromatisierte Getränk darf nur aus Wein, Zucker und Gewürzen hergestellt werden. Eine Zugabe von Wasser ist verboten.

Am besten schmeckt der Glühwein, wenn er frisch zubereitet wird. Hausgemachter Glühwein schmeckt nach konzentrierter roter Frucht und wird aus Rotwein der heimischen Weinregionen hergestellt. Die jeweilige Rebsorte hebt den besonderen Charakter eines Glühweins hervor und prägt dessen Gusto. Spätburgunder ist zum Beispiel frucht- und leicht säurebetont. Ein Glühwein aus der Rebsorte Dornfelder ist kräftig im Geschmack und wird von reifen Pflaumen, Holunder und Johannisbeeren geprägt. Ob Glühwein frisch ist, lässt sich auch an seiner intensiv roten Farbe erkennen. Braun wird er durch Oxidationsprozesse, bei Überlagerung oder durch langes Warmhalten im offenen Kessel.

Der liebliche Wein darf nur bis maximal 78 Grad erhitzt und keinesfalls gekocht werden. Bei höherer Temperatur verdunstet der Alkohol und das Heißgetränk schmeckt fade. Verzichten Sie möglichst auf Zucker und verwenden Sie Honig zum Süßen. Für einen guten Glühwein empfehlen sich die fruchtbetonten Rotweine ganz besonders. Denn durch die Erwärmung kommen die Weinaromen, die oft an rote Früchte erinnern, besonders stark zum Ausdruck und ergeben eine wundervolle Harmonie mit den würzenden Zusätzen. Neben diesem Klassiker gibt es auch eine weiße Glühwein-Variante: Verwendet man Weißwein und ersetzt die Nelken durch eine Handvoll Rosinen, so hat man schon einen „Heißen Seehund“, wie man ihn an der „Waterkant“ liebt. Hierfür eignen sich besonders weiße Rebsorten mit dezenter Säure.

 

Hier ein Lieblingsrezept für einen Glühwein aus Weißwein: Sie benötigen für sechs ordentliche Portionen 1/8 l frisch gepressten Orangensaft, 1 ½ l lieblichen Weißwein, 4 Gewürznelken, 3 ½ EL weißen Kandiszucker, 1 EL Zucker, 80 ml weißen Rum und eine ungespritzte Orange. Alle Zutaten in einem Topf erwärmen. Orange heiß abwaschen, in 6 Scheiben schneiden und in der Pfanne mit Zucker karamellisieren. Anschließend in 6 Gläser geben. Den Punsch auf die Gläser verteilen.

Wer den Punsch aus Rotwein liebt, der wird dieses Rezept mögen: Sie benötigen für acht Personen 8 Kardamomkapseln, 10 Nelken, 10 Pimentkörner, 4 Kapseln Sternanis, 1 Stange Zimt, 1 Tl Koriandersaat, 1 Tl Anissaat, 1 l trockenen und fruchtigen Rotwein, 0,5 l Traubensaft vom Winzer, 1 unbehandelte Orange, 1 Tl Honig.

Die Zubereitung ist einfach:

Kardamomkapseln mit der breiten Seite eines großen Messers zerdrücken. Kardamom, Nelken, Piment, Sternanis, Zimtstange, Koriander und Anissaat in einen Teebeutel geben und zubinden. Rotwein und 500 ml roten Traubensaft mit dem Teebeutel zugedeckt aufkochen.

Inzwischen die Orange heiß waschen, trocknen und in 1/2-1 cm dicke Scheiben schneiden. Zum Wein geben und zugedeckt bei milder Hitze 15 Min. ziehen lassen. Teebeutel über dem Wein ausdrücken und entfernen. Den Glühwein mit Honig abschmecken. Für den extra „Glüh“ wird das Heißgetränk gern mit einem Schuss Rum aufgepeppt, was allerdings nicht dem Glühwein-Original entspricht.

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen

Alexander Kohnen gehört zu den bekanntesten Sommelierausbildern in Deutschland und gehört seit Jahren zu den 50 TOP-Sommeliers des Aral Schlemmeratlas. Hier möchte er alles, was er weiß und kann, mit Ihnen teilen.

Zum Portrait